Kommt der Regen vor dem Wind…

Es gibt eine Wetterregel, die lautet:

Kommt der Regen vor dem Wind, hol das Tuch herein geschwind.

Kommt der Wind vor dem Regen, Skipper kann sich schlafen legen.

Um 1:00 Uhr heute Nacht beginnt es zu regnen – interessanterweise genau zu dem Zeitpunkt, den PredictWind vorhergesagt hat. Es geht zu diesem Zeitpunkt nur sehr wenig Wind, geschätzt ca. 2 Beaufort (Bft.). Wenn die übrigen Vorhersagen auch stimmen, werden Regen und Wind in den nächsten drei Stunden zunehmen. Der Wind im Mittel auf ca. 22kn (5-6 Bft.) und in Böen 33kn (7 Bft.). Im weiteren Verlauf des Tages kurz nach Mittag erwarten wir dann im Mittel zwischen 26kn und 29kn und in Böen (je nach Quelle der Vorhersage) 35kn bis 40kn (8 Bft.).

Wir legen uns wieder hin und sind gespannt, wie es weiter geht.

Nach 3:00 Uhr setzt der erwartete Wind ein, dafür hat es aufgehört zu regnen. Der Windmesser zeigt die vorhergesagten Geschwindigkeiten um die 24kn an. In der Hafeneinfahrt stehen wieder schäumende Wellen, es kommt Bewegung in die Schiffe.

4:30 Uhr: Zwischenzeitlich sind die Böen auf bis zu 35kn hoch gegangen. Die brechenden Wellen von der Seeseite kommen immer wieder über die Hafenmauer. Der Wind hat von Süden auf Südwesten gedreht und auf 15-20kn abgenommen. Es regnet wieder. Die armen Ankerlieger werden ziemlich durchgeschaukelt und auch wir haben viel Bewegung im Schiff. Es fühlt sich alles wieder angenehmer an und wir legen uns wieder zum Schlafen hin.

Wir konnten tatsächlich bis 8:30 Uhr schlafen. Es hat weiter geregnet, aber den Wind hat man kaum noch gespürt. Wir stehen auf und laufen vor an die Hafeneinfahrt. Der Wind hat weiter über West auf Nordwest gedreht und der Schwell hat damit nachgelassen und steht nicht mehr in die Hafeneinfahrt. Die Welle im Hafen ist somit fast weg. Trotzdem bleibt es auf Sabir unruhig. Sie ruckt in den Leinen und schaukelt im Wind.

Im Verlaufe des Vormittags frischt der Wind wieder auf und bewegt sich im Bereich um 6 Bft. Anfangs war es noch bewölkt und regnerisch, vor etwas mehr als einer Stunde ist die Sonne rausgekommen – ab und zu regnet es bei strahlendem Sonnenschein…

Wir sind froh, so gut durch die Nacht gekommen zu sein und denken, dass auch der Tag gut verlaufen wird.

Gestern hat uns ein Mitarbeiter der Marina Porto Santo sinngemäß gesagt: „Porto Santo ist so klein, da kann so ein Wetter durchaus auch mal ungestreift vorbeiziehen.“ Er stand mir mit langer Hose und langärmligem Hemd schwitzend in der prallen Mittagssonne gegenüber. Er hatte mit viel Regen und kaltem Wind gerechnet.

Gerade, als ich aufhöre mit Schreiben, nimmt der Wind wieder zu und es blasen Böen mit bis zu 36kn über uns hinweg. Es bleibt interessant.

Die Nacht war unruhig, aber ok

Kurzes Update, für alle, die unseren letzten Beitrag vom 17.10.2020 gelesen haben und wissen wollen, wie die Nacht verlaufen ist.

Samstagmorgen, die Ruhe vor dem Sturm.

Am Samstagabend hat der Wind nach einem ruhigen und sommerlichen Tag auf Süd gedreht und wir haben gemerkt, wie Sabir unruhig geworden ist, als wollte sie uns auf das Kommende aufmerksam machen (natürlich ist das Wasser im Hafen unruhig geworden 😉). Der Wind hat in der Nacht auf Sonntag zugenommen, blieb aber in Bereichen um die 20 Knoten – also nicht mehr, als sonst auch.

Ungemütlicher Sonntag mit starkem Wind und Regen.

Im Verlauf des Sonntag haben dann Wind und Wellen vorübergehend etwas zugenommen und es begann zu regnen. Um die Nachmittagszeit gab es ein „trockenes“ Zeitfenster, in dem wir vor an die Hafeneinfahrt und an den Strand gegangen sind um uns den tosenden Atlantik anzuschauen.

Es steht starker Schwell in den Hafen, der aber hauptsächlich die Ankerlieger im Hafenbecken durchschaukelt. Bei uns am Steg ist es einigermaßen ruhig, es ist noch nichts von den Wellen zu spüren, vor denen wir gewarnt wurden und auf die wir uns vorbereitet haben.

Zum Abend hin legt der Wind dann noch mal deutlich zu und kommt aus südwestlichen Richtungen (Windstärke habe ich leider nicht gemessen). Damit kommt nun auch wieder deutlich stärkerer Schwell in den Hafen. Dieses Mal zieht und schiebt es Sabir vom Steg weg und wieder darauf. Das ist unangenehm.

Wir schlafen unruhig, da immer wieder starke Erschütterungen durch den Rumpf gehen, wenn wir in eine der Leinen einrucken. Ich gehe mehrmals in der Nacht raus, kontrolliere Fender und Leinen und horche auf die Geräusche am Steg. Kurz nach 4:00 Uhr ist Hochwasser und weil Neumond ist, ist dieses besonders hoch. So kann ich über das Betonpier auf die Hafeneinfahrt schauen und sehe dort schäumend Wellen rein brechen und Gischt über den Wellenbrecher wehen – faszinierend, aber auch gruselig.

Der Steg knackt jedoch trotz der starken Bewegung der beiden Schiffe überhaupt nicht. Ich vermute, dass die ausgebrachten Anker bewirken, dass wir die Kraft der Wellen gedämpft auf den Steg weitergeben.

Diese Situation hält bis in den Morgen an. Ab ca. 10:00 Uhr ist jedoch nur noch wenig Wind und die Wolkendecke reißt auf. Wir werden heute vermutlich den ganzen Tag wieder ruhiges Wetter haben, bis uns dann heute Nacht zwischen 3:00 Uhr und 6:00 Uhr das nächste Mal ziemlich starker Wind beschert wird…

Als wäre nichts gewesen…

Da kommt was auf uns zu…

…mal wieder eine Wettervorhersage, von der wir nicht wissen was wir davon halten sollen. Eigentlich sind wir ja inzwischen schon sehr entspannt wenn der Wind um Sabir pfeift oder ihr die Wellen ans Heck schlagen und der ganze Rumpf vibriert…

Am vergangenen Wochenende und Anfang der Woche gab es kräftige Böen, die zwischen 5 und 35 Sekunden dauern und dann abrupt enden. Man hört förmlich wie sich die Böe aufbaut, Sabir von der Böe auf die Seite gedrückt wird und dann, als würde jemand den „Aus-Knopf“ drücken, ist der ganze Spuk vorbei… bis zur nächsten. Tagsüber nehmen wir das gar nicht mehr so wahr. Nur manchmal springt Peter mit dem Windmesser hoch und sagt dann „enttäuscht“: wieder nur 20 Knoten…

Nachts fühlt und hört es sich aber anders an, da hören wir wie die Wellen gegen Sabirs Heck schlagen und der Steg gibt krächzende, laute Geräusche von sich. Das lässt uns nachts doch immer noch aufschrecken. Vor allem da wir wissen, dass der uns gegenüberliegende Fingersteg vermutlich letztes Jahr bei schwerem Wetter abgebrochen ist.

Seit einigen Tagen beobachten wir jedoch wieder sehr intensiv die Wettervorhersage für dieses Wochenende… das schaut schon seit ein paar Tagen sehr beunruhigend aus.

Stand heute Abend sind für morgen Böen bis zu 32 Knoten aus südlichen Richtungen und für Dienstag bis zu 44 Knoten aus Südwest gemeldet. Es soll dabei eine Welle bis zu 2,7m aus südlichen und südwestlichen Richtungen geben.

Das Problem der Wellen ist, dass sie genau aus so einer Richtung kommen, dass sie ungehindert durch die Hafeneinfahrt laufen können, an der uns gegenüberliegenden Hafenmauer reflektiert werden und dann auf die Stege treffen, an denen die Yachten festgemacht sind.

Wir haben volles Vertrauen zu Sabir, dass sie uns gut durch die Wellen schaukeln wird. Was uns aber beunruhigt ist der Steg an dem wir liegen. Wir hoffen sehr, dass er gut hält.

Sehr beunruhigend finden wir auch, als wir vor ein paar Tagen Juan, (der hier auf seinem Boot in der Marina lebt) fragen, was er von der Vorhersage hält. Juan, den, wie wir finden, so gar nichts erschüttern kann, der die Ruhe und Entspanntheit in Person ist, schaut sehr bestürzt und meint, „ja, das kann schlimm werden. Am Samstag werden wir uns gut darauf vorbereiten müssen.“ Wenige Worte aber wie er sie spricht…

Wir haben deswegen Sabir heute auf den kommenden Sturm vorbereitet. Peter hat zwei zusätzliche Anker auf der Seite ausgebracht, von welcher die Wellen kommen und Sabir auf den Steg drücken werden. Den einen mit 30m Kette am Bug, den anderen mit viel Leine zur Schiffsmitte, bzw. zum Heck. Der Wind wird uns vom Steg weg drücken, die Wellen dagegen auf den Steg schieben. Wir hoffen, dass wir so in beide Richtungen abgesichert sind.

Neben uns liegt eine russische Yacht, auch dort wurden zusätzliche Anker ausgebracht.

Außerdem haben wir das Dinghy fest auf Deck verzurrt und die ältere Sprayhood wieder aufgezogen.

Wir haben keine Ahnung, was da von heute Nacht bis Mittwoch auf uns zukommen wird und ob unsere Vorsichtsmaßnahmen ausreichend sein werden. Aber wir fühlen uns gerade gut vorbereitet.

Ein schöner Segeltag mit Anne und Michael

Der kräftige und böige Wind hat gestern und heute nachgelassen. Er bläst heute im Mittel nur noch mit ca. 14 Knoten. Es fallen zwar auch immer wieder mal ein paar kräftigere Böen ein, aber eigentlich ist ein angenehmer Segeltag vorhergesagt.

Wir haben uns gestern mit Anne und Michael für heute zum Segeln verabredet. Ich wollte heute gerne mal unser Leichtwindsegel, den Gennaker, ausprobieren. Leider war der Wind dann doch draußen etwas zu kräftig, um es zu nutzen.

Wir machen uns relativ früh am Vormittag auf den Weg. Auch heute wieder segelt Sabir schnell und ruhig und wir haben viel Spaß. Wir segeln zweimal vor der Insel auf und ab.

Auf der „downwind“-Strecke (wenn der Wind von hinten kommt) trinken wir Kaffee und essen von dem Apfelkuchen, den wir gestern Nachmittag im Omnia-Ofen für uns und unsere Gäste vorbereitet haben.

Relativ früh am Nachmittag legen wir wieder an unserem Steg an.

Für uns alle war es ein wunderschöner Segeltag. Anne und Michael haben sich gefreut, mal wieder segeln zu können (die liegen auch schon eine Weile hier auf Porto Santo), Claudia und ich haben die Gesellschaft der beiden an Bord sehr genossen.

Für die nächsten Tage (Wochenende und Wochenanfang) sind wieder kräftigere Winde angesagt. Da wollen wir nicht raus, aber in der kommenden Woche soll es wieder ein paar ruhigere Tage geben, da werden wir dann wieder segeln.

(Bilder haben wir leider gerade noch keine – falls wir Fotos von Anne und Michael bekommen, liefern wir die nochnach)

BBQ

Es ist schon eine Weile her, als wir das letzte Mal hier auf Porto Santo gegrillt haben. Das dänische Pärchen von der Evilja hat dieses Mal organisiert und eingeladen. Die beiden haben einen perfekten Tag ausgesucht, es war heute trocken und windstill.

Wir haben uns für heute Abend Paprika, Zucchini, Kartoffeln und (für mich) zwei frische Thunfisch-Steaks gekauft. Wir werden außerdem einen Schichtsalat machen. Das Grillen verläuft wieder wie immer: Jeder bringt was mit, alle teilen.

Wir treffen uns am frühen Abend am „hinteren Strand“. Wir sind eine kleine Gruppe von 11 Personen. Die Ankerlieger fahren mit ihrem Dinghy oder dem Kanu aus dem Ankerfeld aus dem Hafen heraus direkt auf den Strand. Claudia und ich nehmen das Fahrrad – wir haben inzwischen einen Gepäckträger – da wir Grill, Holzkohle, Salat, usw. transportieren müssen.

Außer unserem Holzkohlegrill, der ja eigentlich am Heckkorb von Sabir hängen sollte, haben wir noch den Cobb-Gasgrill von Anne und Michael und ein kleines Holzkohlefeuer, über das Lothar seinen Grillrost legt.

Im Vorfeld hatten Claudia und ich J. (einen Madeirer, der schon seit vielen Jahren hier auf Porto Santo lebt) gefragt, ob es erlaubt sei am Strand Feuer zu machen. Seine Antwort war: „No it‘s not allowed, but you can. If the police comes, say you didn‘t know. And if you light a fire the next day and the police comes, say you forgot…“

Wir lernen wieder neue Leute kennen und stehen in lockeren Grüppchen zusammen und unterhalten uns.

Lothar sammelt etwas Holz am Strand und macht aus seinem Holzkohlegrillfeuer ein richtiges Lagerfeuer.

Der Sonnenuntergang heute Abend war wieder einmal sehr dramatisch, der Himmel ist in blutrotes Licht getaucht.

Leider endet der Abend ein bisschen abrupt, als es nach Einbruch der Dunkelheit unvermittelt anfängt zu regnen.

Wir packen schnell zusammen, vergraben die Reste der Holzkohle und des Lagerfeuers und machen uns auf den Heimweg zu unseren Booten.

Autumn is coming

Seit einigen Tagen beginnt sich das Wetter hier auf Porto Santo zu verändern. In den letzten Wochen hatten wir überwiegend sommerliches Wetter. Es konnte zwar immer wieder mal zwischendurch ein bisschen regnen und es war auch immer wieder mal ein bisschen windig – aber alles in allem konnte man sich überwiegend eher im Cockpit, als im Salon aufhalten.

Das ändert sich gerade. Wir haben zwar weiterhin 22°C Außentemperatur und wir sind weit weg von dem Herbst, den wir aus Deutschland kennen – aber es beginnt nun doch ein bisschen ungemütlich zu werden.

Das Sonnendach, das uns im Cockpit bislang vor der prallen Sonne geschützt hatte, haben wir abgebaut, da inzwischen immer häufiger heftige Böen von den Bergen in den Hafen einfallen. Die Luken schließen wir, wenn wir das Schiff verlassen, da es immer wieder unvermittelt aus heiterem Himmel anfängt zu regnen. Das Blau des Himmels verändert sich immer häufiger zu einem trüben Grau.

Auch unsere Mahlzeiten nehmen wir nun überwiegend unter Deck im Salon ein.

Hier ein paar Impressionen von Porto Santo von heute Nachmittag und heute Abend.

Aber auch wenn wir gerade eine Wetterveränderung spüren: Sobald die Sonne durch die Wolken kommt und der Wind ein bisschen nachlässt, wird es sofort wieder sehr warm und sommerlich. Wir sind gespannt, was uns die nächsten Wochen hier bringen.

Sabir‘s sailing

Seit Mitte August hören wir immer wieder die Fragen „wart Ihr denn schon segeln?“, „wann geht’s los?“, „wo soll‘s denn hingehen?“,…

Jedes Mal war unsere Antwort „noch nicht, zuerst müssen wir noch [hier beliebiges einsetzen] verbessern / reparieren / machen“ oder „wenn der kräftige Wind vorbei ist“ oder „nächste Woche“ (nächste Woche passt eigentlich immer 😉)…

Irgendwann haben wir uns selber gefragt, warum wir nicht einfach mal segeln gehen:

Es war bislang einfach gleichzeitig zu viel zu tun und viel zu gemütlich. Wir hatten ja schon geschrieben, dass alles, was man hier beginnt immer länger dauert, als man denkt (siehe Boat Hour). Auch die kleinsten Dinge, die man erledigen möchte benötigen ewig.

Zum Beispiel Wäsche waschen: In der Halle des Boat Yard gibt es eine Waschmaschine, die von den Seglern am Steg und vor Anker genutzt werden kann. Möchte man seine Wäsche waschen versucht man morgens der Erste zu sein, der seine Tasche mit Wäsche in die Maschine bekommt. Also macht man sich vor 8:00 Uhr auf den Weg zur Waschmaschine (einfacher Weg knapp 10 Minuten), stellt um 8:00 Uhr fest, dass die Halle noch nicht geöffnet ist und wartet. Gegen 8:10 Uhr macht man sich unverrichteter Dinge auf den Rückweg. Selbes Spiel wieder um 9:00 Uhr – da stellt man fest, dass man zu spät gekommen ist und schon eine andere Crew am Waschen ist. Ein Blick auf die Waschmaschine zeigt, dass die Wäsche in 40 Minuten fertig ist. Die eigene Tasche stellt man nun so vor die Waschmaschine, dass deutlich wird, dass wir als nächstes dran sind. Wir stellen einen Timer und machen uns nach einer halben Stunde erneut auf den Weg um vor Ort zu sehen, dass irgendjemand schneller war, die gewaschene Wäsche aus der Maschine genommen und dafür seine eigene hinein getan hat… Wenn wir es schaffen unsere Wäsche in die Maschine zu bekommen, ist es dann kurz vor 12:00 Uhr. Von 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr ist die Halle geschlossen, also kann man seine Wäsche erst nach 14:00 Uhr (so die Halle pünktlich geöffnet wird) abholen. Was also Zuhause in 5 Minuten erledigt ist, benötigt hier gut und gerne bis in den Nachmittag hinein. Luxusprobleme…

Segeln ist an so einem Tag also nicht mehr drin. Ich schweife ab.

Ach so und gemütlich ist es. Wir treffen unsere Nachbarn am Steg trinken mal schnell einen Kaffee bei uns, auf einem der anderen Schiffe oder in der Marina Bar. Schlendern vor ins Dorf zum Bummeln, Einkaufen,…

Segeln ist auch an solchen Tagen nicht drin.

Aber irgendwie war gestern (nach ca. 2,5 Monaten auf Porto Santo) der richtige Zeitpunkt um endlich mal die Leinen loszuwerfen und zu schauen, ob Sabir noch weiß wie man segelt (ok, ich hör Euch sagen: „Sabir kann‘s bestimmt, könnt Ihr‘s denn noch?“).

Bis wir allerdings in die Pötte kommen vergeht wieder sehr viel Zeit. Wir müssen Sabir aus der Wohnkonfiguration in Segelkonfiguration bringen. Alles, was wir der Einfachheit irgendwo offen hingelegt haben, muss verstaut werden. Unseren Proviant, der in der Achterkajüte auf dem Bett lagert, müssen wir gegen Verrutschen und Kippen sichern. Wir schließen alle Luken, alle Seeventile. Das Dinghy wird wieder fest an Deck verzurrt und das Großfall an das Segel angeschlagen. Wir legen unsere Leinen (an denen Sabri die letzten Tage unruhig geruckt und gezuckt hat, sie will los) „auf Slip“ – also so, dass wir sie von Bord leicht lösen können. Claudia und ich gehen noch mal alle Systeme durch: Funkgerät, Kartenplotter, Autopilot, elektrische Winschen, alle Leinen zum Segel steuern. Ich starte den Motor, damit er ein bisschen warm laufen kann und wir besprechen, wie ich Ablegen werde.

Inzwischen ist es 13:30 Uhr, eigentlich Zeit für Kaffee und Kuchen 😉. Es gibt Segler hier am Steg, die sagen „ein Segeltag ist ein verlorener Hafentag“.

Unseren Stegnachbarn bläuen wir ein, den Liegeplatz am Kopfsteg mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, sollte es jemand wagen, sich an „unseren“ Platz zu legen. Das Marinabüro weiß Bescheid, dass wir heute Abend wieder zurück sind.

Gegen 14:00 Uhr entfernen wir die Leinen und fahren entspannt vom Steg in das Hafenbecken. Dort drehen wir noch ein paar kleine Kreise (wie schreibt man die Verniedlichungsform von Kreis ohne dass es blöd aussieht? Kreischen?), nehmen die Fender an Bord, schießen unsere Festmacher auf und verstauen alles.

Als wir aus dem Hafen rausgefahren sind, legen wir unsere Schwimmwesten an (das nächste mal dann in umgekehrter Reihenfolge) und setzen das Großsegel und danach das Vorsegel. Es läuft nicht ganz so geschmiert, wie ich mir das gewünscht hätte – zum Einen hat sich das Großfall vor dem Segelsetzen um eine der Maststufen gelegt (Großsegel wieder runter, Fall befreien, Segel wieder hoch), zum Anderen sind die Leinen der drei Reffs etwas hart und laufen sehr schlecht durch die ganzen Rollen. Claudia steht am Mast, ich am Ende des Baumes und wir ziehen an den Reffleinen, damit sich das Segel vollständig setzen lässt (da muss ich mir mal überlegen, was ich besser machen kann). Das Setzen des Vorsegel läuft dafür perfekt, wir haben beim Anschlagen alles richtig gemacht.

Wir nehmen Kurs Richtung „Martins Insel“ und denken mit einem lachenden und einem weinenden Auge an einen schönen Segeltag mit einem lieben Menschen zurück. Mit anfangs halbem Wind, später am Wind düsen wir mit bis zu 8 Knoten (Meine Güte, wir wussten nicht, dass unsere alte Dame es so nötig hatte) und einem fetten Grinsen im Gesicht durch moderate Wellen – Generalkurs „Afrika“. Unser Windmesser zeigt am Wind knapp 20kn scheinbaren Wind an, wir kommen auf ca. 50° zum Wind, gehen wir höher, wird Sabir langsamer.

Da wir heute nicht so lange und nicht so weit fahren wollen, fahren wir eine aufwendige Wende (Motor an, Batterien parallel schalten, Genua einrollen, mit dem Motor durch den Wind, auf dem anderen Bug die Genua wieder ausrollen) und düsen wieder mit 6 bis 8 Knoten zurück Richtung Porto Santo.

Als ich das Steuer näher Richtung Porto Santo lege, habe ich das Gefühl auf einen leichten Widerstand zu stoßen – unser Mädel will noch nicht Heim, sie möchte wohl weiter – wie weit? nach Madeira? Kanaren? Ich überzeuge sie mit einem kräftigen Ruderdruck, dass heute nur die Einstimmung auf weitere schöne Segeltage ist.

Vor dem Strand angekommen fallen wir auf einen raumen Kurs ab, rollen die Genua ein und lassen dann im Wind das Groß fallen – es läuft alles wie am Schnürchen. Gemütlich lassen wir den Autopiloten Richtung Hafen steuern, während Claudia und ich das Segel etwas aufräumen, sowie die Fender und Leinen für den Anleger bereit legen. Wir besprechen das Anlegemanöver (welche Leine zuerst, auf welche Klampe wird sie gelegt, was ist, wenn niemand am Steg steht und hilft?) und fahren zwischen den Ankerliegern im Hafen hindurch zu unserem Liegeplatz.

Am Steg stehen schon Helga und Herry von der „My Way“, sowie Linda und Sven von der „Blue Flash“ bereit um unsere Leinen entgegen zu nehmen. Wir legen längsseits an, Claudia übergibt eine Mittelspring an Herry, ich dampfe in die Leine ein und Sabir kommt gemächlich mit dem Heck an den Steg. Wir übergeben eine Vorleine an Sven und eine Achterleine an Herry und sind nach ein paar Minuten fest und sicher am Steg.

Wir sind euphorisch und sprudeln vor Begeisterung, der Tag unter Segeln war zwar aufwendig, weil vieles seit letztem Jahr noch ungewohnt war, aber der Spaß mit Sabir schnell und doch sicher durch die Wellen zu segeln war unbeschreiblich.

Wir trinken zusammen mit den Helfern ein Anleger-Bier und verabreden uns mit Sven und Linda zum Hamburger-Essen im „Helios“ (superleckere und günstige Hamburger mit und ohne Fleisch – @Barbara: Wie in Vaxholm – aber nur 5€).

Beim Abendessen erfahren wir über Telegram, dass – so passend zu unserem perfekten Tag – uns liebe Menschen heute, während wir uns zum Segeln bereitgemacht haben, ihr Töchterchen auf die Welt gebracht haben. Wir freuen uns sehr mit Euch und wünschen Euch Dreien alles Gute zum Geburtstag!

Hafenkonzert

Vor einiger Zeit waren wir bei Helga und Herry mit Bordhund Skip auf der My Way zum Nachmittagskaffee mit sehr leckerem Apfelkuchen eingeladen. Wir haben einen geselligen Nachmittag mit den Beiden verbracht. Herry spielt sehr gut Gitarre. Er hat hier auf Porto Santo eine lokale Sängerin, Maria, kennengelernt und war gerade im Begriff für die Segler hier in der Marina ein Konzert zu planen. Die Planung gestaltet sich wegen Corona ein bisschen schwierig. Obwohl Herry nur mit ca. 20 Besuchern rechnet und das Konzert auf offenen weitläufigen Plätzen stattfinden soll, möchte sich niemand darauf einlassen, dass das Konzert bei sich stattfinden zu lassen.

Herry, für uns ein Inbegriff von Ruhe und Entspanntheit, bekommt es dennoch hin und erzählt uns strahlend vor ein paar Tagen, dass das Konzert am heutigen Mittwochabend stattfinden wird. Der „Clube Naval do Porto Santo“ (der örtliche Segelclub) stellt den großen Vorplatz seiner Clubräume hier am Hafen von Porto Santo zur Verfügung.

Gegen 18 Uhr treffen wir uns alle auf der Terrasse des Segelclubs und suchen uns entweder auf einer Bank oder auf dem Boden ein Plätzchen von dem aus wir uns das Konzert anschauen können.

Herry hat seinen Verstärker für die Gitarre und für das Mikrofon von Maria aufgebaut. Amelie hat für beide ein Schild gemalt, das am Mikrofonständer eindeutig zeigt, wer heute Abend hier auftreten wird.

Kurz nach 18:00 Uhr beginnt das Konzert. Herry spielt bekannte Weisen auf seiner Gitarre und Maria singt dazu mit Ihrer relativ tiefen und sehr melodiösen Stimme. Ich fühle mich ein bisschen an „Nouvelle Vague“ erinnert. Es ist ein sehr fröhliches und lockeres Konzert. Man merkt den beiden an, dass sie viel Spaß an Ihrer Musik haben. Wir Zuschauer, bzw. Zuhörer singen bei viele Lieder den Refrain mit, einige tanzen. Nach ca. einer (viel zu kurzen) Stunde ist das Konzert vorbei – wir hätten den beiden noch Ewigkeiten zuschauen können.

Wir wechseln rüber in die Marina-Bar und beschließen dort den Abend mit netten Gesprächen.

Columbus kommt

Dieses Wochenende steht Vila Baleira Kopf… Christopher Columbus wird erwartet, das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Schon die ganze Woche wurde Vila Baleira rausgeputzt, hier ein Fähnchen, da ein Fähnchen, mittelalterliche Zelte und maritime Installationen.

Das Festwochenende beginnt schon am Mittwochabend und soll bis Sonntag gehen. Wir sind sehr gespannt. Wir waren zwar letztes Jahr auch schon zu der Zeit des Festivals hier auf Porto Santo, haben da aber nicht wirklich viel davon mitbekommen. Das soll dieses Jahr anders werden.

Wir verabreden uns für Donnerstagabend mit unseren Stegnachbarn, einer deutschen Familie, mit zwei Kindern (Linda, Sven, Amelie und Henri von der „Blue Flash“), um Teil des Geschehens zu sein. Am Donnerstag wird die Ankunft von Christoph Columbus auf Porto Santo nachgestellt. Amelie, die in die dritte Klasse geht, klärt uns auf, dass das n i c h t der „echte“ Columbus ist, der da kommt. Mit einem Augenzwinkern beschließen wir, uns das Schauspiel „trotzdem“ anzuschauen.

Natürlich machen wir uns auch über COVID unsere Gedanken. Wir sind hier auf der Insel in der glücklichen Lage, dass es keine aktiven Fälle gibt. Das ist sehr beruhigend für uns veranlasst uns aber dennoch, die in Deutschland gelernten AHA-Regeln einzuhalten. Das Gute hier ist, dass sich sämtliches soziales Leben draußen abspielt.

Peter und ich machen uns auch schon am Mittwochabend auf den Weg ins Städtchen. Der große Platz unten an der Landungsbrücke ist abgesperrt. Hier steht eine Bühne auf der verschiedene Gruppen auftreten sollen und nach Einbruch der Nacht eine Feuershow dargeboten werden soll.

Am Eingang zu dem Platz werden wir freundlich begrüßt, wir tragen einen Mundschutz, unsere Temperatur wird gemessen und wir müssen unsere Hände desinfizieren. Erst danach wird uns Einlass gewährt. Wir werden zusätzlich noch sehr freundlich darum gebeten, soziale Distanz zu den anderen Besuchern zu halten. Wir finden auf dem großen, weitläufigen Gelände genügend Platz in mehr als ausreichender Distanz zu den anderen.

Wir lauschen den Klängen und Gesängen von drei Frauen, die traditionelle Lieder singen. Danach machen wir uns auf den Weg zum Hauptplatz des Städtchens. Hier sind verschiedene Stände aufgebaut und es werden Waren feilgeboten. Straßenmusiker streifen durch die Gässchen und machen Musik. Wir holen uns ein Lambecca und tauchen in die Klänge ein. Wir fühlen uns wie in eine andere Welt versetzt. Die Musiker sind historisch gekleidet und spielen mittelalterliche Weisen.

Am Hauptplatz treffen wir auf Pascal, der mit seinem Boot „Edgar Allan Poe“ am selben Steg wie Sabir liegt. Er sagt uns, dass noch andere Segler aus der Marina in einer Strandbar sitzen und fragt uns, ob wir auch Lust haben zu kommen.

Das machen wir und treffen dort auf eine nette Runde. Wir werden mit großem Hallo aufgenommen, führen nette Gespräche und fühlen uns sehr wohl.

Plötzlich steht in einiger Entfernung eine mir fremde Frau, die gestikulierend auf sich aufmerksam macht. Ich bin etwas irritiert: „Meint sie mich?!??“ Nach einigem Zögern gehe ich hin und frage erstaunt, ob sie mich meint. Sie bestätigt dies. Ich verstehe noch immer nicht. Bin ich es doch eigentlich eher von daheim gewohnt, dass mich mir fremde Menschen ansprechen, da sie mich mit jemanden verwechseln. Aber dass ich hier auf Porto Santo auch eine Doppelgängerin habe?!?? Das Rätsel löst sich:

Als ich vor einigen Tagen, als Peter am Schiff zu tun hatte, in Vila Baleira unterwegs war, um Bilder für einen Blogbeitrag zu machen, fand ich ein lauschiges, schattiges Plätzchen im Innenhof des Columbus-Museum. Ich habe mich dort niedergelassen, um mir Notizen zu machen. Eine Frau mit Mundschutz hat mich angesprochen, was für ein schönes und schattiges Plätzchen ich mir für meine Pause ausgesucht habe. Diese Frau – sie heißt Nellie – hat mich eben ohne Mundschutz angesprochen. Ich bin erstaunt, dass sie mich erkennt. Sie meinte meine kurzen Haare und mein freundliches Lächeln seien ihr schon damals aufgefallen. Wir haben uns sehr nett mit ihr unterhalten. Sie arbeitet im Columbus-Museum und erzählt uns, dass während des Festivals der Eintritt in das Museum frei ist und sie sich freuen würde uns dort begrüßen zu dürfen.

Nach Einbruch der Dunkelheit wird die Feuershow dargeboten.

Anschließend machen wir uns mit Manu auf den Weg zur Marina. Manu kommt aus Neuseeland und lebt schon viele Jahre in Europa. Er hat dort Biologie studiert, sich vor nicht allzu langer Zeit sein Boot auf der Île d’Oléron gekauft und segelt seither einhand umher.

Im Gesprächen mit Manu stellt sich (wie auch schon im Gespräch mit anderen Seglern) heraus, dass er eigentlich Spass an seinem Beruf hätte, aber mit den Rahmenbedingungen nicht mehr zurecht kommt, bzw. sich in ein System gedrängt fühlt, das sich mit dem ursprünglich gelernten moralisch nicht mehr vereinbaren lässt… kommt mir doch irgendwie bekannt vor…

Am Donnerstag laufen mir Anne und Michael – ein dänisches Paar – über den Weg. Wir haben sie schon vor zwei-drei Wochen kennengelernt. Michael hat uns mal mit seinem Dinghy abgeschleppt, als wir paddelnd mit kräftigem Gegenwind auf dem Weg zu Sabir waren. Sie waren zwischenzeitlich auf Madeira. Ich lade sie ein, heute Abend mit uns ins Dorf zu kommen. Sie freuen sich sehr und so machen wir uns heute Abend alle gemeinsam auf den Weg ins Dorf.

Dort angekommen, essen wir einen leckeren Bolo Di Caco. Währenddessen erfahren wir, dass Columbus dieses Jahr nicht mit der Santa Maria von Madeira aus einlaufen wird. Der Strand konnte wohl nicht so abgesperrt werden, dass es möglich gewesen wäre soziale Distanz zu halten. Deshalb findet das Spektakel dieses Jahr auf der Tribüne statt. Da der Stand mit dem Bolo Di Caco direkt hinter der Absperrung liegt, konnten wir das Schauspiel während dem Essen durch die Absperrung verfolgen.

Unsere kleine Gruppe löst sich auf. Die einen machen sich mit den Kindern auf den Weg zum Spielplatz. Die anderen wählen den Weg zur Hauptbühne. Es folgt das gleiche Procedere wie gestern (Mundschutz, Temperaturmessung, Händedesinfektion). Auch heute werden wir nochmal freundlich darauf hingewiesen, dass wir soziale Distanz halten sollen und wir werden heute sogar an unseren Platz begleitet. Wir lauschen der Musik.

Anschließend bummeln wir wieder durch Vila Baleira, überall begleitet von Straßenmusikern.

Peter versucht dann auch noch sein Glück auf dem „Spielplatz“.

Eine traditionell gekleidete junge Dame umgarnt ihn und erklärt ihm die Spielregeln.

Wir versuchen uns an verschiedenen Spielen. Schließlich wirft Peter beim Kegeln alle neune und gewinnt ein (weißes!) T-Shirt mit der Aufschrift 600 Jahre Porto Santo (1418-2018).

Mit Anne und Michael schauen wir die auch heute wieder dargebotene Feuershow an und machen uns dann, in einer windstillen, lauen Sommernacht auf den Weg zur Marina.

Am Freitagabend sind wir beide auch wieder kurz auf dem Festival, machen uns aber bald wieder auf den Heimweg.

Für Samstagabend verabreden wir uns spontan mit Linda, Sven und den Kindern und schlendern gemütlich durch die Gassen Vila Baleiras. Heute steht auch der Besuch des Columbus Museum auf unserem Plan. Nellie freut sich sehr, als sie uns sieht und gibt uns eine Führung durch das Museum.

Christoph Columbus hat 1479 oder 1480 zwei Jahre hier auf Porto Santo gelebt. Er hat die Tochter des ersten Gouverneurs von Porto Santo geheiratet und hatte mit ihr einen gemeinsamen Sohn. Anschließend lebte er zwei Jahre auf Madeira. Während der Zeit studierte er Seekarte, Logbücher und Aufzeichnungen anderer Seefahrer und man nimmt an, dass er hier auch den Entschluss fasste eine Seeroute nach Süd-/Ostasien zu finden.

Auf Porto Santo wird deswegen ihm zu Ehren jährlich das Columbus Festival gefeiert. Auf Madeira steht „nur“ das nachgebaute Schiff, die Santa Maria, mit der Touristenfahrten angeboten werden.

Nachbau der Santa Maria im Hafen von Funchal auf Madeira (aufgenommen im Juli 2019)

Der ganze Sonntag ist relativ kühl und uns lockt nichts nach draußen. Wir kruschteln und wurschteln unter Deck. Zur Kaffeezeit genießen wir unseren Apfel-Mango-Streuselkuchen.

Zum Abendessen machen wir uns Pfannkuchen mit einer Tomate-Mozzarella-Füllung.

Wir haben das Columbus-Festival dieses Jahr so richtig ausgekostet. Uns haben zum Teil die Musiker und Schauspieler leid getan, die – vermutlich durch Corona bedingt – teilweise vor halbleeren Rängen auftreten mussten.

Cholera aus dem Omnia-Ofen

Wir haben uns vor ein paar Wochen einen Omnia-Backofen für unseren Herd gekauft. Unsere Pantry ist zwar mit einem Gas-Backofen ausgestattet – der braucht aber eine große Menge an Gas. Den Omnia kann man auf den Gasherd stellen und darin mit kleiner Flamme Aufläufe, Kuchen oder auch Brot backen (siehe ganz unten für die Verwendung auf dem Elektroherd).

Heute haben wir eine „Cholera“ gebacken. Bei der „Cholera“ handelt es sich um ein Gericht aus dem Schweizer Wallis. Der Name entstand möglicherweise dadurch, dass die Schweizer in Zeiten der Cholera wegen der Ansteckungsgefahr ihr Haus nicht mehr verlassen haben und sich deswegen eine Mahlzeit mit Dingen zubereitet haben, die in jeder Speisekammer zu finden waren: Blätterteig, Kartoffeln, Äpfel, Birnen, Lauch, Zwiebeln, Käse.

Irgendwie passend in der aktuellen Zeit.

Hier die Zutaten für unsere Cholera für 2 Personen:

  • 2 Packungen Blätterteig (der Einfachheit halber)
  • 2 Kartoffeln
  • 1 Apfel
  • 1 Birne
  • 1 Stange Lauch
  • 1 mittelgroße Zwiebel
  • 150g würzigen Käse
  • 1 Ei
  • Salz
  • Pfeffer

Zubereitung:

Die Kartoffeln kochen, abkühlen lassen, schälen und in Scheiben schneiden.

Apfel, Birne, Lauch und Zwiebel in Scheiben schneiden und jeweils gut mit Salz und Pfeffer würzen.

Die Omnia-Backform mit Butter einfetten oder eine Silikonform verwenden.

Den Blätterteig so zuschneiden, dass er den Boden und die Seitenwände bedeckt.

Den Blätterteig mit der Gabel einstechen.

Als unterste Lage die Äpfel in die Form geben.

Danach Kartoffeln,…

…die Birne,…

…den Lauch,…

…die Zwiebel daraufschichten…

…und zum Schluss mit dem Käse bestreuen.

Das Ganze wird mit einer Lage Blätterteig abgedeckt und verschlossen.

Die Blätterteig-Decke mit dem Ei bestreichen.

Den Omnia für ca. 6 Minuten bei großer Flamme und danach ca. 40 Minuten bei kleiner Flamme auf den Herd stellen.

Von der Menge ist die Cholera etwas zu viel für zwei Personen, jedoch zu wenig für drei. Mit einem Salat oder einer Vorspeise bekommt man aber auch drei Personen damit satt.


Das Ganze lässt sich natürlich auch Zuhause im eigenen Backofen nachmachen. Dann jedoch die Zutaten für die Füllung verdoppeln (2 Äpfel, 4 Kartoffeln,…). Im vorgeheizten Backofen bei 200°C Ober-/Unterhitze für ca. 40 Minuten backen. Falls der Deckel zu dunkel wird, mit einer Alufolie abdecken. Die Cholera macht so 4 Personen satt.


PS: Wir haben den Omnia auch schon auf der Ceran-Kochplatte verwendet (für Induktion ist er überhaupt nicht geeignet). Das geht grundsätzlich – wir haben aber den Eindruck, dass der Ofen da nicht so heiß wird, wie bei einer Gasflamme, und so die „Oberhitze“ fehlt. Das Backgut ist unten zu schnell, oben zu langsam fertig. Vielleicht liegt es auch daran, dass die große Hitze in den ersten paar Minuten auf dem Elektroherd nicht erreicht wird.

Wir nutzen den Omnia inzwischen nur noch auf dem Gasherd und sind sehr zufrieden damit.