Alte Beiträge aus 2021

Liebe Leser:innnen,

wir haben es versucht – aber nicht geschafft. Unsere Blogbeiträge aus dem Jahr 2021 wollten wir eigentlich alle geschrieben und veröffentlicht haben, bevor wir jetzt in 2022 auf den Kanarischen Inseln wieder so viel Neues erleben werden…

Wir haben uns nun dazu entschieden in der Gegenwart weiter zu schreiben und Euch an dem teilhaben zu lassen, was gerade aktuell ist.

Nicht desto trotz werden wir – nicht zuletzt auch für uns – unser Tagebuch für 2021 weiter schreiben. Damit Ihr hier auf dem Blog mitbekommt, wenn es neue Beiträge aus 2021 gibt, werden wir diesen Artikel hier regelmäßig aktualisieren.

„Neue alte“ Beiträge von 2021:

Heute wagen wir uns mal wieder vor die Türe

Gestern Abend ist ein Gewitter über uns hinüber gezogen und in der Nacht hat es immer wieder mal geregnet. Am Morgen ist es bedeckt, sehr windig und kalt. Durch einen Durchgang im Einkaufszentrum der Marina können wir tatsächlich einen „Ausschnitt“ des Sonnenaufgangs sehen.

Der Regen der Nacht hat aber offenbar die Luft wieder rein gewaschen. Man kann zumindest wieder die Berge hinter Arrecife sehen. Wir beschließen heute mal wieder raus zu gehen und ein bisschen durch Arrecife zu bummeln.

Wir gehen direkt am Ausgang der Marina vor an die Küste und bestaunen wieder einmal die Gewalt des Atlantiks, dessen Wellen an die Küste branden. Lange halten wir es hier aber nicht aus: Im Wind ist es einfach zu kühl.

Wir schauen uns heute ein paar Gebäude an, die wir bei unseren letzten Ausflügen noch nicht gesehen haben. Da wäre das Rathaus von Arrecife:

In der Fußgängerzone finden wir das Casa Amarillo, das „gelbe Haus“. Hier war früher der Sitz der Inselregierung.

Wir entdecken eine schmale Gasse, in der sich ein kleines Restaurant an das andere reiht. Es stehen Tische und Stühle auf der Gasse, so dass man im Freien sitzen kann. Trotz des kühlen Wetters entschließen wir uns, hier einen Cortado zu trinken und dazu eine Portion „Papas Arrugadas“ zu bestellen. Das ist eine kanarische Spezialität, bei der kleine Kartöffelchen mit der Schale so lange in stark gesalzenem Wasser (Meerwasser) gekocht werden, bis das Wasser verdampft ist. Danach werden die Kartoffeln im heißen Topf getrocknet. Dabei entsteht auf den Kartoffeln eine leckere Salzkruste. Zu den Kartoffeln werden immer zwei Soßen serviert: „Mojo Rojo“ und „Mojo Verde“. Die Mojo Rojo ist eine rote Soße, die aus Chili, roter Paprika, Tomatenmark, Knoblauch und viel Öl hergestellt wird. Bei der Mojo Verde handelt es sich um eine grüne Kräutersoße aus Petersilie, Koriander, grüner Paprika und ebenfalls viel Knoblauch und Öl.

Ich kannte die Kartoffeln zwar schon – Claudia isst sie das erste Mal – trotzdem war es für uns beide eine Überraschung, wie lecker dieses einfache Gericht schmeckt.

Am Nachbartisch bestellt ein älterer Herr aus der Schweiz einen „Barraquito sin alcohol“ und die Bedienung sagt: „Bla bla leche leche.“ (wir konnten nicht alles verstehen) Und siehe da, der Herr bekommt genau das, was wir eigentlich haben wollten: Einen Cortado Leche y Leche. Das ist ein Espresso mit heißer Milch und gesüßter Kondensmilch. Beim nächsten Kaffee bestellen wir genau den!

Beim Barraquito handelt es sich ebenfalls um eine Art Cortado Leche y Leche, aber mit einem Schuss Alkohol (Licor 43), Zimt und Zitronenschale. Klingt auch lecker – aber nicht um die Uhrzeit.

Nach dem Essen schlendern wir zwar noch ein bisschen herum, merken aber schnell, dass es uns einfach zu kalt ist. Wir machen kehrt und gehen zurück zu Sabir. Ok, wir wissen, dass Ihr jetzt wahrscheinlich denkt: „Kalt? Ihr habt ja keine Ahnung, bei uns ist es kalt…“. Aber wir haben heute auch seit langem mal wieder zwei Jacken an und der Wind macht es gefühlt noch mal kälter. Wir wissen schon auch, dass wir uns überhaupt nicht beschweren dürfen.

Ich schaue nach dem Wetter der kommenden Tage und sehe, dass zum Wochenende hin, ab Samstag/Sonntag die Calima-Lage mit den Ostwinden abnimmt und eher wieder der Passat aus Nordost einsetzt. Diese Bedingungen sollen voraussichtlich bis kommende Woche Mittwoch oder Donnerstag bestehen bleiben, so dass dies eine gute Gelegenheit wäre nach La Graciosa zu segeln.

Wir machen folgenden Plan (sofern die Wettervorhersage ungefähr so bleibt):

  • Von Mittwochabend bis Samstagabend mieten wir uns ein Auto und schauen uns die Sehenswürdigkeiten der Insel an.
  • Am Sonntag machen wir uns auf den Weg nach La Graciosa und bleiben dort drei Nächte bis Mittwoch.
  • Mittwoch früh machen wir uns auf den Weg nach Süden nach Playa Blanca und legen uns dort wieder an den Anker.

Damit wir vor La Graciosa ankern dürfen, benötigen wir eine Erlaubnis der Inselregierung, diese wollen wir uns morgen holen.

Bei der Recherche der Route, die wir mit dem Auto nehmen wollen, sind wir im Netz irgendwie auf den Käseladen „Queso Project“ in Arrecife gestoßen, der eine sehr große Auswahl an kanarischen Käsesorten haben soll. Also machen wir uns am späten Nachmittag (in Spanien wird Siesta gemacht, da haben die meisten Läden zwischen 14:00 Uhr und 17:00 Uhr geschlossen) noch einmal auf den Weg. Inzwischen ist es draußen etwas freundlicher geworden, der Wind hat nachgelassen und es ist damit auch nicht mehr so kalt.

Wir erreichen „Queso Project“ und finden einen sehr schön eingerichteten, schnuckeligen Käseladen mit einer sehr großen Auswahl an lokalen, aber auch internationalen Käsespezialitäten, sowie Weinen.

Wir lassen uns einen sehr alten, scharfen und einen jungen, gerauchten Käse empfehlen. Beide stammen aus den Bergen Lanzarotes aus der Gegend um das Dorf Haria. Leider können wir den Käse nicht probieren – Corona macht es unmöglich. Egal, wir nehmen einfach von jedem etwas mit, wird schon schmecken…

Wir entdecken an einer Fassade eine bemalte Wand und direkt gegenüber das nette kleine Café „Mi Niña“. Das spricht uns so an, dass wir beschließen, morgen dort den Cortado Leche y Leche zu trinken.

Vorne an der Promenade sehen wir, dass wir heute wohl einen tollen Sonnenuntergang bekommen werden. Zwischenzeitlich ist nämlich tatsächlich die Sonne herausgekommen und wir haben blauen Himmel. Im Westen sieht man deutlich die Sandwolke mit der trüben Sicht. Die Sonne versinkt hinter dieser Wolke und taucht den Horizont in goldenes Licht.

Da es nun endlich nach 18:00 Uhr ist, können wir uns auch auf den Weg zur Brauerei Cerveza NAO machen. Wir sind sehr gespannt, was die dort für Biere brauen.

Die Brauerei ist in einem unscheinbaren Gebäude untergebracht, das von außen die Anmutung einer Werkstatt hat. Innen finden wir eine gemütliche Bar mit Blick auf die Produktionsstätte mit den Kesseln, in denen das Bier gebraut wird.

Wir erstehen vier Flaschen Bier:

  • Capitán (ein American Pale Ale)
  • Marinera (ein helles Ale)
  • Mucho (ein Indian Pale Ale)
  • Black Patron (das Schwarze)

Den Capitán und die Marinera haben wir nur wegen des Namens gekauft (Skipper und Matrosin 😉). Als gute Freunde ein Bild der beiden Bierflaschen sehen, bekommen wir zum Dank sofort einen Ohrwurm eingepflanzt: „La Bamba“:

Yo no soy marinero
Yo no soy marinero, soy capitán
Soy capitán, soy capitán

La Bamba, Los Lobos

Bitteschön, keine Ursache… 😄

Wir machen uns schnell auf den Weg zurück auf unser Schiff, damit wir dort den Käse und das Bier probieren können.

Wir lassen uns den Capitán schmecken und genießen den Käse. Wir sind mit unseren Errungenschaften sehr zufrieden, es ist alles sehr lecker.

Vorbereitungen auf die Passage nach Lanzarote

Wir beobachten seit wir wieder hier sind permanent Wind und Wetter für die kommenden Tage, um ein schönes Wetterfenster für die Passage von Madeira nach Lanzarote zu finden. Wir wünschen uns moderaten Wind über 15, aber unter 25 Knoten aus Nordost, damit wir zügig die Strecke von ca. 290nm zurücklegen können. Wir rechnen für die Strecke ca. 2,5 Tage. Wenn die Bedingungen noch ein paar Tage länger vorherrschen, können wir vor Lanzarote, bei der Insel La Graciosa, den Anker fallen lassen, bevor wir in die Marina Lanzarote in Arrecife gehen. So ist zumindest der Plan.

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Ein neues Jahr

Am 18.12.2021 sind wir nach Deutschland geflogen um mit unseren Familien Weihnachten zu feiern. Es war auch dieses Jahr wieder ein „anderes“ Weihnachten. Die Nachrichten über die erwartete Omikron-Welle-Wand, möglicherweise bei Omikron nicht mehr funktionierende Antigen Selbsttests, noch leichtere Übertragbarkeit durch die Luft, hat uns wieder sehr vorsichtig sein lassen. Treffen mit unseren Freunden haben nicht stattgefunden, die FFP2-Maske haben wir außerhalb der Wohnung permanent getragen. Den Gedanken jemanden aus der Familie möglicherweise anzustecken oder sich selbst anzustecken war nicht aus dem Kopf zu bekommen.

Trotz der Vorsicht und der Einschränkungen haben wir mit unseren Familien ein schönes Weihnachtsfest gehabt und die gemeinsame Zeit sehr genossen.

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Tag 4: Ankunft auf Porto Santo

Die letzten Meilen ziehen sich. Das Ziel vor Augen vergeht die Zeit irgendwie langsamer. Gut, inzwischen haben wir auch weniger Wind, sprich: Wir segeln langsamer. Wir sind aber trotzdem immer noch mit ca. 5kn unterwegs.

Um uns herum ist es heute ziemlich dunkel und so sehen wir zum ersten Mal auf dieser Passage das Meeresleuchten. Es entsteht wenn Sabirs Rumpf das Meer durchpflügt und dabei bei Mikroorganismen, die im Meer leben, einen Berührungsimpuls auslöst. Diese Mikroorganismen senden dabei einen Lichtimpuls aus und die Welle, die wir aufgeworfen haben, schillert blau-grünlich. Als Martina vor ein paar Tagen bei Culatra nachts die Toilette abgepumpt hatte, gab es tatsächlich Meeresleuchten in der Kloschüssel. Ihr überraschter Ausruf war: „Kommt schnell, hier ist Meeres-Glühwürmchen-Feuerwerk“.

Vor Porto Santo fängt es dann an wieder spannender zu werden. Man muss gut Ausschau halten, ob eventuell Positionslichter eines Fischers zu erkennen sind. Die kleinen Fischer haben kein AIS und werden uns also auf unseren Instrumenten nicht angezeigt.

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Tag 4: Ganz schön flott + Motorproblem

Nach einer ereignislosen Nacht sitzen wir drei gemeinsam im Cockpit und frühstücken. Unser letzter Tag auf See, bevor wir Porto Santo erreichen beginnt. Er scheint schön und sonnig zu werden.

Der kräftige Wind und die hohen Wellen sind geblieben. Wir haben immer noch im Mittel ungefähr 28kn. In Böen geht es hoch auf 36kn. Irgendwie haben wir uns inzwischen daran gewöhnt und es macht uns einen riesigen Spaß zu beobachten, wie schnell Sabir bei diesen Bedingungen unterwegs ist. Wir sind immer wieder beeindruckt, was für Wellen hinter uns angerollt kommen, die sich zuerst hinter uns auftürmen, unser Heck anheben und uns dann mit auf „Talfahrt“ nehmen. Sabir beschleunigt auf dem Weg ins Wellental regelmäßig auf ungefähr 7,5kn. Die Welle rollt unter uns hindurch und wir müssen „bergauf“ fahren. Aber auch da werden wir nicht viel langsamer als 5,5kn – 6kn. Es ist ein wahrer Genuss so unterwegs zu sein.

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Tag 3: Die will doch nur spielen…

Gegen 14:30 Uhr holt mich Christoph nach oben. Er beobachtet einen Kontakt auf dem AIS, der sich genau so verhält, wie man es als Segler überhaupt nicht haben möchte:

Wir bekommen als CPA, dem Punkt der geringsten Annäherung, Werte unter 100m angezeigt und das schon seit einer Viertelstunde. Als Christoph mich ruft, sind es noch etwas mehr als 5 Minuten, bis es zu einer Kollision kommt – wenn niemand ausweicht. Wir als Segelboot sind laut der international geltenden Kollisionsverhütungsregeln „kurshaltepflichtig“, dürfen also eigentlich nicht ausweichen, der gigantische Frachter „Laetizia Oetker“, der gerade auf uns zuhält ist „ausweichpflichtig“. Wir dürfen erst im „vorletzten Augenblick“ (also gerade noch rechtzeitig, bevor etwas passiert) reagieren und selbst ausweichen.

Sehen die uns nicht? Das kann doch fast nicht sein. Bislang hat jedes andere Schiff, dem wir begegnet sind immer einen größeren Abstand gehabt – oder zumindest hat irgendwann der Abstand zugenommen, weil es seinen Kurs geändert hat und hinter uns durch gegangen ist. Das tut es aber hier nicht.

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Tag 2: Die Nacht beginnt turbulent…

Nach dem Erlebnis mit der Bob Barker lege ich mich schlafen, damit ich um 1:00 Uhr meine Nachtwache antreten kann. Im Halbschlaf bekomme ich mit, dass unser Vorsegel immer wieder mal schlägt. Mein müder Blick nach oben ins Cockpit wird von Christoph mit einem „der Windpilot übersteuert immer mal wieder“ quittiert. Der Zusatz „aber er fängt sich selbst“ lässt mich weiterschlafen.

Irgendwann werde ich aber doch unruhig, das Schlagen des Segels kommt immer häufiger und dauert länger an. Inzwischen ist Claudias Wache von 22:00 Uhr bis 1:00 Uhr. Claudia weckt mich, da wir in der Zwischenzeit immer häufiger und länger in den Wind drehen. Ich stehe auf, ziehe Ölzeug und Schwimmweste an und gehe hoch zu ihr.

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Tag 2: M/Y Bob Barker

Kurz vor Ende meiner Wache um 18:00 Uhr mache ich noch einmal den routinemäßigen Blick auf das AIS und kann kaum glauben, was ich dort sehe. Auf dem Bildschirm ist ein Schiff zu sehen, das vor uns unterwegs ist. Der Name des Schiffes ist „M/Y Bob Barker“.

Sofort glaube ich zu wissen, welche „Bob Barker“ dort unseren Weg kreuzt. Ich bin völlig aus dem Häuschen: Sollte es wirklich möglich sein, dass wir so weit draußen auf dem Atlantik ausgerechnet auf das Sea Shepherd Schiff „Bob Barker“ treffen?

Noch ist es viel zu weit entfernt, um das Schiff mit dem Fernglas erkennen und identifizieren zu können.

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