Die letzten Tage und die Rückkehr nach Deutschland

Wir haben unseren Rückflug nach Deutschland für den 1. Adventssonntag, den 29.11.2020, gebucht. Wir werden mit dem „Inselhüpfer“ morgens um 8:30 von Porto Santo nach Funchal fliegen und von dort aus mit dem „Ferienflieger“ direkt nach Stuttgart. In Stuttgart haben wir uns ein Auto gemietet, damit wir nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Schwäbisch Hall fahren müssen, wo unsere Autos die letzten Monate gestanden sind.

Wir schließen die letzten Arbeiten am Schiff ab. Putzen die Fender, die durch das Schubbern an Sabirs Rumpf blaue Striemen bekommen haben. Ich klebe noch einmal alle Luken ab, damit sichergestellt ist, dass es nicht reinregnen kann. Außerdem gelingt es mir die letzte Undichtigkeiten der manuellen Bilgepumpe zu finden und zu beseitigen.

Wir verbrauchen unsere verderblichen Vorräte, damit nichts schlecht werden kann so lange wir weg sind.

Wir gehen noch einmal auf Porto Santo zum Friseur und lassen unsere Haare schneiden, damit wir bei der Rückkehr nach Deutschland nicht gleich als erstes „unter Leute“ gehen müssen.

Aber wir nutzen die Zeit auch für schöne Dinge.

Auf einem unserer Abendspaziergänge der letzten Wochen ist uns irgendwann mal das Café „O Cantinha“ aufgefallen. Dort gehen wir hin und lassen uns einen leckeren Kaffee und Kuchen schmecken. Das Café verkauft selbst gebackene Kuchen, Kekse und andere Leckereien. Für Zuhause nehmen wir uns ein Päckchen Maracuja-Kekse mit.

Da es tagsüber ohne Sonnenschein im Schiff empfindlich kalt wird, beschließen wir elektrisch einzuheizen. Zuerst versuchen wir es mit „Knut“, dem Heizlüfter, der bereits auf Sabir war, als wir sie übernommen haben. Der macht jedoch keine angenehme Wärme. Unter der Decke des Salons ist es zu heiß, an den Füßen bleibt es kalt. Wir gehen vor ins Dorf und besorgen uns im Möbel- und Elektro-Geschäft einen 2000 Watt Ölradiator. Dieser wird in den nächsten Tagen eine wohlige Wärme in Sabir verbreiten. Kurz bevor wir uns vom Laden aus auf den Rückweg zu Sabir machen, geht ein kräftiger Regenschauer über der Insel nieder. Gleich darauf kommt die Sonne wieder heraus und taucht den langen Strand in eine wunderbare Stimmung.

Wir schaffen es auch noch einmal mit Helena und Jan von der „Emma“ in den „PXO-Grill“ zum Essen zu gehen. Da sich das Lokal auf der Nordseite der Insel in Camacha befindet, wird auch hier ein Shuttlebus angeboten, der uns von der Marina abholt und nach dem Essen wieder dort abliefert. Eine Spezialität dort ist „Espetada“ ein Fleischspieß, der mit Knoblauch, Lorbeer, Salz und Pfeffer gewürzt gegrillt wird. Das Essen war sehr gut – wenn auch etwas teuer. Für Claudia gibt es wieder ein Risotto. Da das ganze Lokal in ein stimmungsvolles blaues Licht getaucht war, sehen die Fotos von unserem Essen mal richtig surreal aus. Beim Essen ist uns das gar nicht aufgefallen, irgendwann hatte sich das Auge adaptiert…

Espetada in Violett…
Pommes in Blau
Risotto in Violett
Nachtisch in Blau

Wir hoffen, wir haben Euch jetzt mit den blauen Bildern nicht den Appetit verdorben 😉.

Wir sind angespannt und fragen uns, ob unsere Flüge am Sonntag planmäßig gehen werden, da schon wieder ein Tief mit kräftigen Winden (in Böen ca. 50 Knoten), Regen und sogar Schnee auf Madeira angekündigt ist. Da Landungen auf dem Flughafen von Funchal bei starken Winden nicht ganz ohne sind, könnte es durchaus passieren, dass der Flieger von Porto Santo überhaupt nicht startet – oder aber der aus Deutschland nicht landen kann. Zum Ende der Woche zeichnet sich jedoch ab, dass der Wind passend zu unseren Flugzeiten von Sonntag früh bis zum frühen Nachmittag etwas nachlassen soll.

Am Abend des 28. November sitzen wir noch mal mit unseren Freunden von den anderen Schiffen in der Marina-Bar zu einem Abschieds-Bier zusammen. Trotz Corona-Beschränkungen ist es uns auf Porto Santo erlaubt gemeinsam an einem Tisch zu sitzen. Es ist noch mal ein sehr geselliger Abend. Der Abschied fällt uns schwer. Wir haben uns zwar schon zuvor immer wieder mal von Seglern verabschiedet, die ihre Reise fortgesetzt oder auch nach Hause zurückgereist sind, aber dieses Mal sind wir es wieder die gehen müssen… Einige der zurückbleibenden werden Weihnachten auf Porto Santo verbringen, andere werden über Weihnachten auf die Kanaren segeln. Wir sind gespannt, wen wir im nächsten Jahr wiedersehen werden.

Am 29. November morgens haben wir es irgendwie geschafft, alles einzupacken, was nach Hause muss und haben Sabir winterfest gemacht. Pascal von der „Edgar Allan Poe“ hat sich angeboten uns mit seinem Auto an den Flughafen zu bringen. Pünktlich um 7:15 Uhr morgens war er da, kurz danach waren wir am Flughafen. Wir trinken mit Pascal noch einen Kaffee dann verabschieden wir uns auch von ihm.

Passend zum Abflug von Porto Santo reißt der Himmel auf und wir können vom Flughafen noch ein paar schöne Abschiedsfotos machen.

Der Tower des Flughafens von Porto Santo
Unser „Inselhüpfer“ im Hintergrund über Madeira sieht man das Schlechtwetter

Durch die Windpause heute Morgen verläuft der Flug von Porto Santo nach Funchal ereignislos. Im Flughafen Funchal sehen wir die Corona-Maßnahmen Madeiras. Jeder Fluggast muss entweder einen negativen Test vorweisen können oder sich vor Ort testen lassen. Da wir von Porto Santo kommen, sind wir „safe“ und können direkt aus dem Ankunftsbereich den Flughafen verlassen. Im Flughafen läuft alles sehr diszipliniert ab. Alle tragen Masken, desinfizieren sich die Hände und halten Abstand. Im „Ferienflieger“ haben Claudia und ich eine Sitzreihe für uns alleine. Das Flugzeug ist zum Glück nicht voll besetzt.

Von Funchal aus führt die Flugroute zunächst noch einmal über Porto Santo und ich kann schöne Bilder aus der Luft machen.

Die Ostseite Porto Santos aus der Luft: Am linken Rand die Marina, ganz rechts im Vordergrund „Terra Cha“

Wir landen pünktlich um 17:15 Uhr in Stuttgart auf dem Flughafen, nehmen unser Gepäck entgegen und holen unseren Mietwagen ab. Wir fahren zu mir nach Bissingen. Die Fahrt mit dem Mietwagen auf den deutschen Autobahnen strengt mich sehr an, ich bin so viel Verkehr und Hektik nicht mehr gewöhnt. Ich zockle mit Tempo 100 auf der rechten Spur und überlasse den anderen das Rennen…

Am Montag sind wir nach Schwäbisch Hall gefahren, haben dort Claudias und mein Auto abgeholt (die Batterie meines Autos war komplett tot und musste getauscht werden), waren einkaufen (die Preise hier sind so anders als auf Porto Santo), haben den Mietwagen abgegeben und uns wieder auf den Weg nach Bissingen gemacht.

Es ist wieder komisch zurück zu sein. Es ist zu kalt, zu trüb und zu hektisch. Uns fehlt der freie Blick auf das Meer und blauer Himmel (auch bei schlechtem Wetter und Regen gab es immer zwischendurch blauen Himmel). Das Haus in Bissingen ist uns zu groß – wir sind so viel Platz einfach nicht mehr gewohnt. Auch an die Situation mit Corona hier in Deutschland müssen wir uns wieder gewöhnen. Wir haben nun den ganzen Dezember Zeit um uns wieder in dieses Leben einzufinden. Wir sind gespannt, ob wir dieses Jahr in Weihnachtsstimmung kommen werden…

Pico Branco und Terra Cha

Wir haben uns gestern noch mal ein Auto gemietet. Heute wollen wir unbedingt noch die Wanderung zum „Pico Branco“ und zum Aussichtspunkt „Terra Cha“ machen. Dieses mal haben wir (ungeplant) einen Fiat 500 Cabrio bekommen. Das Wetter verspricht gut zu werden und wir hoffen auf ein bisschen Cabrio-Feeling.

Damit wir möglichst viel vom Tag haben, stehen wir sehr früh auf, frühstücken schnell und machen uns dann auf den Weg in den Nordosten der Insel. Bei einem kurzen Stop am Aussichtspunkt Miradouro de Portela können wir ein paar schöne Bilder von der Insel und dem Hafen machen. Die ganze Insel ist nach den Regenfällen der letzten Tage und Wochen von einem grünen Schimmer überzogen – überall sprießt Gras.

Hafenstimmung im Gegenlicht
Immer wieder schön, der Blick in den Südwesten der Insel
Ein bisschen Cabrio-Feeling…

Wir fahren weiter zum Startpunkt unserer Wanderung und freuen uns auch hier über die Ausblicke, die sich über unsere grüne Insel bieten. Man könnte fast den Eindruck haben irgendwo in den Alpen zu sein.

Bergstraße mit „Pico Juliana“

Wir stellen den Mietwagen am Parkplatz des Wanderwegs PS PR1 ab und beginnen dort unsere Wanderung gegen halb zehn. Wir planen jeweils 1,5h für Hin- und Rückweg ein.

Der Weg führt an der Flanke des „Pico Branco“ entlang. Obwohl die Steigung moderat und der Weg einen guten Untergrund hat, müssen wir immer wieder stehen bleiben – jedoch nicht um zu verschnaufen, sondern weil uns die Aussicht über die Berge und die Insel immer wieder den Atem verschlägt.

Blick in Richtung Serra de Fora (links), die Südwestspitze von Porto Santo (Mitte) und den Pico do Facho (rechts)

Der Weg führt uns immer wieder durch fette grüne Kleefelder und wir erkennen, dass das satte Grün an den Berghängen vermutlich überall mehr Klee, als Gras ist.

Fetter Klee

Wir gehen in Serpentinen immer höher bis zu einem Grat. Von dort aus kann man auf die andere Seite des Berges hin zur Küste und Richtung „Terra Cha“ schauen. Unser Weg führt auf der anderen Seite des Grates unter Kiefern am Hang des „Pico Branco“ entlang.

Unter Kiefern an der Flanke des „Pico Branco“
Aussichtspunkt „Terra Cha“ am rechten Bildrand

Auch hier müssen wir immer wieder stehen bleiben und die Schönheit des Ortes bestaunen. Der Tag heute ist einfach ideal. Der Himmel ist blau, es gibt nur ein paar Wolken und die Sonne scheint vormittags so auf die Insel, dass das Grün der Kiefern, des Klees und des Grases kräftig leuchtet.

Die Nordküste Porto Santos
Die letzten Meter zum Gipfel des „Pico Branco“

Nach etwas mehr als 1,5h kommen wir am Gipfel des „Pico Branco“ an. Wir verschnaufen kurz und genießen den Rundumblick. Wir waren die ganze Zeit alleine unterwegs. So spät im Jahr gibt es nur noch wenige Touristen auf der Insel. Doch jetzt hören wir Stimmen und sehen unter uns auf dem Weg ein weiteres Paar laufen.

Wir gehen ein Stück des Weges zurück und wenden uns dann unserem Ziel der heutigen Wanderung zu. Auf einem Kamm des „Pico Branco“ gehen wir immer unter Kiefern mit Blick auf die Steilküste unter uns in Richtung „Terra Cha“.

Steilküste im Norden der Insel
Gut gesicherter Weg in Richtung „Terra Cha“
Blick zurück zum „Pico Branco“

Nach ca. 45 Minuten kommen wir am Aussichtspunkt an. Wir setzen uns auf ein Mäuerchen, schauen in den Süden in Richtung der „Ilhéu de Cima“, der Insel mit dem Leuchtturm, an der wir zuletzt vorbeigesegelt waren. Wir essen unser mitgebrachtes Vesper und erkunden die Umgebung. Der Aussichtspunkt ist eine große Terrasse mit Sitzmöglichkeiten, einem Haus und einem Außengrill. Wir können uns vorstellen, dass hier in der Hochsaison die Hölle los sein muss.

Nach ca. einer halben Stunde kommt auch das andere Paar am Aussichtspunkt an, das wir vorhin vom „Pico Branco“ aus beobachtet hatten. Es sind französischen Segler ebenfalls aus der Marina. Wir unterhalten uns kurz und machen uns dann wieder auf den Rückweg zum Auto.

Zurück zum Parkplatz geht es auf dem selben Weg, den wir bereits gegangen sind. Da wir auf dem Hinweg schon reichlich geschaut, gestaunt und fotografiert haben, sind wir nun schneller und erreichen das Auto nach ca. 1,5h gegen 13:30 Uhr.

Wir fahren zurück zum Schiff, kochen uns dort einen Kaffee und packen für jeden ein Stückchen Apfelkuchen ein, das wir noch von Sonntag übrig hatten. Wir fahren noch einmal in die Bucht „Porto do Frades“ und setzen uns dort zum Nachmittagskaffee hin.

Die Bucht von „Porto do Frades“
Kaffee und Kuchen

Heute nutzen wir das Auto „richtig“ aus (es bleiben dennoch deutlich unter 50km) und fahren noch einmal an die Südwestspitze nach „Calheta“ um dort auf die untergehende Sonne zu blicken. Da wir das Auto jedoch um 18:00 Uhr schon wieder abgeben müssen, können wir nicht bis zum Sonnenuntergang warten.

Wir sind froh, noch einmal ein Auto gemietet zu haben (wenn das auf Porto Santo auch relativ teuer ist).

Auskranen: Alles wieder auf Anfang

Wir sind heute etwas früher aufgestanden, damit wir alle Vorbereitungen, die noch fürs Auskranen zu treffen sind, erledigt bekommen. Wir wurden dafür mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt.

Wir waren sehr gut vorbereitet und sind mit allem rechtzeitig fertig geworden:

Das Besansegel wurde abgeschlagen und verpackt. Auch der Besanbaum wurde entfernt.

Wir haben außerdem unser Dinghy an Deck genommen und Sabir so abgefendert, dass später beim Einfahren in das Kranbecken und beim Auskranen möglichst nichts beschädigt werden kann.

Die Leinen, die uns bislang sicher am Steg gehalten haben, wurden entfernt und so befestigt, dass wir beim Ablegen möglichst wenig zu tun haben. Außerdem haben wir alte Leinen bereit gelegt, die wir beim Kranen verwenden wollen. Von den Seilen des Travellifts kann immer etwas Fettschmiere an den Leinen hängen bleiben.

Pünktlich um halb zwei kamen unsere Helfer von der Antari und der White Arrow. Ich habe alle in ihre Aufgaben eingewiesen und erklärt, wie ich mir den Ablauf vorstelle.

Wir haben uns vom Steg losgemacht und sind zum Kranbecken gefahren, wo João und seine Jungs bereits mit dem Travellift gewartet haben.

Den ganzen Morgen war es nur schwach windig, bis windstill. Inzwischen hat der Wind ein bisschen zugenommen und hat Sabirs Bug beim rückwärts fahren nach Steuerbord gedrückt. Ich musste zweimal ansetzen, bevor es mir gelang längsseits an den Steg vor dem Kranbecken zu fahren.

Die Jungs auf dem Steg haben die Leinen übernommen und haben uns in das Kranbecken verholt. João hat Sabir dann vorsichtig aus dem Wasser gehoben und auf unseren Trockenplatz gefahren.

Ich leihe mir einen Hochdruckreiniger von Eric (der mir den Außenborder gereinigt hat) und wasche Sabirs Rumpf. Das Antifouling sieht noch wirklich gut aus – wir waren dieses Jahr ja auch deutlich kürzer im Wasser, als im letzten. Es ist hauptsächlich nur grüner Belag von den Algen zu entfernen und es gibt nur ganz wenig hartnäckigeren Bewuchs.

Im nächsten Frühjahr werden wir das Antifouling noch einmal anschleifen und ein weiteres Mal überstreichen.

Falls Euch das alles bekannt vorkommt, liegt das daran, dass ich ähnliches ja auch im letzten Jahr schon geschrieben habe. Der Ablauf war derselbe, aber dieses Jahr ist das alles weniger aufregend und deutlich entspannter gewesen. Genauso wie ich das auch schon beim Einkranen im Frühjahr gefühlt habe: Es ist schön zu spüren, wie sich bereits ein bisschen Routine einstellt.

Bei Sonnenuntergang werden die Flaggen und Stander eingeholt und verpackt. Der TO-Stander und die Portugiesische Gastlandflagge haben in den letzten zwei Sommern ganz schön gelitten – da gibt es nächstes Jahr neue. Unsere Nationale haben wir ja im Sommer erst neu drauf gemacht, die sollte noch ein bisschen halten.

Jetzt sind wir wieder da, wo dieses Jahr Mitte Juli alles begonnen hat, hoch und trocken. Wir spüren, dass die Zeit auf Sabir und auf Porto Santo zu Ende geht.

Wir werden uns nun auch wieder an die neuen anderen Schwingungen und Vibrationen auf Sabir gewöhnen. Wenn wir uns auf dem Schiff bewegen oder der Wind ins Rigg fährt, dann beginnt sich Sabir zu bewegen (obwohl sie ja fest auf ihren Stützen und auf dem geteerten Boden steht). Die Bewegungen sind so ganz anders, als im Wasser.

Auch an die neue (alte) tägliche Routine müssen wir uns wieder gewöhnen: Zum Einkaufen, zur Dusche oder zu den Toiletten müssen wir wieder die Leiter hinunter und hinauf…

Aber es hat auch sein Gutes: Die anderen Segler, die ihr Boot in den letzten Wochen und Monaten auf dem Trockenen hatten sind wieder präsenter und wir sind morgens die ersten an der Waschmaschine 😉.

Auch wenn wir ein bisschen betrübt sind, legen wir uns doch zufrieden mit dem Tag in unsere Kojen. Nach dem Auskranen ist vor dem Einkranen…

Wattestäbchen und Strohhalme – das Meer kotzt sich aus…

Habt Ihr Euch auch immer gefragt, was das EU-Verbot für Wattestäbchen und Strohhalme soll? Ist es nicht viel sinnvoller, Einwegtüten und die ganzen anderen Sachen aus Plastik zu verbieten?

Jedes Mal, wenn der Wind aus südlichen Richtungen weht, kommen auch große Wellen an den schönen Strand von Porto Santo. Diese Wellen spülen nicht nur den Sandstrand weg, sie bringen auch Plastikmüll.

Schon nach dem letzten Sturm am 19. Oktober haben wir uns mit Caroline, einer belgischen Einhandseglerin an unserem Strand getroffen um angespülten Müll zu sammeln.

Das haben wir auch heute Morgen wieder gemacht. Wir waren insgesamt zu fünft und haben ungefähr 90 Minuten gesammelt. Es ist unglaublich, wie viel Müll das Meer an den Strand gespült hat.

Claudia kümmert sich um den feinen Plastikmüll, der auf dem Wasser schwimmt und mit jeder Welle an den Strand gespült wird.

Claudia ist schnell sehr deprimiert, da – kaum hat sie die winzigen Plastikteile eingesammelt – jede Welle wieder einen neuen Saum aus Plastik auf den Strand spült. Man kann fast das Gefühl haben, dass der Atlantik den ganzen Müll loswerden möchte und sich auf den Strand „auskotzt“. Eine wahre Sisyphos-Arbeit

Pascal findet einen halb im Strand vergrabenen Rumpf eines Glasfaser-Bootes und versucht ihn auszugraben. Leider gelingt es ihm nicht, es steckt viel zu tief im Sand… Wir nehmen an, dass es da schon länger liegt und durch die Wellen der letzten zwei Tage freigespült wurde.

Ich bin derweil damit beschäftigt, den Strand systematisch von größeren Plastikteilen zu befreien, die sich zwischen den Steinen angesammelt haben.

Zum Abschluss schütten wir unsere Ausbeute noch einmal auf einen Haufen, bevor wir alles in die Mülltonne werfen.

Ich mache mir dabei die Mühe, die angespülten Strohhalme und die Wattestäbchen auszusortieren. Jetzt ist es klar, wieso die mit zuerst verboten wurden – es sind anteilig an dem ganzen Müll einfach zu viele.

Zum Abschluss gehen wir in der Marina-Bar einen Kaffee trinken. Es ist ein gutes Gefühl etwas getan zu haben – gleichzeitig wissen wir aber auch, dass unsere Aktion nicht mal ein Tropfen auf einen heißen Stein ist. Claudias Mühen mit den winzigen Plastikteilen haben uns das aufs deutlichste gezeigt. Als wollte uns das Meer sagen: „Ihr glaubt, dass Ihr was bewirkt? Hier schaut, ich habe noch so viel mehr davon…“

Niemand würde auf die Idee kommen, bei einer überlaufenden Badewanne nur das Wasser auf dem Boden aufzuwischen. Der Wasserhahn muss zugedreht werden! Vermeidet Plastik!

Vorbereitungen zum Auskranen

Wenn wir am Dienstag aus dem Wasser gehen, ist es praktisch, wenn wir vorher schon unsere Segel runter genommen haben. Die Genua und das Besansegel kommen über den Winter weg (beide sind noch relativ neu und gut, das Großsegel bleibt aber oben).

Am Samstag war es schwachwindig und wir habe die Genua runter genommen. Für den Besan war keine Zeit mehr, da es im Verlaufe des Nachmittags beginnt schnell feucht zu werden. Die Segel müssen jedoch trocken sein, damit sie in ihrer Tasche nicht zu schimmeln anfangen… Das Besansegel schlagen wir dann eben auf dem Trockenplatz ab – kein Problem.

Die Genua liegt provisorisch gefaltet an Deck…
…auf dem Steg legen wir das große Segel dann noch einmal so zusammen, dass wir es…
…in den Segelsack und in die Achterkajüte bekommen

Heute haben wir dann noch die beiden an Steuerbord ausgebrachten Anker, sowie eine zusätzliche Leine, die an einem Betonblock auf dem Grund des Hafenbeckens angebracht war eingeholt. Mit diesen Leinen haben wir die Auswirkungen des Schwells auf Sabir und damit auf den schwächlichen Fingersteg an dem wir liegen erfolgreich gemindert.

Da die Anker und die Leinen nun doch einige Tage im Wasser lagen, haben sich da bereits Algen festgesetzt, die wir abspülen mussten.

Zum Glück war es heute in der Sonne wieder so heiß, dass es trotz der Sauerei ganz angenehm war, die Leinen und die Ankerkette mit dem Wasserschlauch abzuspritzen.

Morgen müssen wir noch das Dinghy an Decke holen, die Fender für das Kranen ausbringen und die Leinen vorbereiten. Gegen 13:30 kommen dann Alex (unser russischer Stegnachbar von der „White Arrow“), sowie Katharina und Markus von der „Antari“ um uns beim Auskranen zu helfen.

Roggenbrot aus Sauerteig und Linsen mit Spätzle

Ich habe vor ein paar Wochen schon einmal versucht ein Brot aus einem selbst angesetzten Sauerteig zu backen – das ist damals leider schief gegangen. Das Brot hat einfach nur sauer und bitter geschmeckt und wir mussten es leider den Hasen geben wegwerfen.

Der zweite angesetzte Sauerteig hat (mit wertvollen Tipps von Katharina von der „Antari“) viel besser geklappt. Nach ca. 6 Tagen habe ich heute aus den ca. 200g Sauerteigansatz ein Roggenmischbrot (mit etwas Hefe) gebacken, das (bis auf die Kruste) gut gelungen ist und sehr gut schmeckt.

Am späten Nachmittag haben wir Linsen mit handgeschabten Spätzle und Saitenwürstle gemacht, zu denen wir Katharina und Markus („Antari“) zum Abendessen eingeladen haben. Da wir auf dem Schiff keine Küchenwaage haben, müssen wir alle Mengen mit einem Messbecher in „Cups“ abschätzen. Irgendwie habe ich mich in der Menge verschätzt und mache viiiiiiel zu viele Spätzle…

Mengen werden im Messbecher und in „Cups“ abgeschätzt
Ganz schön anstrengend, so eine große Menge Teig zu schlagen (das Foto ist irgendwie mit Weitwinkel gemacht und ein bisschen verzerrt, so große Füße habe ich nicht…)
Nach einer Stunde war der Teig aus 6 Cups Mehl und 8 Eiern geschabt

Claudias Linsen und meine Spätzle schmecken unseren Gästen und uns beiden hervorragend und wir haben einen sehr geselligen Abend, mit tollen Gesprächen, der erst kurz nach Mitternacht endet.

Krantermin am Dienstag

So schnell kann‘s gehen. Seit Wochen versuchen wir aus den Mitarbeitern unseres Marina-Büros herauszubekommen, ob wir diesen Winter wieder einen Platz auf dem Trockenen für Sabir bekommen können.

Bislang bekamen wir immer nur ausweichende Antworten. Es gibt einfach keinen freien Platz, bzw. keine verfügbaren Stützen. Zu viele Pläne können dieses Jahr durch Corona einfach nicht die Tat umgesetzt werden. Das ist gleichbedeutend damit, dass Schiffe auf dem Trockenen stehen bleiben, deren Besitzer eigentlich gerne diesen Herbst/Winter auf die Kanaren und/oder in die Karibik wollten. Wir können also nur dann aus dem Wasser, wenn jemand anderes ins Wasser geht.

Wir sind auch nicht die Einzigen, die aus dem Wasser und aufs Trockene wollen. Ein Paar mit einer kleinen Tochter aus der Schweiz musste bereits abreisen und hat ihr Schiff notgedrungen im Wasser liegen lassen müssen. Ein weiteres Paar (Schweiz/Portugal) wartet ebenfalls auf einen Trockenplatz. Aber auch vor Anker gibt es Leute, die ihr Schiff zumindest für ein paar Reparaturen aus dem Wasser holen möchten.

Seit vorgestern sprechen uns verschiedene Leute darauf an, dass ein Platz im Boat-Yard freigeworden sei und dass der freie Platz für Sabir reserviert sei. Wir wissen von nichts. Am Montag haben wir das letzte mal im Büro nachgefragt und auch wieder nur eine Wischi-Waschi-Aussage bekommen.

Heute stand dann aber der Verantwortliche der Marina vor Sabir und hat mir quasi die Pistole auf die Brust gesetzt: Am Dienstag um 14:00 Uhr kommt Sabir aus dem Wasser – ob ich den Platz auf dem Trockenen haben möchte. Offenbar geht am Montag ein anderes Schiff ins Wasser, so dass wir raus können.

Mir blieb nichts anderes übrig, als das Angebot anzunehmen.

Wir sind traurig, dass wir es nicht noch einmal geschafft haben raus zu fahren und zu segeln. Traurig, dass die schöne Zeit merklich zu Ende geht. Eigentlich hatten wir den 13.12. zu unserem Rückreise-Termin gemacht. Jetzt werden wir vermutlich noch ein paar Arbeiten am Unterwasserschiff ausführen, wenn Sabir auf dem Trockenen steht und dann schon etwas früher nach Deutschland zurückkehren…

Endlich ist der Windmesser im Masttop

Ende letzten Jahres hatte ich mir doch neue Spielsachen für Sabir gekauft (Claudia hatte im Februar darüber berichtet):

  • B&G Windmesser (Bluetooth)
  • B&G Triton Anzeigeinstrument
  • NMEA2000 Multiplexer
  • Geber für Geschwindigkeit, Tiefe und Wassertemperatur

Das Ganze hatte ich im Dezember Zuhause zum Ausprobieren mal spaßeshalber aufgebaut. Hier ein Bild, das ich vor einem Jahr gemacht hatte:

Dezember 2020: Testaufbau
Dezember 2019: Testaufbau

Ende Februar diesen Jahres hatte ich alles in ein Paket gepackt und nach Porto Santo geschickt, so dass dieses rechtzeitig, wenn wir wie geplant Ende März ankommen wären, vor Ort ist.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war Corona. Als wir letztendlich im Juli auf Porto Santo angekommen waren und ich den Windmesser gerne auf dem Mast montiert hätte, war ich nicht mehr in der Lage, den Windmesser mit seinem Bluetooth-Empfänger zu verbinden. Diese Verbindung ist jedoch notwendig, dass die Windgeschwindigkeit und die Windrichtung drahtlos vom Masttop nach unten gefunkt werden können.

Ich habe mich mit Navico (dem Hersteller des Windmessers) und SVB (meinem Händler) in Verbindung gesetzt und am Ende hat sich herausgestellt, dass der Akku des Windmessers das Problem war. Dieser wird von einer kleinen, in den Windmesser eingebauten Solarzelle geladen. Allerdings nur, wenn die Solarzelle auch ab und zu von der Sonne beschienen wird – und das war eben nicht der Fall, so lange sich alles in dem Paket befunden hat. Vermutlich war der Akku so „tiefenentladen“, dass er von der Solarzelle nicht mehr aufgeladen werden konnte.

Kulanterweise hat mir Navico unentgeltlich einen neuen Akku nach Porto Santo geschickt. Dieser hat mich Ende Oktober irgendwann erreicht. Mit dem neuen Akku war das Herstellen der Verbindung zwischen dem Windmesser und dem Bluetooth-Empfänger kein Problem und das B&G-Instrument, das ich ja bereits Ende August eingebaut hatte, konnte mir nun auch die Daten des Windmessers anzeigen.

Mit Claudias Hilfe bei der Sicherung bin ich in den Mast gestiegen und habe mir angeschaut, wie der alte Windmesser festgemacht war und wie ich den neuen befestigen kann.

Der alte Windmesser war in dem kleinen graue Kasten mit der schwarzen Buchse in der Mitte des Masttops eingesteckt.

Natürlich ließen sich die Schrauben, mit denen der Windmesser auf den Mast geschraubt war, nicht mehr lösen, da sie sich durch Korrosion im Verlauf der Jahre fest mit dem Aluminium des Masts verbunden hatten. Mit Gewalt ist es mir gelungen, das Alu-Blech durch wiederholtes Biegen von den Schrauben abzubekommen. Übrig sind nun nur noch die alten Schrauben und die verbleiben oben im Mast…

Für den neuen Windmesser habe ich mir im Baumarkt einen Streifen Alu-Blech gekauft. Auf dieses Blech wurde die Basis des Windmessers geschraubt.

Gestern bin ich mit Claudias Hilfe erneut in den Mast gestiegen und habe das Blech mit der Basis mit neuen Schrauben am Mast-Top angebracht und den Windmesser aufgeklippst.

Nachdem Claudia mir von unten bestätigt hat, dass Windrichtung und -geschwindigkeit unten auf dem Gerät angezeigt werden, konnte ich zufrieden wieder nach unten steigen und mich darüber freuen, dass wir endlich eine zuverlässige Windanzeige haben.

Verluste: 1 Kreuzschlitzschrauben-Bit für den Akku-Schrauber – dieses hat sich beim Werkzeugwechsel nach unten auf den Weg ins Hafenbecken gemacht…

Marmelade – Reisen bildet!

Wir haben bei einer Aktion des Supermarkts unseres Vertrauens einen Becher roter Marmelade geschenkt bekommen. Auf dem Deckel steht „Marmelada“ und wir haben uns gefragt, was da wohl für eine Marmelade drinnen ist.

Bei den Inhaltsstoffen steht als Hauptzutat „Marmelo“. Also ist es wohl eine „Marmelo“-Marmelade. Äh wie? Klar doch ist in Marmelade auch „Marmelade“ drin – aber welche Frucht ist das?

Es stellt sich heraus, dass Marmelo Quitten sind.

Das heißt eine „Marmelada“ ist ein zuckerhaltiger Brotaufstrich, der durch Einkochen von Quitten entsteht. Unser (süd-)deutsches Wort Marmelade kommt also aus dem Portugiesischen.

Wieder was gelernt. Es grüßen Euch Eure Bildungsreisenden.

Pico – endlich Überblick über den Stromhaushalt

Als wir Anfang September im Hafen vor Anker lagen, hatten wir doch das Problem mit unseren Batterien (vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die Geschichte?). Eine Ursache des Problems – die parallel geschalteten Motor- und Service-Batterien – hatten wir damals schon gelöst. Die zweite Ursache des Problems war, dass eines der Solar-Panels wegen eines schlechten Kontakts keinen Strom geliefert hat.

Dass uns der Strom ausgeht, hätten wir damals bestimmt früher erkennen können, wenn wir einen richtigen Überblick gehabt hätten, wieviel Strom in die Batterien reingeht, wieviel wir wieder raus nehmen und wieviel Kapazität uns noch zur Verfügung steht.

Wir haben zwar eine Anzeige für die Spannung der Service-Batterien und eine für den Strom, der aus den Batterien entnommen wird – es fehlt uns jedoch das Wissen über den Ertrag aus Wind und Sonne, sowie eine Schätzung der Restkapazität.

Deswegen habe ich mich Ende September dazu entschlossen, mir einen „Pico-Batterie-Monitor“ von Simarine, sowie Anschlussmaterial zu kaufen. Das System besteht aus mehreren Modulen:

  • Der Pico-Batterie-Monitor: Ein Display, das den Zustand von Batterien, deren Ströme und Spannungen, aber auch Temperaturen, Füllstände von Tanks, sowie den Luftdruck anzeigen kann.
  • Ein so genannter „Shunt“ (SC501), der in die Messeleitung der Batterie gehängt wird und den gesamten Strom misst, der aus der Batterie hinaus oder in die Batterie hinein fließt (Dieser Shunt verträgt Ströme bis zu 500A). Hier kann auch die Spannung der Motorbatterie, der Servicebatterie, sowie deren Temperatur eingespeist werden.
  • Ein weiterer kleinerer Shunt (SCQ25) ist in der Lage über 4 Eingänge Ströme bis zu 25A zu messen.

Das aufwändigste und schweißtreibendste an der Installation des Pico war das Verlegen des Datenkabels vom Batteriekasten in der Backbord-Achterkajüte nach vorne zur Navigation (unter dem Bett durch eine Wand ins Bad, unterm Waschtisch hinter dem Klo durch eine weitere Wand zur Naviecke). Mit Hilfe eines Zugkabels gelingt es uns irgendwann das Kabel durch zu ziehen.

Das Display wird an einer freien Stelle der Navigation angebracht und an 12V, sowie an das Datenkabel angeschlossen: Das Display funktioniert und ist ohne weitere Konfiguration und ohne zusätzliche Geräte in der Lage das aktuelle Datum und die Uhrzeit, sowie den Luftdruck und die Spannung der Batterie anzuzeigen – cool! Der Batterie-Monitor wird ins Bord-WLAN eingebunden und ich bin auf dem iPhone in der Lage die Daten abzurufen und anzuzeigen – ich bin begeistert.

Jetzt kann der große Shunt an die Service-Batterie angeschlossen werden.

Mit einem hydraulischen Werkzeug zum Verpressen von Rohrkabelschuhen bereite ich ein Kabel für den Anschluss an die Batterie vor. Die Pressung erscheint mir sehr gut zu sein. Um zu prüfen, ob der Kabelschuh richtig mit dem Kabel verbunden ist, mache ich eine Zugprobe und hänge mich an das Kabel, wobei ich den Kabelschuh mit einer Leine an einem Haken festgemacht habe. Der Kabelschuh hält prima. Mit einem Schrumpfschlauch dichte ich den Kabelschuh gegen Feuchtigkeit ab.

Das Massekabel der Batterie wird entfernt und an den Shunt angeschlossen, danach wird der Shunt mit dem neuen Kabel an die Batterie gehängt. Nach dem Anschluss des Datenkabels ist der Pico in der Lage, den Strom anzuzeigen, der aus der Batterie gezogen wird.

Ich hänge nun noch die Massekabel von Batterieladegerät und Solarregler hinter den Shunt. Hurra, so kann nun auch der Strom gemessen werden, der in die Batterie rein fließt (den Windgenerator muss ich später mal umhängen, da habe ich nicht die richtigen Kabelschuhe zum anschließen…).

Als nächstes wird der kleinere Shunt an den Datenbus gehängt und die Plus-Leitungen von Batterieladegerät und dem Solarregler darauf geschaltet. Nun kann ich genau ablesen, wie viel Strom die beiden Geräte zum Laden der Batterie erzeugen (auch hier bleibt der Windgenerator zunächst außen vor…).

Nun können wir zu jedem Zeitpunkt sehen, wie es um unsere Batterien steht.

(Update 4.11.: Fotos vom Pico hinzugefügt)