Endlich segeln…

…dachten wir gestern Abend …nachdem Sabir am Mittag ihr Segelkleid bekommen hat. Ich muss schon sagen, auf diese Garderobe, vor allem den Platz den sie unter Deck dafür hatte, bin ich schon ein bisschen neidisch…

Nachdem es zu regnen (naja eher nieseln) aufgehört hatte, begannen wir mit den Vorbereitungen.

Wir brachten die Reffleine, die am Anfang mit einem Achtknoten gegen das Ausrauschen gesichert ist, an der Rollanlage an.

Dann wurde die Reffleine auf die Rollanlage gewickelt.

Die Rollanlage befindet sich am Ende des Vorstags, welches hoch zum Mast führt.

Anschließend wurde die Reffleine durch eine Umlenkrolle, die sich am Vorschiff befindet, geführt

und durch eine weitere, viel größere Umlenkrolle,

die sich auf Höhe des Cockpits befindet, gezogen und nach innen auf die Winsch im Cockpit, gelegt.

Anschließend haben wir die Vorschoten auf beiden Seiten durch die Holepunkte

und die Umlenkrollen geführt,

die sich ebenfalls auf Höhe des Cockpits befinden.

Dann brachten wir die schwere Genua (20kg?) auf das Vorschiff und packen sie aus.

Am Schothorn der Genua werden die Vorschoten mit einem Palstek angeschlagen.

(Das Bild ist erst einen Tag später entstanden).

An den Kopf der Genua kommt ein Fallstek.

(Zu Demonstrationszwecken nochmal geknotet).

Anschließend teilten wir uns so auf, dass meine Aufgabe darin bestand die Genua am Vorstag „einzufädeln“, während Peter an der Winsch am Mast stand und das Vorsegel hochzog, da dies die Aufgabe war, die sehr viel mehr Kraft benötigte. Beim „Einfädeln“ musste darauf geachtet werden, dass sich nichts verhakt. So ging es Stück für Stück, so wie ich es eingefädelt hatte, durch das Kurbeln an der Winsch nach oben.

Bis auf eine kleine Windböe, die kurz bevor das Segel oben war ins Segel gefahren ist – Wahnsinn was für Kräfte da plötzlich freigesetzt werden – hat alles bilderbuchmäßig geklappt.

Anschließend wurde die Genua noch eingerollt.

Eugénie, unsere Ankernachbarin, hatte sich angeboten bei der Aktion dabei zu sein, falls ein drittes Paar Hände nötig sein sollte. Danke Eugénie! Wir mussten ihre Hilfe aber nicht in Anspruch nehmen.

Sabir ist nun e n d l i c h wieder ein Segelschiff.

Deshalb haben wir am gestrigen Abend überlegt und beschlossen: Morgen werden wir segeln gehen!

Weit gefehlt!

Peter kontrolliert immer mal wieder auf der Batterieanzeige, wie es mit dem Strom ausschaut. Dies war die letzten Tage mit dem kräftigen Wind nie ein Problem. Wir konnten sogar täglich alle unsere elektrischen Geräte laden. Das System kam trotzdem nie an seine Grenzen. Da heute jedoch viel weniger Wind und es zeitweise bewölkt war, war die Anzeige viel niedriger als die letzten Tage.

Deshalb wollte Peter zur Sicherheit den Motor starten, so dass sich die Batterien aufladen können. Dann können wir morgen nämlich den Anker lichten, mit Hilfe des Motors aus dem Hafen rausfahren und draußen dann die Segel setzen.

Obwohl die Anzeige einen Wert von 12,4V zeigte, war es nicht möglich den Motor zu starten… was nun?

Wir richten die Solarpannelen nochmal Richtung Sonne aus und hoffen zusätzlich auf Wind. Die Anzeige klettert auf 12,8V. So sollte es klappen den Motor zu starten. Während Peter dies versucht beobachte ich, dass die Anzeige auf 11,3V abfällt. Der Motor macht nur einen kleinen Muckser, startet aber nicht.

Wir sind enttäuscht und traurig und hoffen, dass es morgen (also am heutigen Tag) wieder mehr Wind und Sonne gibt, so dass sich die Batterien gut laden können und wir dann – hoffentlich – am Freitag segeln können…

Peter erklärt mir, das „Problem“ der Stromversorgung auf Sabir:

Wir haben zwei Batteriebänke auf Sabir. Die Service-Batterien für Kühlschrank, Licht, aber auch die Navigationselektronik und die Motor-Batterie, die ausschließlich zum Starten des Motors genutzt wird. Die beiden sind (in der Regel) getrennt, so dass der Motor immer gestartet werden kann, auch wenn die Service-Batterien schwach sind. Bei uns sind die beiden Bänke aus einem uns nicht bekannten Grund parallel geschaltet, so dass der Kühlschrank auch die Motor-Batterie entleert – und genau das ist versehentlich passiert.

Die Sache mit den parallel geschalteten Batterien war uns bekannt und wir hatten gehofft, die Situation kontrollieren zu können. Peter wollte zu einem späteren Zeitpunkt herausfinden, wieso die Batterien zusammengeschaltet sind und sie dann trennen. Jetzt müssen wir das doch auch früher schon angehen…

Der Kühlschrank war heute den ganzen Tag ausgeschaltet und auch sonst hatten wir alle elektrischen Verbraucher getrennt. Die Sonne und der Wind konnten also den ganzen Tag die Batterien laden.

Abends um 19:00 Uhr haben wir nochmal einen Versuch gewagt und den Motor gestartet. Er hat uns freudig angesprungen und lief dann für zwei Stunden zum Laden der Batterien. Alles wieder gut.

Morgen werden wir also wieder nicht segeln gehen, sondern uns der Sache mit den parallel geschalteten Batteriebänken annehmen.

Am Abend haben wir Maddie und Herby von der „Wisdom“, die neben uns vor Anker liegt, zu uns eingeladen. Wir haben uns mit den beiden jungen Amerikanern lange und gut unterhalten.

2 Antworten auf „Endlich segeln…“

  1. „Am Schothorn der Genua werden die Vorschoten mit einem Palstek angeschlagen.“
    Das war mein Lieblingssatz!

    Und der ist von mir für euch;)
    Von der Symphyse zum Processus xiphoideus sterni entsteht durch Verflechtung der Aponeurosen die Linea alba.

    Wirklich schön von euch zu lesen. Fast als erahne ich einen Hauch Atlantik und könne Portugal schon riechen. Ich bin gespannt, ob ich euch im nächsten Bericht segeln sehe.
    Liebe Grüße
    Sanne

    1. Danke für den lieben Kommentar. Es ist schön mitzubekommen, dass unsere Beiträge gelesen werden. Wir sind auch schon gespannt, ob wir im nächsten Beitrag segeln werden…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.