Tage ohne Wind mit Christoph

Christoph ist ja eigentlich zum Segeln zu uns gekommen. Wir hatten geplant, mit ihm von Caniçal aus eine Runde runter nach Funchal, dann rüber auf die Desertas, zurück in die Enseada da Abra und dann nach Porto Santo zu segeln. Allerdings hat sich schon in den letzten Tagen abgezeichnet, dass wir viel zu wenig Wind haben werden, um zu segeln. Aber das Wetter verspricht sehr schön zu werden, so dass wir mit schönen Tagen und Baden am Anker rechnen.

14.11.2022

Christoph nimmt die Aussichten auf ein paar entspannte Tage sehr gelassen hin. Er freut sich darauf, mal wieder so richtig runter zu kommen und ruhige Tage mit uns auf Sabir zu genießen.

Wir beginnen gleich mit einem ausgiebigen Frühstück an Deck – für Christoph, der aus nasskaltem November-Deutschland gekommen ist, beginnt der Urlaub.

Nach dem Frühstück verlegen wir Sabir von einem Ankerplatz an den nächsten: Es geht wieder rüber in die Enseada da Abra. Christoph übernimmt das Steuer und ich ziehe den Anker hoch.

Nur eine halbe Stunde benötigen wir für die kurze Strecke von Caniçal an Quinta do Lorde vorbei in die Enseada da Abra. Christoph wirft den Anker, dann machen wir es uns gemütlich. Wir springen ins Wasser und schwimmen um das Schiff herum.

Danach kochen wir uns einen Kaffee und essen den Apple-Crumble, den Claudia gestern schon für heute gebacken hat. Der Nachmittag vergeht entspannt. Claudia und ich lesen bei ein paar Blog-Artikeln Korrektur und veröffentlichen diese.

Christoph erzählt uns, dass er mit der Band, in der er Gitarre spielt und neben dem Sänger singt, in den vergangenen Tagen in einem professionellen Tonstudio waren, in dem sie fünf ihrer Stücke aufgenommen haben. Die eingespielten Stücke wollen sie im kommenden Frühjahr als EP veröffentlichen. Wenn Christoph wieder in Deutschland zurück sein wird, geht es auch gleich zu dem Produzenten, in dessen Tonstudio dann die Gesangsspuren eingesungen werden. Wir dürfen die fünf Stücke schon einmal zur Probe hören uns sind sehr begeistert davon. Wir sind gespannt auf die Veröffentlichung.

Da wir gestern in Caniçal kein „schönes“ Brot mehr bekommen haben, bäckt Claudia heute auch ein Brot für uns. Das wird es dann morgen zum Frühstück geben.

Gegen Abend brate ich die Reste der Poké zu einem chinesischem Gemüse an. Das ist in der Zwischenzeit auch zur Tradition geworden.

Am Abend drücken wir Christoph die Gitarre in die Hand und wir singen bis spät in die Nacht das Liederbuch „Das Ding“ von vorne nach hinten durch. Wir haben einen Riesenspaß.

15.11.2022

Nach einer ruhigen Nacht beginnt der nächste Tag fast so, wie der vergangene aufgehört hat – nein, nicht mit singen: Wir frühstücken ausgiebig und nehmen dann ein erfrischendes Bad im kristallklaren Wasser des Atlantik.

Wir wechseln die Bucht und fahren in Richtung Südwesten an Quinta do Lorde und Caniçal vorbei nach Machico. Unterwegs fährt die Luxusyacht „Black Pearl“ an uns vorbei. Wir bemühen das Internet und finden heraus, dass eine Woche Charter „nur“ 63.300$ pro Woche kostet… Wir sind uns einig: Auch wenn wir das Geld dafür hätten, würden wir nicht tauschen wollen.

Unser Anker fällt nach ca. 45 Minuten Fahrt vor Machico. Wir genießen die Aussicht auf den Strand, die Stadt und die umliegenden Berge und kühlen uns auch hier noch einmal im Atlantik ab. Über unsere Köpfe donnern in kurzen Abständen die Flugzeuge im Landeanflug auf den Flughafen von Funchal (der hier gleich um die Ecke liegt).

Durch Machico sind wir letztes Jahr im Dezember 2021 mal gelaufen, als wir mit Sabir in Quinta do Lorde lagen. Damals war es kühl und regnerisch. Unser Besuch dieses Jahr ist noch ein wenig „früher“ und wir werden schönes und warmes Wetter haben. Wir machen Dinghy und Außenborder klar und fahren rüber in den Hafen. Gemächlich schlendern wir durch die Gassen und vertreiben uns die Zeit. Im Supermarkt machen wir ein paar kleine Einkäufe und in einer Frutaria holen wir uns frische madeirische Früchte: Maracuja, Mango und Papaya.

Zum Abendessen gehen wir direkt an der Strandpromenade ins Restaurant „Mare Alta“ (eine Empfehlung von Christiano). Christoph und ich essen den Catch-of-the-day (leider weiß ich nicht mehr, was es für ein Fisch war) und für Claudia gibt es leckeres gegrilltes Gemüse.

Bei Nacht tuckern wir zurück zu Sabir.

16.11.2022

Heute brauchen wir mal etwas mehr Bewegung. In Sichtweite ist der Gipfel des „Pico do Facho“ (das ist wieder einer der „Fackelberge“ von denen wir schon auf Terceira geschrieben haben). Der Gipfel liegt 280m über dem Meeresspiegel. Vom Hafen aus verläuft der Weg zunächst mit relativ flacher Steigung in zwei langgezogenen Serpentinen am Hang entlang den Berg hinauf. Dann hört das gemütliche Stück des Weges auf und wir müssen auf einem gut ausgebauten Weg steil nach oben steigen. Wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Irgendwann sind wir so hoch, dass die landenden Flugzeuge an uns vorbei, statt über uns fliegen. Ein interessanter Blickwinkel. Das letzte Stück geht entlang eines Kammweges und dann über Metalltreppen zum Gipfel.

Oben angekommen genießen wir die Aussicht, setzen uns hin, essen mitgebrachte Nüsse und trinken etwas. Ein Mitarbeiter einer Firma, die Walbeobachtungen anbietet baut neben uns sein Fernglas auf. Wir haben schon ein paar mal gehört, dass die Boote von Land aus zu den Walschulen dirigiert werden – heute erleben wir es live. Nachdem der Mitarbeiter offenbar Wale entdeckt hat, meldet er diese über Funk nach unten und das Boot nimmt direkten Kurs auf die entsprechende Stelle. Claudia fragt, ob sie mal durch das Fernglas schauen darf. Sie darf – und tatsächlich sieht sie durch das große Glas zuerst nur den Blas eines Tieres und dann einen Pottwal mit einem Kalb. Auch Christoph und ich schauen durch das Glas, aber wir haben nicht so viel Glück.

Zurück nehmen wir den deutlich längeren, aber einfacheren Weg entlang der Straße hinunter nach Machico.

Nach etwas mehr als vier Stunden sind wir wieder zurück auf Sabir.

Der Mast von unserem Nachbarn zeigt direkt auf den Gipfel 😉

Den Abend lassen wir mit einer Cholera und einem Schluck Laphroaig ausklingen. Morgen geht es nach Porto Santo – mal schauen, wie der Wind wird, ob wir segeln können.

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