Von Teneriffa nach La Gomera

Der Nordost-Wind bläst uns tagsüber in der Marina meist mit 15-20kn auf das Heck von Sabir. Da wird es schwierig, bis unmöglich aus der Box raus zu kommen und den Bug gegen den Wind zu drehen. Die Gefahr ist zu groß, dass wir dann quer vor den anderen Schiffen zu liegen kommen. Aber morgens vor 9:00 Uhr schläft der Wind meist noch und das wollen wir heute ausnutzen.

Tatsächlich weht heute Morgen um 8:00 Uhr kaum ein Lüftchen, als wir unsere Leinen lösen. Wir verlassen die Box und verholen uns an die Tankstelle der Marina. Die Nachrichten über die steigenden Kraftstoffpreise lassen uns auch unsere Tanks füllen. An der Tankstelle angekommen sehen wir, dass diese zuerst noch betankt werden muss: Ein Tanklaster füllt gerade die Bodentanks. Als er fertig ist, bekommen wir noch die Nachricht, dass die Pumpe nicht mehr läuft und wir auf einen Techniker warten müssen – kein Problem, wir haben Zeit.

Keine Zeit jedoch hat ein anderes deutsches Schiff, auf dem heute SKS-Prüfungen abgenommen werden. Der Skipper der “Spirit“ fragt uns, wie lange wir am Tanksteg liegen werden, da sie dort gerne zu Prüfungszwecken längsseits anlegen wollen. Wir sprechen uns mit der Marinera ab und lassen uns von der „Prüfungs-Crew“ dabei helfen, längsseits am Katamaran „Colibri“ in der Nähe der Tankstelle festzumachen.

Ganz schön klein unsere Große!

Auf der Ausbildungs-Yacht beginnt die Prüfung, wir beobachten die Prüflinge, wie sie längsseits an den Steg gehen, in die Spring eindampfen, die Vor- und Achterleinen provisorisch festmachen und gleich darauf wieder lösen und wegfahren. Das Ganze begleitet von exakten Kommandos an die Crew-Mitglieder (die auswendig wissen, was sie tun müssen und was gleich als nächstes passiert 😉). Viermal wiederholt sich das Schauspiel, bis uns der Skipper bedeutet, dass sie fertig sind und wir wieder an den Tanksteg können.

Wir verholen uns erneut an den Tanksteg. Inzwischen ist auch die Pumpe wieder funktionstüchtig und wir können tanken. In unseren hinteren Tank – der ja leer gefahren ist – füllen wir etwas mehr als 200l Diesel für 1,18 €/l. Da könnt Ihr in Deutschland nur von träumen…

Inzwischen ist es kurz vor halb elf, als wir die Leinen an der Tankstelle lösen und aus der Marina San Miguel hinaus fahren. Heute ist es nicht weit. Nur knapp 32 Seemeilen planen wir heute zurückzulegen.

Wir setzen unser Großsegel und die Genua im ersten Reff, da wir uns unsicher sind, wie stark der Wind in der Düse vor Teneriffa sein wird. Gegen 12:00 Uhr fahren wir eine Halse und runden Teneriffa am Leuchtturm “Punta Rasca“.

Wir reffen aus und setzen später auch noch das Besansegel. Wir lassen uns von 11-14kn Wind gemächlich mit ca. 4-5kn Fahrt an der betriebsamen Südwestküste von Teneriffa entlang schieben. Es sind viele Touristenboote unterwegs, die Wale und Delfine beobachten wollen. Es herrscht Fährverkehr zwischen Los Christianos auf Teneriffa und San Sebastian de Gomera und es sind heute auch viele Freizeitboote unterwegs.

Wir passieren die Ferienorte Los Christianos, Los Americanos und Costa Adeje. Vor vielen Jahren hatte ich bereits mehrfach Urlaub auf Teneriffa gemacht und dabei in einem Hotel in Costa Adeje gewohnt. Damals habe ich immer sehnsüchtig auf das Meer geschaut und die Segler beobachtet. Mein Traum war damals: “Irgendwann möchte ich einmal hier sein, dann aber vom Meer aus auf die Küste schauen.“ – check 😉!

In dem Hotel mit den roten Ziegeln in der zweiten Reihe habe ich schon Urlaub gemacht.

Gegen 14:00 Uhr setzt eine seeehr laaaange aber hohe Atlantikdünung ein, die immer wieder die anderen Schiffe in Wellentälern verschwinden lässt.

Der Wind lässt in der Abdeckung von Teneriffa und dem hohen Teide nach und wir schalten unseren Motor hinzu, damit wir heute noch ankommen. Ohne Wind setzen wir direkten Kurs auf San Sebastian.

Zwischendurch tauchen immer wieder mal die Flossen von kleinen (Pilot?)Walen auf, die sich aber nicht für uns interessieren und in großem Abstand an uns vorbei ziehen.

Gegen 17:00 Uhr und kurz vor der Küste La Gomeras kommen wir aus der Abdeckung heraus und der Wind frischt auf ca. 18kn auf. Wir rollen unser Vorsegel wieder aus und rauschen mit 6,5kn Fahrt auf die Küste und den Hafen von San Sebastian zu.

Jetzt bekommen wir doch auch noch Besuch von Delfinen. Eine Schule von vielleicht sechs bis acht Tieren schwimmt immer wieder von hinten von der Seite an Sabir entlang, surft ein bisschen in unserer Bugwelle und lässt sich dann wieder in einem großen Bogen zurückfallen. Wir freuen uns immer noch jedes Mal, wenn diese schönen Tiere Kontakt zu uns, bzw. Sabir aufnehmen und uns ein bisschen begleiten.

Leider dauert der Segelspaß nur eine Dreiviertelstunde, bis wir die Segel einholen und in den Hafen einlaufen.

Da wir auf dem Weg zur Marina durch den Hafen der “Großen“ müssen, holen wir uns über Funk bei der Hafenbehörde die Erlaubnis in die Marina einfahren zu dürfen. Falls gerade eine Fähre an- oder ablegen würde, müssten wir so lange draußen warten. Mit der Erlaubnis zur Einfahrt rufen wir auch die Marina von San Sebastian über Funk und kündigen unser Eintreffen an. Im Hafen geht es durch einen betonnten Weg, der Schiffen auf dem Weg zur Marina zugeteilt ist.

An der Einfahrt zur Marina nimmt uns bereits ein Marinero in seinem Schlauchboot in Empfang und geleitet uns zu unserer Box. Wir machen unsere Leinen gegen 18:30 Uhr fest.

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