Schlumpfschrauch

Peter erzählt mir heute beim nachmittäglichen Kaffee, dass er in der Navi-Ecke den NMEA-Multiplexer an das AIS angeschlossen hat und die Kabel mit beschriftbarem Schrumpfschlauch versehen hat.

Ich verstehe nur Schlumpfschrauch…

Danach zeigt er mir, dass er mit seinem Labelprinter tatsächlich einen Schrumpfschlauch beschriften kann. Der Schrumpfschlauch wird über das Kabelende geschoben und mit dem Heißluftgebläse erwärmt. Das schlaucht den Schtroumpf derart, dass er zusammenschlumpft.

Noch Fragen?

(Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie lange ich für diese paar Zeilen gebraucht habe, die Rechtschreibkorrektur des iPad verschlumpft mir immer die Buchstaben).

AIS

Das AIS (Automatic Identification System) ist ein System, über das Schiffe ihre eigene Identifikation, die Position, den Kurs und die Geschwindigkeit über Funk übertragen. Andere Schiffe können diese Signale empfangen und daraus ein Abbild des Schiffsverkehrs auf der elektronischen Seekarte anzeigen. Alle Berufsschiffe benötigen AIS, bei Sportschiffen unserer Größe ist die Ausrüstung freiwillig.

Bislang hatten wir ein nur passives AIS an Bord. Das heißt, wir konnten andere Schiffe sehen, die aber uns nicht. Seit ein paar Tagen habe ich nun ein aktives System installiert. Das heißt, nun sind wir auch für andere Schiffe mit AIS sichtbar.

Die Informationen werden aber nicht nur von Schiffen, sondern auch von so genannten Küstenfunkstellen empfangen und sogar ins Internet übertragen. Das heißt, Ihr könnt unsere aktuelle Position – zum Beispiel – über MarineTraffic verfolgen. Schaut einfach mal hier:

Letzte Position von Sabir

Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn unser AIS eingeschaltet ist – und das ist nicht immer der Fall – und wenn wir uns in der Nähe einer Küstenfunkstelle befinden.

Wir sind gespannt, wann sich unsere Position mal verändert. Wir überlegen, ob wir unser Blog umbenennen sollen von „Sailing Sabir“ auf „Maintaining Sabir“…

Richtung Nord-Ost

Da noch Material fehlt, um Sabirs Rumpf vollends schön zu machen und wir beim Frühstück bemerken, dass heute wieder eine gute Fernsicht besteht, entscheiden wir kurzentschlossen, heute die benachbarte Bucht im Nordosten der Insel zu erkunden. Wir nehmen den langen Weg über den Berg.

Das erste Stück des Weges bis hoch zum Aussichtspunkt Miradouro da Portela kennen wir schon vom letzten Jahr. Peter zeigt mir bei der Gelegenheit noch den Einstieg zum Tunnel, durch den er letztes Jahr gelaufen ist. Als wir den steilen Weg zum Kirchlein erklimmen, begrüßen uns die Kirchenglocken. Oben angekommen müssen wir leider feststellen, dass uns auch heute die Türe verschlossen bleibt.

Wir gehen nach einer kurzen Rast im Schatten der Bäume weiter zum Aussichtspunkt. Dort werden wir heute mit einer fantastischen Weitsicht belohnt. Obwohl wir den Ausblick vom letzten Jahr schon kennen, sind wir wieder fasziniert. Heute werden wir – Dank der Weitsicht – noch zusätzlich damit belohnt, dass wir bei Calheta Madeira hell und klar liegen sehen. Südwestlich können wir die Ilhas Desertas erkennen, vor denen wir letztes Jahr vor Anker lagen.

Auch heute machen wir ein ausführliches Fotoshooting. Wir schauen runter auf den Hafen und können Sabir auf dem Trockenen stehen sehen.

Anschließend geht’s weiter zu unserem eigentlichen Ziel: Ponta Do Passo.

Unser Weg führt durch eine hügelige, von der Sonne verdorrte Landschaft, wo sich aber die heimische Flora hartnäckig ihren Platz erhält.

Das kleine Örtchen Serra De Fora hat seinen eigenen Reiz. Die Einwohner grüßen uns freundlich und wir bestaunen die schönen Häuser…

…mit ihren Steinmauern, bunten Kaminen und einem Feigenbaum im Vorgarten.

An einem Balkon hängt ein Leintuch mit gemaltem Regenbogen und den Worten VAI FICAR TUDO BEM!

Da hatten wir Corona mal ganz aus unserem Kopf und werden doch auch hier daran erinnert.

Erstaunt sehen wir ein altes Motorrad am Wegrand stehen und stellen dann fest, dass sich auf dem angrenzenden Grundstück offenbar ein Schrottplatz befindet…oder lagert das hier womöglich einfach so?!??

An einem Hügel erkennen wir das Anwesen „Casa Branca“… wer hier wohl wohnt?!?? Wir haben im Internet recherchiert, aber leider nichts gefunden.

Am Praia do Porto Dos Frades angekommen, haben wir den Blick auf die Ilhéu De Cima. Wir denken beide in dem Moment an Martin und den schönen Segeltag mit ihm, als wir letztes Jahr mit ihm um diese Insel gesegelt sind.

Die Ilhéu de Cima ist eine kleine, unbewohnte Insel und liegt etwa ein Kilometer östlich von Porto Santo. Sie ist etwa 1,2km lang, bis zu 500m breit und etwa 111 m hoch. Wie auch die Ilhéu da Cal gehört die Ilhéu de Cima zum Natura-2000 Schutzgebiet. Im Osten der Insel steht der 1900 erbaute und 15 m hohe Leuchtturm Farol do Ilhéu de Cima.

Wir trennen uns von dem Anblick und den Erinnerungen an Martin und gehen weiter entlang der Steilküste auf einem gut begehbaren Weg. Wir kommen an schönen Buchten vorbei, zu denen Wege die steile Küste nach unten führen. Wir entscheiden uns jedoch, erst bis zum Ende zu laufen und dann Rast an einer der Buchten zu machen.

Unser Weg führt durch eine bizarre Landschaft. Alles um uns herum besteht aus Sand. Die hügeligen Formationen, an denen wir entlanglaufen, haben eine weißlich gelbe Farbe. Auf einem Schild lesen wir, dass sie im wesentlichen “aus Schalenfragmenten mariner Mikroorganismen, Mollusken und Kalkalgen bestehen. Die Meersande wurden von starken Winden in Form von riesigen Dünen abgelagert.“ Auch dieser Küstensektor hat Schutzstatus im Rahmen des Natura-2000 Schutzgebiet.

Am Ende kommen wir an den Tunnel, den wir bei unserer Erkundungstour – Work-Life-Balance – schon fast erreicht hätten. Dieses mal von der anderen Seite.

Wir gehen durch den Tunnel und erreichen unser Ziel „Ponta Do Passo“.

Überrascht stellen wir fest, dass wir fast an dem Punkt sind, an dem wir das letzte Mal umgekehrt sind. Wären wir damals nur noch ein paar Meter weiter gelaufen, hätten wir den Tunnel gesehen. Die ausgesetzten Kletterstellen (am linken Rand des Kiesstrands) hätten sich nicht auf dem Weg befunden.

Auf dem Rückweg suchen wir uns eine Bucht aus, an der wir uns im Wasser abkühlen und dann von der Sonne trocknen lassen. Da auflaufendes Wasser ist, haben wir die Wellen gut im Blick – nicht, dass wir auf unseren Handtüchern unabsichtlich nass werden…

Die Bucht liegt geschützt, dadurch wird es uns bald viel zu warm. Da wir den ganzen Tag noch nichts gegessen haben, machen wir uns auf den Weg um im „Restaurante Porto De Frades“ einzukehren. Leider macht die Küche erst in knapp zwei Stunden auf. Wir entscheiden uns nur etwas zu trinken und besprechen dabei, wie unser Rückweg aussehen soll. Da wir beide von Wind und Sonne erschlagen sind und zudem auch der Hunger nagt, lassen wir uns ein Taxi rufen.

Der Taxifahrer bringt uns ins Zentrum von Vila Baleira. Dort genießen wir nach dem schönen Tag einen Bolo Do Caco. Das letzte Stück des Rückwegs gehen wir am Strand entlang.

An Sabir angekommen, befestigt Peter den Gartenschlauch mit der Gartenbrause an dem Gestell, auf dem Sabir steht, und wir erfreuen uns an einer entspannenden Dusche. Den Abend lassen wir im Cockpit ausklingen.

Sabir hat ein Loch 😉

Löcher in Schiffen will man ja eigentlich nicht haben. Trotzdem braucht es sie, um zum Beispiel Wasser aus dem Schiff zu bekommen (Spülwasser, Toilette,…) oder um Geber für Instrumente aus dem Inneren des Schiffs nach Außen zu bekommen (Tiefenmesser, Geschwindigkeitsmesser).

Gestern habe ich einen neuen Geber für die Logge (den Geschwindigkeitsmesser) eingebaut. Dazu musste ich den alten Geber aus dem Borddurchbruch ziehen (zuerst wollte er nicht, dann gab er aber nach), danach habe ich den alten Borddurchbruch entfernt (dazu musste ich Gewalt anwenden, der Borddurchbruch hat das nicht überlebt).

Da der neue Geber einen geringfügig größeren Durchmesser hat, als der alte, musste ich das vorhandene Loch größer bohren/sägen.

Eine interessante Aufgabe: Eine Lochsäge hat ja einen Bohrer, der die Säge führen soll. Man geht davon aus, dass an der Stelle, wo das Loch gesägt werden soll, nicht schon ein Loch vorhanden ist. Also habe ich mir mit der Lochsäge aus einem Stück Holz einen Stöpsel ausgesägt und diesen im vorhandenen Loch verspannt. Damit gab es nun wieder die Möglichkeit, die Lochsäge zu verwenden.

Ich muss Euch sagen, es ist schon ein komisches Gefühl, ein Loch in sein Schiff zu sägen – auch wenn da vorher schon eines war.

Den neue Borddurchbruch für den Geber habe ich wieder mit Dichtungsmasse eingeklebt. Die Dichtungsmasse muss nun aushärten. Den neuen Geber für die Logge kann ich dann mal bei Gelegenheit anschließen – das geht aber auch noch, wenn wir im Wasser sind.

Ich hoffe nur, dass ich beim Einkleben alles richtig gemacht habe und „Sabir“ dicht ist. Das wissen wir aber erst, wenn es ins Wasser geht…

Noch was für Elektriker: Das folgende Bild habe ich heute gemacht, als ich mein Verlängerungskabel aus der Steckdose ziehen wollte. Also bevor es Verwechslungen gibt, mein Kabel ist das weiße an der unteren Steckdose…

Ich habe mein Kabel dann doch lieber stecken lassen, da ich die Konstruktion meines Nachbarn, der gerade sein Fischerboot repariert, (und am Ende auch mich) nicht gefährden wollte.

Wenn man auf dem Trockenen sitzt…

…sind meistens Wartungs- und Reparaturarbeiten notwendig, die im Wasser nicht durchführbar wären.

Das veränderte Leben auf einem Schiff, das auf dem Trockenen steht, fängt schon damit an, dass es nicht mehr so einfach ist an Bord zu kommen.

An Sabirs Heck steht eine Leiter mit zehn Stufen. Über diese Leiter und die Stufen der Badeleiter, wird alles nach oben oder unten transportiert. Das war zu Anfang eine ziemliche Herausforderung für mich. Inzwischen schaffe ich es auch, nicht nur mich von hier nach da zu bringen, sondern kann auf dem Weg noch Dinge mitnehmen. Für Peter ist die Leiter überhaupt kein Problem.

Unsere schwere Taschen von der Anreise hatten wir über die Winsch am Großmast mit dem Spifall nach oben gezogen.

Nach unserem Großeinkauf haben wir die Sachen von den Kisten in Taschen umgeladen um sie dann so nach oben zu bringen.

Die Hauptlast von Sabir steht auf ihrem Kiel. Sie wird zudem von drei Gestellen aufrecht gehalten, die mit Leinen ineinander verspannt sind. Am Bug und Heck sind noch zwei Abstützungen.

Zusätzlich geht am Heck und Bug jeweils von Steuer- und Backbord eine Leine zum Boden, diese sind dort fest verankert.

Dadurch sind wir momentan etwa 3 Meter hoch. Da hat das oberste Gebot, „niemand geht über Bord“ nochmal eine ganz andere Bedeutung.

Das ist unsere Aussicht vom Cockpit:

Wenn wir vor Anker im Wasser sind, richtet sich das Schiff immer nach dem Wind aus. Wir hören dann wie das Wasser, das durch den Wind bewegt wird, an Sabirs Rumpf spielt. Das ist ein ziemlich beruhigendes Geräusch und kann sehr entspannend sein.

Die Böen, denen wir hier auf dem Trockenen durch die nahen Berge ausgesetzt sind, die mit teils an die 35 Knoten über uns herfallen, lassen Sabirs ganzen Rumpf vibrieren. So wie die Vibrationen vom Mast über die Wanten auf Sabirs Rumpf übertragen werden, werden die Vibrationen dann auf uns übertragen. Manchmal fühlt es sich an, als würden wir auf einem riesigen Massagesessel sitzen. Dieses Gefühl war am Anfang nicht sehr entspannend.

Manchmal wackelt und vibriert es so heftig, dass man meinen könnte, jetzt fällt Sabir dann gleich um. Aber mit ihren 11-12 Tonnen ist sie auf ihren relativ dünnen „Beinchen“ sehr standhaft und schützt uns auch hier auf dem Trockenen vor Wind und Wetter.

Heute geht es um die Winsch

Beim Segeln braucht man Winschen für die Bedienung verschiedener Leinen.

Sabir hat insgesamt sieben dieser Winschen. Vier davon im Cockpit – hiervon sind zwei elektrisch – zwei am Großmast und eine am Besanmast.

Die Leine wird auf die entsprechende Winsch mit einigen Windungen um die Trommel gelegt.

Zusätzlich kann man noch die Handkurbel (Winschkurbel) für höhere Lasten aufsetzen. Nun ist es möglich die Leine mit geringerem körperlichen Aufwand dicht zu holen.

Beim Fieren der Leinen, bleiben ebenso einige Windungen auf der Trommel, somit ist es möglich, die Leine kontrollierter loszulassen.

Sabir war diese Woche eine Nähstube.

Die Nähte der Abdeckungen für die Winschen waren von der Sonne spröde. Deshalb habe ich die alten Nähte aufgetrennt und sie durch neue ersetzt.

Innen wurde noch ein neue elastische Leine angenäht, da die alte schon ausgeleiert war. Die Gummileine wird über die Winsch gelegt und verhindert somit, dass das Hütchen wegfliegen kann. Das blaue Hütchen kommt über die Winsch und schon ist diese geschützt, wenn man im Hafen liegt oder auf dem Trockenen steht… und es sieht außerdem noch hübsch aus.

Sommer, Sonne, Strand

Bereits letztes Jahr haben wir in verschiedenen Blogbeiträgen und bei „Sehenswürdigkeiten Porto Santo“ immer wieder von Calheta, dem südwestlichen Ende von Porto Santo und seinem beeindruckenden Sandstrand gelesen.

Meinem Bewegungsdrang folgend, bin ich vor zwei Tagen schon mal in diese Richtung gelaufen und habe Peter anschließend begeistert von dem Strand erzählt.

Wenn wir im Cockpit sitzen, habe ich den Blick auf das Ende von Porto Santo. Selbst der Strand ist auf diese Entfernung noch gut zu erkennen. Das lässt die Ausmaße dieses Abschnittes erahnen.

Beim Frühstück gestern haben wir uns entschieden, heute die Arbeit Arbeit sein zu lassen, unsere Rucksäcke mit Badesachen und ausreichend Wasser zu befüllen und uns Richtung Calheta auf den Weg zu machen. Dieser Spaziergang steht schon länger auf unserer ToDo-Liste. Nachdem ab 01.08. die Maskenpflicht wohl auch am Strand gelten soll, haben wir uns entschieden, diesen Haken auf der ToDo-Liste noch heute zu setzen.

Den Weg dahin wählen wir entlang der Strandpromenade und über Straßen abseits der viel befahrenen Hauptstraße. Streckenweise geht parallel ein ca.1,50 m breiter Fahrradweg. Dies nehmen wir positiv zur Kenntnis, da wir demnächst auch mal noch auf den Pico de Ana Ferreira hoch wollen und uns überlegt haben, Teile der Strecke mit dem Rad bewältigen zu können.

Wir haben westlich immer den Pico de Ana Ferreira (283m) im Blick. Peter fragt mich, ob ich die Echse, die sich über dessen Rücken gelegt hat, erkennen kann. Hä? Eigentlich habe doch ich auf die Entfernung die besseren Augen von uns beiden. Aber eine Echse auf die Entfernung? Ist es möglicherweise doch zu warm? Hat er zu wenig getrunken?

Aber nach der Erklärung von Peter: „Entlang des Bergrückens sieht man nackten Fels. Links, hin zum Gipfel, ist diese Felsschicht dicker – das ist der Körper. Rechts wird der Streifen dünner, das ist der lange Schwanz…“ kann auch ich die Echse erkennen. Das ist ein bisschen so wie mit Wolkenbildern.

Kurz darauf fragt er mich augenzwinkernd, ob ich das Pferd am Berg auch sehe. Wie jetzt, Pferd? Aber tatsächlich, es hat sich in der Landschaft gut getarnt. Seht selbst:

Wir kommen unterwegs an dem Hotel vorbei, in dem Peter letztes Jahr, als er mit dem Gutachter hier war, übernachtet hat. Am „Pestana Ilha Dourada“ sind alle Jalousien geschlossen. Die Hotelanlage schaut, in der um diese Jahreszeit sehr trockenen Gegend, trostlos und geisterhaft aus. Beim Weiterlaufen entdecken wir, dass der Pool zwar mit Wasser gefüllt ist, alle Sonnenliegen aber gestapelt in Reih und Glied auf die Touristen warten. Es ist ein seltsamer Anblick. Eigentlich müsste jetzt Hochbetrieb herrschen, aber Corona lässt diese Hotelanlage komplett leer stehen.

Nach etwa 2 Stunden und knapp 9 km sind wir am Ponta da Calheta. Der Parkplatz ist voll, aber in dem Restaurant sind noch einige Plätze auf der Terasse frei. Wir entscheiden uns dort einen Galão zu trinken. Es ist unser erster seit wir hier sind. Letztes Jahr war es ein uns liebgewordenes Ritual, am Nachmittag in die Marinabar zu gehen und einen Galão zu trinken. Dieses Jahr konnten wir uns noch nicht so richtig durchringen, dies zu tun. Die Terasse war meist dicht besetzt und wir wollten uns ob der sozialen Distanz nicht dazu setzen. Es ist auch niemand uns bekanntes da. Letztes Jahr war immer jemand dort, mit dem man einen kleinen Plausch halten konnte. Wenn man aber mit seinem Schiff auf dem Trockenen sitzt, ist man weitab vom sozialen Leben am Steg und lernt niemand kennen… doch ich schweife ab… wir genossen also unseren Galão… und der war wirklich richtig lecker!

Anschließend machen wir uns auf den Weg zum Strand, breiten unsere Handtücher mit Blick auf die Ilhéu da Cal aus und kühlen uns im Atlantik ab. Wir können Madeira sehen, es liegt zwar etwa 22 sm entfernt, aber die Umrisse sind doch sehr klar zu erkennen.

Nach einer kurzen Siesta im warmen Sand – die Sonne brennt jetzt doch ziemlich – machen wir uns am Strand zurück auf den Weg zu „Sabir“. Nach ein paar Metern scheint der Strand uns alleine zu gehören. Es ist atemberaubend schön. Ich sage im Spaß zu Peter: „Fehlt nur noch die gebogene Palme…“ Aber auch ohne Palme haben wir das Gefühl uns in einem Postkartenmotiv zu bewegen.

Der Rückweg war vom Gefühl her schneller bewältigt als gedacht. Man läuft, beobachtet die Wellen die mit tosender Lautstärke ankommen und brechen, spürt den sanften Wind um die Nase und durch die Haare streichen und irgendwann ist man ohne Gedanken am Ziel angekommen.

Nachdem wir im „Pé na Água“ eingekehrt sind und wir uns ein leckeres Essen zum Abschluß des Tages gegönnt haben, machen wir uns auf den Weg um die letzten knapp zwei Kilometer zurück zu laufen.

Die letzten paar hundert Meter bekomme ich von Peter Physik anschaulich erklärt. Es geht um die Beugung kohärenter Wellen am Einzelspalt. Gespannt höre ich zu, Peter benutzt den Strand als Tafel und ich denke mir, wenn ich Physik zu Schulzeiten so erklärt bekommen hätte… Fragt uns nicht, wie wir da drauf gekommen sind.

Als ich heute im Cockpit sitze und den Beitrag schreibe, schweift mein Blick, wie schon so oft, rüber zur Ponta da Calheta. Irgendwie schaut das heute mal ganz anders aus. Beim genaueren Hinschauen fällt auf, dass Madeira heute zum Greifen nahe ist. Wahnsinn, so eine gute Fernsicht hatten wir hier noch nie.

Obrigatoriedade de Mascara

Ab dem 1.8. gilt auf Madeira eine obligatorische Maskenpflicht auf allen öffentlichen Plätzen, Straßen, Stränden – einfach überall.

Auf Madeira gibt es offenbar aktuell 9 so genannte „importierte“ Fälle – keinen davon auf Porto Santo. Diese wurden alle anscheinend direkt am Flughafen erkannt und isoliert. Zum Verhältnis: Madeira hat insgesamt ca. 250.000 Einwohner, davon leben ca. 5.500 auf Porto Santo.

Alle Einreisenden – wir auch – müssen über die Website „Madeirasafe“ Kontakt zu den Gesundheitsbehörden halten und täglich über möglicherweise auftretende Symptome informieren. So (und natürlich durch die Pflicht zum Test bei der Einreise) versucht Madeira sich vor eingeführten Infektionen zu schützen.

Wir nehmen an, dass Madeira die Maskenpflicht einführt, weil die Anzahl der Touristen auf der Hauptinsel zunimmt und sich der Abstand in den Touristenzentren nur schwer einhalten lassen wird.

Nichtsdestotrotz ist die Einführung der Maskenpflicht umstritten. Mit einer Unterschriftensammlung soll die Verordnung verhindert werden. Es wird befürchtet, dass der Insel die Urlauber fern bleiben.

Wellness-Tag: Rituelle Waschungen und Bauchmassage

Während ich mich heute weiter um die Seeventile und die Reaktivierung des Schwarzwassertanks kümmere, macht Claudia „Wellness“. Sie unterzieht unsere gebrauchten Mund-Nasenschutz-Masken einer rituellen Waschung und lässt „Sabir“ eine Bauchmassage zukommen.

Verpackt in einen Schutzanzug, mit Schutzbrille, Staubschutzmaske und Handschuhen schleift sie das Anti-Fouling auf dem Unterwasserschiff an, damit wir in den nächsten Tagen noch mal eine neue Schicht aufbringen können.

Ich habe im Achterschiff ein neues Y-Ventil und neue Schläuche für das hintere WC eingebaut und die neuen Seeventile angeschlossen. Leider hat der gekaufte Schlauch um einen Meter nicht gereicht, somit musste ich leider einen der alten Schläuche weiterverwenden.

Work-Life-Balance?

Wir sind nun fast eine Woche auf Porto Santo. So langsam macht sich in mir das Gefühl von Urlaub breit (so lange hat es gedauert).

Ich habe auf „Sabir“ viele Baustellen aufgemacht, aber keine abgeschlossen. Zu viele Arbeiten sind mir fremd. Ich fange an und mache so lange, wie es geht. Irgendwann komme ich dann an einem Punkt an, an dem es nicht mehr weitergeht. Dann fehlt es entweder an Informationen/Wissen, an Material oder an Werkzeug.

Heute schreibe ich mal über die Baustelle der Seeventile. Ich hatte ja schon geschrieben, dass zumindest drei Seeventile defekt sind. Im Oktober hatte ich schon damit begonnen einzelne auszubauen (vor allem um sie als Muster mit nach Hause zu nehmen). Jetzt geht es darum sie wieder zu erneuern. In einem der Pakete kamen die benötigten Borddurchbrüche, Kugelhähne und Schlauchtüllen.

Ich beginne damit einen der Borddurchbrüche zu entfernen. Es gelingt mir mit viel Anstrengung den Borddurchbruch so weit aufzuschrauben, dass ich mit einer kleinen Trennscheibe am Dremel die Mutter aufschneiden kann, die den Borddurchbruch gegen den Rumpf drückt. Der Borddurchbruch wird dann nach Außen aus dem Schiff gedrückt, gedreht, geschlagen. Nachdem er draußen ist, kann ich ihn bei Licht betrachten – so schlecht sieht der gar nicht aus… (lasst Euch nicht von der Farbe und den Resten der Dichtungsmasse täuschen!)

Ich beschließe, die anderen nur dann auszubauen, wenn sie deutlich schlechter aussehen. Die Stelle, wo der alte Durchbruch saß, wird gut gereinigt und wieder bis aufs Laminat abgeschliffen. Der neue Durchbruch wird mit Dichtmasse bestrichen und wieder eingedreht. Ob ich alles richtig gemacht habe? Wird sich zeigen, wenn wir „Sabir“ zu Wasser lassen. Ich gehe einfach mal davon aus, dass es dicht ist.

Ebenfalls auf der Baustelle Seeventile geht es darum, das Eindichten von Gewinden mit Hanf und Dichtpaste auszuprobieren. Ich schaue mir unzählige Videos an, die einem erklären wollen, wie es grundsätzlich funktioniert. Dann probiere ich es selbst. Es funktioniert – leidlich – gut. Irgendwann gelingt es mir, den Hanf korrekt aufzubringen, so dass er sich beim Eindrehen nicht mit dreht. Aber irgendwie muss ich meine ganze Kraft aufbringen um die beiden Teile zusammenzuschrauben – das kann so nicht richtig sein. Ich glaube ich scheitere an der richtigen Menge, der richtigen Dicke des Hanfes. Aber wie viel/wenig ist hier ok?

Ich rufe einen befreundeten Handwerksmeister an, für den das Eindichten von Rohren gelerntes Handwerk ist. Wir sprechen die ganze Sache durch und er schickt mir auch noch mal ein kleines Video, auf dem er mir zeigt, wie er es macht. Wir einigen uns darauf, dass ich weniger Hanf nehmen muss.

Gesagt, getan, nächster Versuch. Mit weniger Hanf klappt es einigermaßen gut und auch die notwendige Kraft zum zusammenschrauben hält sich in Grenzen. So kann ich mir vorstellen den Kugelhahn und die Schlauchtülle dicht zu verbinden.

Als ich aber versuche, mein Gelerntes an den Borddurchbrüchen auszuprobieren, gerate ich wieder an meine Grenzen. Da ist einfach zu wenig Platz. Ich komme nicht mit zwei Händen an die Stelle, wo ich gerne den Hanf aufwickeln würde… Mist!

Wieder unterbreche ich meine Arbeit und konsultiere das Internet. Ich lande bei einem Dichtfaden, den es von ein und dem selben Hersteller unter zwei verschiedenen Marken zu kaufen gibt. Dieser ist leichter anzuwenden, als der Hanf und hat im Vergleich zu einem Teflonband den Vorteil, dass man bis zu 45 Grad zurück drehen darf ohne die Dichtigkeit zu verlieren.

Ich setze mich aufs Fahrrad und radle zu einem „Baumarkt“ (15 Minuten, permanent steil bergauf) und kaufe mir eine Packung von dem Dichtfaden. Zurück auf „Sabir“ wird gleich ausprobiert. Siehe da das funktioniert und das Zuschrauben geht auch einfacher…

Und wo bleibt nun die „Work-Life-Balance“?

Wir sind täglich mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Gehen Einkaufen oder einfach nur am Strand spazieren. Heute hat es uns vom Hafen aus in Richtung Osten gezogen.

Anfangs führt da noch eine asphaltierte Straße an der Küste entlang, dann wird die Straße zu einem staubigen Fahrweg, dann endet auch dieser und wir laufen auf einem Fußpfad immer an der Kante entlang. Links von uns geht es steil den Berg hoch, rechts von uns geht es mal mehr, mal weniger steil runter ans Meer.

Wir laufen ca. 1 Stunde auf dem Pfad, kommen dann aber an eine Stelle, an der geklettert werden müsste. Wir beschließen umzudrehen. Der Weg würde weiter über ausgesetzte Stellen an der Steilküste entlang gehen, teilweise durch in die Felsen gehauene Tunnels. Das klingt spannend, ist aber heute nichts für uns.