PS PR 2

Klingt ein bisschen wie ein Blutwert, ist aber die Bezeichung für den Wanderweg, VEREDA DO PICO CASTELO, der mit einer Steigung von 210 m auf der Südseite des Pico do Facho entlanggeht und auf dem Pico de Castelo endet. Zudem gibt es auch noch die Möglichkeit auf der Nordseite entlangzulaufen.

Da wir das für heute geliehene Auto gut nutzen wollen, haben wir uns viel vorgenommen. Zum einen wollen wir den PS PR2 laufen um dann, vor dem Abstieg, am Pico Castelo zu picknicken. Anschließend soll es dann mit dem Auto zum PS PR1 gehen, damit wir dort noch zum Pico Branco undTerra Chã laufen können. Das sind die zwei Wanderwege auf Porto Santo, die angepriesen werden. Zum Abschluss des Tages steht Wellness in Porto das Salemas an. Dann soll es noch kreuz und quer über die Insel zurück zur Marina gehen um an schönen Stellen einen Fotostopp einzulegen. Sollte laut Reiseführer und den dort gemachten Angaben gut machbar sein.

Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir auf der kurvenreichen Straße nach Moledo und parken dort. Hier ist der Anfang unserer ersten Wanderung. Mit dem Auto konnten wir den Einstieg für den Wanderweg von der Marina aus innerhalb kurzer Zeit erreichen.

Nachdem es ein Stück lang den Forstweg zuerst über eine staubige Sandpiste in Serpentinen steil den Berg hinauf geht, gelangen wir an den Beginn der Aufforstung.

Am Ende des Forstweges kann man sich entscheiden, ob man den Weg entlang der Nord- oder der Südseite geht. Laut Reiseführer ist der Weg entlang der Südseite mit 4,6 km die längste Wanderroute die es auf Porto Santo gibt. Wir entscheiden uns den Weg hoch auf der Nordseite, die 3,2 km beträgt, und zurück auf der Südseite zu nehmen.

Auf dem Weg dahin, der zur Flanke des Pico do Facho liegt, sehen wir Überreste von alten Ackerflächen. Die Ackerflächen sind mit doppelten Mauern umgeben die vor langer Zeit durch körperlich schwere Arbeit errichtet wurden.

Auf der gesamten Wanderung sieht man die Wiederaufforstung auf Porto Santo. Die sichtbaren Erosionsvorgänge wurden hier erfolgreich eingedämmt. Die Wiederaufforstung aus dem Jahr 1921 ist dem Madeirischen Forstbeamten António Schiappa zu verdanken. Exotische Pflanzenarten wurden angebaut, die durch ihre robuste Art widerstandsfähiger gegen die widrigen Bedingungen sein sollten.

Der weitere Weg wird gesäumt von Aleppo-Kiefern und Monterey-Zypressen. An Stellen, die windgeschützt liegen, ist der Duft der Kiefern so intensiv als säßen wir in einem Schaumbad. Wenig später ändert sich der Duft des Schaumbades: Peter entdeckt Eukalyptusbäume. Auch diese strömen einen sehr intensiven Duft aus.

Wir brauchen sehr lange für den Weg; immer wieder bleiben wir stehen und bestaunen die Ausblicke auf die Insel: Auf die steile Küste, auf die Berge. Immer wieder sehen wir uns bekannte Stellen der Insel aus neuen und ungewohnten Blickwinkeln.

Ebenso haben wir die Steineiche und den prächtigen Natterkopf (der leider schon verblüht war) auf unserer Wanderung gesehen. Die im Reiseführer angekündigten Gabelbäume und die Besenheide konnten wir nicht sehen. Einheimische Arten, nämlich Drachen- und Olivenbaum sollen laut Reiseführer auch zu finden sein, diese haben wir aber auch nicht entdeckt.

Den Parkplatz, der sich hier befindet, kann man von Vila Baleira aus erreichen um hier den Einstieg zum Pico do Facho oder Pico Castelo zu beginnen.

Bevor es weitergeht, finden wir noch einen Cache und genießen den schönen Ausblick auf den Westen der Insel.

Wir lassen den Aufstieg zum Pico do Fache links liegen und gehen weiter zum Pico Castelo. Der Berg ragt steil vor uns empor. Wir folgen zunächst einer Sandpiste in Serpentinen. Danach geht es auf schmalen Wegen und dann wie auf einer Treppe hoch zum Gipfel.

Am Gipfel angelangt thront das Castelo mit dem Aussichtspunkt Canhão. Dort trifft man auf die Statue von António Schiappa, den großen Förderer der Wiederaufforstung von Porto Santo. Sie steht an einem Platz, von der man den Westen der Insel überblicken kann.

Hier findet sich auch ein schöner Platz mit Steinbänken und einem Steintisch. Über die Steinmauer hinweg hat man einen Blick auf Vila Baleira. Im Hintergrund kann man die Ilhas Desertas und Madeira im Dunst erkennen. Perfekt für unser Picknick.

Auf dem ganzen Weg hierher haben wir niemanden gesehen, auch hier oben scheinen wir alleine zu sein. Plötzlich nehmen wir wahr wie es hinter uns laut raschelt. Wir erwarten ein etwas größeres Tier, entdecken dann aber einen Mülleimer in dem sich Eidechsen sehr wohl fühlen. Auch auf und in der Steinmauer die den Aussichtspunkt umgibt, wuselt es vor Eidechsen. Sie finden auch sehr schnell den Weg zum Steintisch, auf welchem wir unser Picknick ausgebreitet haben. Wir „opfern“ eine Scheibe von unserem Apfel in der Hoffnung ungestört essen zu können. Dieser ist sofort in Sicherheit gebracht und alle anderen warten auf weitere Leckerbissen. Doch es sind zu viele, als dass wir sie von unserem Essen fern halten könnten. Wir geben ihnen noch eine kleine Cocktailtomate. Mit dieser ist ein geringer Teil der Truppe längere Zeit beschäftigt. Mit ihren kleinen Mäulern bekommen sie die Tomate nicht zu fassen, sie rollt immer wieder weg, es schaut eher nach Fußball aus was sie da treiben. Aber sie geben nicht auf.

Dennoch finden sich immer noch welche, die den Weg auf den Tisch finden um an unser Essen zu gelangen. Deshalb läuft einer von uns immer wieder einmal um den Tisch herum, das irritiert sie so sehr, dass der andere fast ungestört essen kann.

Vom Reiseführer erfahren wir, dass der Pico Castelo seinen Namen im 15. Jahrhundert erhalten hat. Hier gab es damals eine militärische Befestigung. Die Bevölkerung der Insel hat hier Zuflucht und Schutz vor den Überfällen französischen Piraten und den Algeriern gesucht. Durch den zentralen Standort konnte man perfekt die Verteidigung der Menschen organisieren. Dies machte den Berg zu einer Festung.

Wir stellen fest, dass hier die Uhren mal wieder anders ticken… heute verging die Zeit sehr schnell. Vermutlich schaffen wir, was wir uns vorgenommen haben, nicht alles an diesem Tag. Macht aber nichts. Wir wollen uns nicht hetzen lassen und den Tag genießen. Deshalb machen wir uns nach dem Picknick gemütlich auf den Rückweg. Wir nehmen den gleichen Weg wie hoch.

Am Auto angekommen stellen wir fest, dass es für die zweite Wanderung tatsächlich schon zu spät sein könnte.

Wir überlegen, was wir machen. Es erscheint uns zeitlich noch möglich die zweite Wanderung zu machen. Die im Reiseführer angegebene Zeit würde noch reichen. Aber wir wollen ja nicht nur auf den Berg hoch und runter laufen sondern auch die Aussichten genießen. Deshalb entscheiden wir direkt zu Porto Da Salemas zu fahren und den Tag mit einem warmen Bad abzuschließen und an einem der nächsten Tage nochmal ein Auto zu mieten.

Porto De Salemas ist dafür bekannt, wenn Ebbe ist, dass hier natürliche „Pools“ entstehen. Das Wasser was zurückbleibt, wird durch die Sonneneinstrahlung schnell warm und man hat quasi einen beheizten Pool. Darauf freuen wir uns. Klingt ein bisschen nach Wellness und unseren Knochen wird es nach der Wanderung sicher auch gut tun.

An Porto De Salemas angekommen, führt ein sehr steiler Weg nach unten. Mit geländegängigen Fahrzeugen darf man hier auch nach unten fahren. Wir gehen zu Fuß.

Unten angekommen stellen wir fest, dass viele andere die gleiche Idee hatten. Die Pools sind schon alle sehr belegt. Deshalb breiten wir unsere Strandtücher aus, genießen den mitgebrachten Kaffee und Bolo Arroz, den für hier typischen Reismuffin. Wir können gut beobachten wie die Ebbe immer näher kommt – eigentlich geht sie ja – und die Pools sich immer mehr mit Menschen füllen. Wir strecken uns auf unseren Tüchern aus und genießen den wärmenden Sand auf unserer Haut und lauschen dem Rauschen der Wellen, die hier mit hoher Kraft und lautem Getöse ankommen.

Aufgewärmt von der Sonne und dem Sand erklimmen wir den Rückweg zum Auto. Wir nehmen die Straße über den Nordosten der Insel zurück zur Marina.

Die Insel erscheint auch hier karg. Die Straßen gehen in Serpentinen rauf und runter. Immer wieder sind alte verfallene Steinhäuser zu sehen, die seit Jahren verlassen scheinen.

Auf Sabir angekommen, machen wir uns noch was zu essen und lassen den Abend- müde von der Sonne und der Bewegung – im Cockpit ausklingen. Nach 3 Wochen auf dem Schiff ohne große Bewegung sind wir wie erschlagen.

Endlich segeln…

…dachten wir gestern Abend …nachdem Sabir am Mittag ihr Segelkleid bekommen hat. Ich muss schon sagen, auf diese Garderobe, vor allem den Platz den sie unter Deck dafür hatte, bin ich schon ein bisschen neidisch…

Nachdem es zu regnen (naja eher nieseln) aufgehört hatte, begannen wir mit den Vorbereitungen.

Wir brachten die Reffleine, die am Anfang mit einem Achtknoten gegen das Ausrauschen gesichert ist, an der Rollanlage an.

Dann wurde die Reffleine auf die Rollanlage gewickelt.

Die Rollanlage befindet sich am Ende des Vorstags, welches hoch zum Mast führt.

Anschließend wurde die Reffleine durch eine Umlenkrolle, die sich am Vorschiff befindet, geführt

und durch eine weitere, viel größere Umlenkrolle,

die sich auf Höhe des Cockpits befindet, gezogen und nach innen auf die Winsch im Cockpit, gelegt.

Anschließend haben wir die Vorschoten auf beiden Seiten durch die Holepunkte

und die Umlenkrollen geführt,

die sich ebenfalls auf Höhe des Cockpits befinden.

Dann brachten wir die schwere Genua (20kg?) auf das Vorschiff und packen sie aus.

Am Schothorn der Genua werden die Vorschoten mit einem Palstek angeschlagen.

(Das Bild ist erst einen Tag später entstanden).

An den Kopf der Genua kommt ein Fallstek.

(Zu Demonstrationszwecken nochmal geknotet).

Anschließend teilten wir uns so auf, dass meine Aufgabe darin bestand die Genua am Vorstag „einzufädeln“, während Peter an der Winsch am Mast stand und das Vorsegel hochzog, da dies die Aufgabe war, die sehr viel mehr Kraft benötigte. Beim „Einfädeln“ musste darauf geachtet werden, dass sich nichts verhakt. So ging es Stück für Stück, so wie ich es eingefädelt hatte, durch das Kurbeln an der Winsch nach oben.

Bis auf eine kleine Windböe, die kurz bevor das Segel oben war ins Segel gefahren ist – Wahnsinn was für Kräfte da plötzlich freigesetzt werden – hat alles bilderbuchmäßig geklappt.

Anschließend wurde die Genua noch eingerollt.

Eugénie, unsere Ankernachbarin, hatte sich angeboten bei der Aktion dabei zu sein, falls ein drittes Paar Hände nötig sein sollte. Danke Eugénie! Wir mussten ihre Hilfe aber nicht in Anspruch nehmen.

Sabir ist nun e n d l i c h wieder ein Segelschiff.

Deshalb haben wir am gestrigen Abend überlegt und beschlossen: Morgen werden wir segeln gehen!

Weit gefehlt!

Peter kontrolliert immer mal wieder auf der Batterieanzeige, wie es mit dem Strom ausschaut. Dies war die letzten Tage mit dem kräftigen Wind nie ein Problem. Wir konnten sogar täglich alle unsere elektrischen Geräte laden. Das System kam trotzdem nie an seine Grenzen. Da heute jedoch viel weniger Wind und es zeitweise bewölkt war, war die Anzeige viel niedriger als die letzten Tage.

Deshalb wollte Peter zur Sicherheit den Motor starten, so dass sich die Batterien aufladen können. Dann können wir morgen nämlich den Anker lichten, mit Hilfe des Motors aus dem Hafen rausfahren und draußen dann die Segel setzen.

Obwohl die Anzeige einen Wert von 12,4V zeigte, war es nicht möglich den Motor zu starten… was nun?

Wir richten die Solarpannelen nochmal Richtung Sonne aus und hoffen zusätzlich auf Wind. Die Anzeige klettert auf 12,8V. So sollte es klappen den Motor zu starten. Während Peter dies versucht beobachte ich, dass die Anzeige auf 11,3V abfällt. Der Motor macht nur einen kleinen Muckser, startet aber nicht.

Wir sind enttäuscht und traurig und hoffen, dass es morgen (also am heutigen Tag) wieder mehr Wind und Sonne gibt, so dass sich die Batterien gut laden können und wir dann – hoffentlich – am Freitag segeln können…

Peter erklärt mir, das „Problem“ der Stromversorgung auf Sabir:

Wir haben zwei Batteriebänke auf Sabir. Die Service-Batterien für Kühlschrank, Licht, aber auch die Navigationselektronik und die Motor-Batterie, die ausschließlich zum Starten des Motors genutzt wird. Die beiden sind (in der Regel) getrennt, so dass der Motor immer gestartet werden kann, auch wenn die Service-Batterien schwach sind. Bei uns sind die beiden Bänke aus einem uns nicht bekannten Grund parallel geschaltet, so dass der Kühlschrank auch die Motor-Batterie entleert – und genau das ist versehentlich passiert.

Die Sache mit den parallel geschalteten Batterien war uns bekannt und wir hatten gehofft, die Situation kontrollieren zu können. Peter wollte zu einem späteren Zeitpunkt herausfinden, wieso die Batterien zusammengeschaltet sind und sie dann trennen. Jetzt müssen wir das doch auch früher schon angehen…

Der Kühlschrank war heute den ganzen Tag ausgeschaltet und auch sonst hatten wir alle elektrischen Verbraucher getrennt. Die Sonne und der Wind konnten also den ganzen Tag die Batterien laden.

Abends um 19:00 Uhr haben wir nochmal einen Versuch gewagt und den Motor gestartet. Er hat uns freudig angesprungen und lief dann für zwei Stunden zum Laden der Batterien. Alles wieder gut.

Morgen werden wir also wieder nicht segeln gehen, sondern uns der Sache mit den parallel geschalteten Batteriebänken annehmen.

Am Abend haben wir Maddie und Herby von der „Wisdom“, die neben uns vor Anker liegt, zu uns eingeladen. Wir haben uns mit den beiden jungen Amerikanern lange und gut unterhalten.

Fonte Da Areia – Sandbrunnen

Wenn der Lobo Marinho – die Fähre von Madeira – in den Hafen einfährt und anlegt muss er sich zuerst drehen und dann rückwärts fahren, dies kündigt er durch drei mal Hupen – „meine Maschine geht rückwärts“ – an. Tatsächlich werden wir heute davon geweckt. (Wann das ist, wird an dieser Stelle nicht verraten). Es ist schon sehr spät, wir haben lange, aber nicht viel geschlafen. Die letzten zwei Nächte wurden wir durch den heftigen Wind, aber vor allem durch die Böen, immer wieder aufgeschreckt und aufgeweckt.

Nach dem Frühstück würden wir uns am liebsten wieder hinlegen und den Schlaf nachholen. Wir raffen uns dennoch auf, paddeln mit dem Dinghy – das es heute Nacht durch den Wind auf den Bauch gedreht hat – an den Steg, schnappen uns die Klappräder und machen uns auf den Weg zum „Fonte Da Areia“.

Es geht an uns inzwischen bekannten Stellen,

durch Ortschaften mit schönen Häuschen und für uns ungewohnten Bäumen im Vorgarten (Granatapfel),

und am Flughafen entlang .

Auf dem Weg zu Fonta Da Areia werden wir immer wieder mit herrlichen Blicken auf die Steilküste und auf den Atlantik überrascht.

Am Fonte Da Areia stehen Warnschilder, die vor Erosionen warnen und davor, dass man sich von den Klippen fern halten soll.

Trotzdem wagen wir es und gehen die letzten paar hundert Meter zu Fuß einen gut ausgebauten Weg, an dessen beiden Seiten riesige Formationen aus Sand in die Höhe ragen. Der Wind und die atlantischen Stürme haben die Sandsteinklippen zu beeindruckenden Gebilden geformt.

Am Ende des Weges hat man einen freien Blick auf den Atlantik mit der Nordküste von Porto Santo und die Ilheu da Fonte da Areia.

In der Nähe des Aussichtspunktes steht ein Trinkbrunnen, der 1843 gebaut wurde. Seinem Trinkwasser – das heute leider nicht mehr sprudelt – wurde eine heilende Wirkung zugeschrieben. Dieser Brunnen ist der Namensgeber für diesen wunderschönen Ort. Der Platz bietet Sitzmöglichkeiten und ist umgeben von einem Palmenhain. Wir machen eine kurze Rast an diesem wunderschönen Plätzchen, das sich auch prima für ein Picknick anbieten würde. Dadurch, dass eigentlich davor gewarnt wird, diesen Ort zu besuchen, kümmert sich auch niemand um die Pflege und den Erhalt dieses Kleinods.

Den Weg zurück nehmen wir an der Rückseite des Flugplatzes. Einen kurzen Weg zurück gibt es nämlich nicht. Die Start- und Landebahn verläuft einmal quer zur Insel. Der Weg ähnelt einer sandigen Schotterpiste. Unserer Klappräder sind ja nicht unbedingt offroad geeignet, deshalb werden wir ganz schön durchgeschüttelt und immer mal wieder vom Winde verweht. Die Start- und Landebahn wäre eigentlich der perfekte Radweg, die paar Flugzeuge die hier starten und landen… aber durch den Zaun bleibt sie für uns unerreichbar.

Die Landschaft um uns ähnelt einer Wüste, dazwischen finden sich Kiefern

und dieses für Porto Santo typische Gewächs:

Wer weiß, was das ist? Wir tippen auf die „Essbare Mittagsblume

Um uns herum wimmelt es von Kaninchen, die vor oder hinter uns den Weg kreuzen. Bis wir sie entdecken sind sie auch meistens schon wieder fast verschwunden, lediglich ihr weißes Schwänzchen verrät sie.

Plötzlich stehen wir vor einem Schild, das vor einer Baustelle warnt. Wie jetzt? Wir schauen uns ungläubig an und haben beide den gleichen Gedanken: Der Weg ist doch schon Baustelle… wird er nun besser oder schlechter? Auflösung: Der Weg bleibt, wie er ist.

Zurück in Vila Baleira fragt Peter im Fahrradladen noch nach der Dichtung/Membran für die Benzinpumpe des Außenborders. Die Jungs versichern – wie schon am Samstag – glaubwürdig, dass sie sich noch heute, bis spätestens 19 Uhr, bei ihm melden würden.

Zum Abschluß des Tages belohnen wir uns noch mit Lambecas

und radeln dann zurück zum Hafen. Dort sehen wir Eugenie, Adi und Eric vor der Marinabar und gesellen uns noch kurz dazu.

Als wir zurückpaddeln steht schon ein sehr voller Mond am Himmel und wir überlegen ob die alte Volksweisheit und Bauernregel Recht hat und sich das Wetter zu Vollmond ändern und der Wind abnehmen wird.

Auf Sabir angekommen, essen wir noch eine Kleinigkeit, lassen den Tag Revue passieren und stellen fest, die Jungs vom Fahrradladen haben sich nicht gemeldet…

Google bescheinigt uns heute eine Strecke von etwas mehr als 16 Kilometer. Müde und erschöpft fallen wir ins Bett.

Der Wind hat uns heute auch an Land kräftig durchgeweht. Wir checken noch die Vorhersage für morgen. Sabir soll nämlich endlich ihr Segel bekommen, und zur Anprobe wollen wir es nicht zu windig haben. Er soll in dieser Nacht zwar insgesamt abnehmen, aber die Böen werden uns auch in dieser Nacht – zwar abgeschwächt – erhalten bleiben.

Wir hoffen heute besser schlafen zu können.

Moinho – Mühle

Vom letzten Jahr wussten wir, dass es eine Windmühle gibt, wo ein Cache versteckt sein soll. Diesen wollten wir nach einem leckeren Abendessen mit Petra und Andi noch suchen, doch war uns damals zu fortgeschrittener Stunde der Weg zu weit.

Als Peter diese Woche noch Arbeiten am Schiff durchführen wollte, habe ich mich zu Fuß auf den Weg zu der Windmühle gemacht. Eigentlich erwartete ich “nur“ die Windmühle, wurde dort aber von einem gigantischen Ausblick und der Bar Moinho Das Lombas überrascht.

Auf dem Weg dahin habe ich ein Hinweisschild zum Quinta das Palmeiras entdeckt – einem Botanischen Garten mit Minizoo.

Da ich zu Fuß unterwegs war und ich nicht einschätzen konnte, wie weit es noch zum Quinta das Palmeiras sein wird und es außerdem auch sehr warm war, bin ich umgekehrt und habe Peter von meinen Entdeckungen erzählt.

Am nächsten Tag haben wir uns dann unsere Klapprädern geschnappt und sind zusammen zur Bar Moinho Das Lombas geradelt.

Wir kämpften mit und gegen den Wind, der hier die nächsten Tage noch zunehmen soll.

Oben angekommen haben wir uns mit einem Galao und Bolo de Arroz (portugiesischer Reismuffin) belohnt und auf den Geburtstag einer Freundin angestoßen.

Den Cache haben wir natürlich auch noch gesucht und gefunden.

Weiter ging es dann zum Quinta das Palmeiras. Die Straße führt immer stetig bergauf, was mit unseren kleinen Klapprädern und dem Gegenwind eine sportliche Herausforderung war. In der Ferne konnten wir irgendwann den Botanischen Garten erkennen.

Da für abends im kleinen Rahmen ein Potluck geplant war und wir noch Sachen vorbereiten wollten, beschlossen wir, für heute den Rückweg anzutreten. Die Zeit hätte uns nur gereicht dort anzukommen, aber nicht mehr den Botanischen Garten anzuschauen. Dies steht nun auf unserer To-do-Liste für die nächsten Tage.

Ich freue mich auf den Rückweg, der ja nun stetig bergab und mit Rückenwind leichter zu bewältigen sein sollte. Aber… kurioserweise mussten wir auch jetzt wieder gegen den Wind kräftig in die Pedale treten.

Auf dem Weg zum Hafen noch ein kurzer Zwischenstopp im pingo doce zum Einkaufen und mit vollbepackten Rucksäcken die letzte Strecke zurück.

Am Dinghy angekommen paddelten wir – wie sollte es anders sein – gegen den Wind zu Sabir. Es wurde ein Schichtsalat und Knoblauchbrot vorbereitet. Adi hat sich um den Thunfisch und die Hühnchen, die auf den Grill sollten, gekümmert.

Bepackt mit unserem Essen und dem Grill ging es paddelnderweise zum Dinghysteg – ja, genau, ihr ahnt es bereits, gegen den Wind.

Adi steht mit seiner Annie auf dem Trockenen, auf dem Platz wo auch Sabir stand. Dort treffen wir uns mit ihm und Eugénie von der Giulia. Eric, der mit seiner Ricke ebenso auf dem Trockenen steht, gesellt sich auch noch kurz dazu. Eric – aber halt, das ist eine andere Geschichte, und die soll ein anderes Mal erzählt werden.

Wir verbringen einen schönen und geselligen Abend.

Anschließend hat uns Eugénie, unsere belgische Ankernachbarin, mit ihrem Dinghy (i h r Außenborder funktioniert) durch die – kurzzeitige windstille – Nacht zu Sabir geschleppt.

Müde, zufrieden und mit vollem Magen fallen wir ins Bett.

Sabir hängt in den Seilen und Peter liegt am Boden…

…für die letzten Arbeiten am Kiel.

Heute mussten wir – das erste Mal, seit fünf Wochen – mit Wecker und früh aufstehen, denn die Jungs mit dem Travellift (dem Kran) waren für neun Uhr angekündigt. Sabir soll nämlich in die Gurte gehängt werden, so dass Peter die letzten Arbeiten am Kiel ausführen kann und wir anschließend ins Wasser können.

Gestern Abend sind wir noch alle Schritte durchgegangen:

– Der Kran fährt über Sabir bis kurz vor den Windgenerator

– Während Peter den Windgenerator hält (der ist ganz schön schwer), löse ich die restlichen Schrauben.

– Der Windgenerator wird von uns beiden auf der Backbordseite abgelegt und der Travellift kann weiter über Sabir fahren.

– Der Windgenerator wird wieder hochgeklappt. Peter hält ihn und ich schraube ihn provisorisch fest, damit er sicher steht.

– Sobald wir in den Gurten hängen, können die restlichen Arbeiten erledigt werden.

Außerdem haben wir gestern noch eine Liste mit den Dingen gemacht, die heute noch erledigt werden müssen.

Okay. Soweit verstanden. Trotzdem bin ich ganz schön aufgeregt. Peter hat das ja alles letztes Jahr schon erlebt und erscheint mir nicht mehr so angespannt.

Nach einem schnellen Frühstück haben wir das benötigte Werkzeug bereitgelegt. Peter hatte den Windgenerator gestern schon zum Teil vorbereitet.

Der Kran fuhr also heute über Sabir, ich habe die Schrauben gelöst (was war ich aufgeregt, dass mir die Unterlegscheibe, das Werkzeug oder eine der Muttern nach unten fällt). Es hat ja auch meistens nicht viel Platz und leicht zugänglich war es auch nicht.

Oft ist es ja so, dass man sich einen Plan zurechtlegt und alle Schritte bespricht (so wie wir das getan haben)… dann kommt es aber anders.

Aus irgendeinem Grund war Sabir heute höher als letztes Jahr (ist sie gewachsen?) und der Travellift kam nicht über den Mast, an dem eines der Solarpanele angebracht werden kann. Ich habe versucht den Mast zu lösen und aus der Halterung zu ziehen, das ging nicht. Also musste ein Schraubenzieher her um die Halterung komplett abzubauen. Die erste Schraube ging noch prima auf, die anderen waren so fest zu, dass mir die Kraft fehlte, diese zu lösen. Peter konnte nicht helfen, da er den Windgenerator festhalten musste. Im genau richtigen Moment kam Adi. Er kam an Bord und hat versucht die restlichen Schlauchschellen der Halterung zu lösen was ihm mit Mühe dann auch gelang (DANKE dafür!). So konnte ich dann die Halterung aus den lockeren Schellen lösen und der Travellift weiter über Sabir fahren.

Nachdem der Lift über den Windgenerator hinweg war, wurde dieser von uns aufgestellt. Peter hielt ihn fest und ich habe ihn wieder angeschraubt. Gleichzeitig haben die Jungs die Gurte um Sabirs Bauch gelegt und angezogen. Die Stützen, auf denen sie stand, wurden entfernt. Das hat ganz schön geruckelt und gewackelt.

Sabir hing dann sicher im Kran, so dass es auch wieder möglich war von und an Bord zu gehen.

Peter hat sich anschließend mit Adi um den Kiel gekümmert. Ich habe unsere gestern erstellte Liste „abgearbeitet“ (Leinen auf der Backbordseite bereitlegen, Fender aufhängen, Dinghy nochmal aufpumpen – das hatte ich gestern schon mal gemacht, es hat über Nacht auf der Steuerbordseite viel Luft verloren, Wassertank füllen…)

Gegen 14:00 Uhr waren wir mit allem fertig und haben uns noch kurz gemütlich ins Cockpit gesetzt. Wir besprechen den weitern Ablauf:

João wird Sabir wieder ein wenig ablassen und mit ihr in Richtung des Beckens zum Ein-/Auswassern fahren. Seine Kollegen dirigieren ihn mit Handzeichen, da er selbst nicht den Rundumblick hat (Sabir ist ja bereits ohne Travellift 4m breit und über 11m lang). Er wird dann über das Becken fahren, so dass Sabir über dem Wasser schwebt. Sobald er sie ablässt und sie etwa auf gleicher Höhe mit dem Becken ist, dürfen wir an Bord. Peter wird unter Deck gehen und die Seeventile checken, den Motor starten, am Ruder stehen und sich um die Achterleine kümmern. Ich werde nach vorne gehen und mich um die Vorleine und die Fender backbord kümmern. Die Leinen werden den Jungs an Land gegeben und João wird Sabir langsam ganz ins Wasser lassen. Sobald die Gurte in denen Sabir hängt ganz auf dem Grund liegen, werden die Leinen an Bord gegeben und Peter kann aus dem Becken fahren. Ich soll die Betonwand und die Fender gut im Blick haben. Okay. Soweit verstanden.

Es schaut irgendwie unwirklich aus, wenn ein 15 Tonnen schweres Schiff (Peter hat João, den Kranfahrer, nach dem Gewicht gefragt, als sie im Lift hing) im Kran hängt und über den Trockenplatz gefahren wird. Kommt eine Unebenheit, kommt das Gewicht ins schwanken als würde es nichts wiegen. Schaut ein bisschen komisch aus wenn sie so ins Schaukeln kommt. Da bekommt der Begriff Schiffschaukel eine ganz andere Bedeutung.

Peter ist souverän und macht Bilder von dem ganzen Geschehen als sei es das normalste von der Welt, dass sein Schiff durch die Gegend schwebt.

Ich hingegen bin gespannt und rede vor mich hin: „Der Gurt ist doch viel zu weit vorne, wenn João jetzt gleich über das Bodenloch fährt, verrutscht bestimmt der Gurt und Sabir fällt nach vorne raus.“ Oder: „Ohjeh, der Durchgang ist doch viel zu eng, wenn João da jetzt irgendwo hängen bleibt…“ Oder: „Halten die Gurte wirklich das Gewicht aus, was ist, wenn da jetzt einer reißt?“ Oder „Sollte er Sabir nicht weiter anheben, so dass er nicht mit dem Kiel irgendwo hängen bleibt?“

Peter schaut mich lächelnd und wissend an… ob es ihm letztes Jahr genauso ging?!??

Als ich diese Zeilen schreibe muss auch ich in mich reinlächeln… die Jungs haben das schon sehr oft gemacht und sie wissen ganz genau was sie tun.

Am Becken angekommen läuft alles so, wie oben beschrieben. Da unsere alte Dame fast ein bisschen zu groß für den Kran ist, ist es Maßarbeit was die Jungs geleistet haben. Bei der Kontrolle der Seeventile schließt Peter vorsichtshalber drei, da sie leicht tröpfeln. An zweien ist vermutlich der Schlauch nicht ganz dicht und an einem das Gewinde.

Wir fahren sicher aus dem Becken und werfen im Hafen den Anker. Sabir ist endlich wieder ein Schiff!

Peter kontrolliert nochmal alle Seeventile. Bis auf die oben beschriebenen drei sind alle in Ordnung. Das Seeventil der Seewasserpumpe wird noch ein wenig fester gedreht und schon ist es dicht. Bei den anderen beiden müssen wir morgen mal nach den Schläuchen und den Schlauchschellen schauen.

Wir huldigen Rasmus und opfern ihm einen Schluck Hochprozentiges.

Peter hält eine sehr berührende und persönliche Ansprache. Wir haben mit und auf Rasmus angestoßen und hoffen, dass er Sabir und uns immer gut beschützen wird. Bei Poseidon entschuldigen wir uns, dass wir in sein Reich eindringen und bitten um sichere Durchfahrt.

Es gibt ja so allerlei Aberglauben auf der Welt und dieser ist auch unter Seefahrern weit verbreitet. Zum Beispiel soll Pfeifen an Bord einen Sturm heraufbeschwören und die Farbe grün soll anscheinend Neptun verärgern. Frauen an Bord sollen sowieso Unglück bringen.

Wir sehen unser Opfer jedoch nicht als Aberglauben, sondern eher als schöne Tradition und Seemannskultur.

Jetzt ist erst mal Ausruhen angesagt. Ich möchte gerne einen Kaffee trinken und dazu ein Stück Schokolade essen. Jetzt wird Peters Anspannung spürbar: Er hat noch keine Ruhe und kann sich noch nicht hinsetzen. Hier und da wird noch geräumt und getan…

Endlich kehrt Ruhe ein. Wir machen es uns im Cockpit gemütlich und genießen es endlich im Wasser zu sein.

Es fühlt sich im Vergleich zum Trockenen wieder ganz anders an hier im Wasser. Sabir bewegt sich wieder – mal mehr mal weniger – und es gibt andere Geräusche als an Land: Sabir „plappert“ vor sich hin (sie hat uns sehr viel zu erzählen), wir hören den Windgenerator – der uns zuverlässig mit Strom versorgt… Geht man unter Deck und schaut zu den Fenstern im Salon hinaus sieht man plötzlich wieder Wasser – Peter bezeichnet es als unseren „hauseigenen Swimmingpool“. Zudem erscheint es besser zum Umfüllen von Flüssigkeiten wieder einen Trichter zu verwenden… und man kann die Sonnenstrahlen auf dem Wasser tanzen sehen…

Alles in allem ist es sehr viel schöner im und auf dem Wasser.

Schlumpfschrauch

Peter erzählt mir heute beim nachmittäglichen Kaffee, dass er in der Navi-Ecke den NMEA-Multiplexer an das AIS angeschlossen hat und die Kabel mit beschriftbarem Schrumpfschlauch versehen hat.

Ich verstehe nur Schlumpfschrauch…

Danach zeigt er mir, dass er mit seinem Labelprinter tatsächlich einen Schrumpfschlauch beschriften kann. Der Schrumpfschlauch wird über das Kabelende geschoben und mit dem Heißluftgebläse erwärmt. Das schlaucht den Schtroumpf derart, dass er zusammenschlumpft.

Noch Fragen?

(Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie lange ich für diese paar Zeilen gebraucht habe, die Rechtschreibkorrektur des iPad verschlumpft mir immer die Buchstaben).

Richtung Nord-Ost

Da noch Material fehlt, um Sabirs Rumpf vollends schön zu machen und wir beim Frühstück bemerken, dass heute wieder eine gute Fernsicht besteht, entscheiden wir kurzentschlossen, heute die benachbarte Bucht im Nordosten der Insel zu erkunden. Wir nehmen den langen Weg über den Berg.

Das erste Stück des Weges bis hoch zum Aussichtspunkt Miradouro da Portela kennen wir schon vom letzten Jahr. Peter zeigt mir bei der Gelegenheit noch den Einstieg zum Tunnel, durch den er letztes Jahr gelaufen ist. Als wir den steilen Weg zum Kirchlein erklimmen, begrüßen uns die Kirchenglocken. Oben angekommen müssen wir leider feststellen, dass uns auch heute die Türe verschlossen bleibt.

Wir gehen nach einer kurzen Rast im Schatten der Bäume weiter zum Aussichtspunkt. Dort werden wir heute mit einer fantastischen Weitsicht belohnt. Obwohl wir den Ausblick vom letzten Jahr schon kennen, sind wir wieder fasziniert. Heute werden wir – Dank der Weitsicht – noch zusätzlich damit belohnt, dass wir bei Calheta Madeira hell und klar liegen sehen. Südwestlich können wir die Ilhas Desertas erkennen, vor denen wir letztes Jahr vor Anker lagen.

Auch heute machen wir ein ausführliches Fotoshooting. Wir schauen runter auf den Hafen und können Sabir auf dem Trockenen stehen sehen.

Anschließend geht’s weiter zu unserem eigentlichen Ziel: Ponta Do Passo.

Unser Weg führt durch eine hügelige, von der Sonne verdorrte Landschaft, wo sich aber die heimische Flora hartnäckig ihren Platz erhält.

Das kleine Örtchen Serra De Fora hat seinen eigenen Reiz. Die Einwohner grüßen uns freundlich und wir bestaunen die schönen Häuser…

…mit ihren Steinmauern, bunten Kaminen und einem Feigenbaum im Vorgarten.

An einem Balkon hängt ein Leintuch mit gemaltem Regenbogen und den Worten VAI FICAR TUDO BEM!

Da hatten wir Corona mal ganz aus unserem Kopf und werden doch auch hier daran erinnert.

Erstaunt sehen wir ein altes Motorrad am Wegrand stehen und stellen dann fest, dass sich auf dem angrenzenden Grundstück offenbar ein Schrottplatz befindet…oder lagert das hier womöglich einfach so?!??

An einem Hügel erkennen wir das Anwesen „Casa Branca“… wer hier wohl wohnt?!?? Wir haben im Internet recherchiert, aber leider nichts gefunden.

Am Praia do Porto Dos Frades angekommen, haben wir den Blick auf die Ilhéu De Cima. Wir denken beide in dem Moment an Martin und den schönen Segeltag mit ihm, als wir letztes Jahr mit ihm um diese Insel gesegelt sind.

Die Ilhéu de Cima ist eine kleine, unbewohnte Insel und liegt etwa ein Kilometer östlich von Porto Santo. Sie ist etwa 1,2km lang, bis zu 500m breit und etwa 111 m hoch. Wie auch die Ilhéu da Cal gehört die Ilhéu de Cima zum Natura-2000 Schutzgebiet. Im Osten der Insel steht der 1900 erbaute und 15 m hohe Leuchtturm Farol do Ilhéu de Cima.

Wir trennen uns von dem Anblick und den Erinnerungen an Martin und gehen weiter entlang der Steilküste auf einem gut begehbaren Weg. Wir kommen an schönen Buchten vorbei, zu denen Wege die steile Küste nach unten führen. Wir entscheiden uns jedoch, erst bis zum Ende zu laufen und dann Rast an einer der Buchten zu machen.

Unser Weg führt durch eine bizarre Landschaft. Alles um uns herum besteht aus Sand. Die hügeligen Formationen, an denen wir entlanglaufen, haben eine weißlich gelbe Farbe. Auf einem Schild lesen wir, dass sie im wesentlichen “aus Schalenfragmenten mariner Mikroorganismen, Mollusken und Kalkalgen bestehen. Die Meersande wurden von starken Winden in Form von riesigen Dünen abgelagert.“ Auch dieser Küstensektor hat Schutzstatus im Rahmen des Natura-2000 Schutzgebiet.

Am Ende kommen wir an den Tunnel, den wir bei unserer Erkundungstour – Work-Life-Balance – schon fast erreicht hätten. Dieses mal von der anderen Seite.

Wir gehen durch den Tunnel und erreichen unser Ziel „Ponta Do Passo“.

Überrascht stellen wir fest, dass wir fast an dem Punkt sind, an dem wir das letzte Mal umgekehrt sind. Wären wir damals nur noch ein paar Meter weiter gelaufen, hätten wir den Tunnel gesehen. Die ausgesetzten Kletterstellen (am linken Rand des Kiesstrands) hätten sich nicht auf dem Weg befunden.

Auf dem Rückweg suchen wir uns eine Bucht aus, an der wir uns im Wasser abkühlen und dann von der Sonne trocknen lassen. Da auflaufendes Wasser ist, haben wir die Wellen gut im Blick – nicht, dass wir auf unseren Handtüchern unabsichtlich nass werden…

Die Bucht liegt geschützt, dadurch wird es uns bald viel zu warm. Da wir den ganzen Tag noch nichts gegessen haben, machen wir uns auf den Weg um im „Restaurante Porto De Frades“ einzukehren. Leider macht die Küche erst in knapp zwei Stunden auf. Wir entscheiden uns nur etwas zu trinken und besprechen dabei, wie unser Rückweg aussehen soll. Da wir beide von Wind und Sonne erschlagen sind und zudem auch der Hunger nagt, lassen wir uns ein Taxi rufen.

Der Taxifahrer bringt uns ins Zentrum von Vila Baleira. Dort genießen wir nach dem schönen Tag einen Bolo Do Caco. Das letzte Stück des Rückwegs gehen wir am Strand entlang.

An Sabir angekommen, befestigt Peter den Gartenschlauch mit der Gartenbrause an dem Gestell, auf dem Sabir steht, und wir erfreuen uns an einer entspannenden Dusche. Den Abend lassen wir im Cockpit ausklingen.

Wenn man auf dem Trockenen sitzt…

…sind meistens Wartungs- und Reparaturarbeiten notwendig, die im Wasser nicht durchführbar wären.

Das veränderte Leben auf einem Schiff, das auf dem Trockenen steht, fängt schon damit an, dass es nicht mehr so einfach ist an Bord zu kommen.

An Sabirs Heck steht eine Leiter mit zehn Stufen. Über diese Leiter und die Stufen der Badeleiter, wird alles nach oben oder unten transportiert. Das war zu Anfang eine ziemliche Herausforderung für mich. Inzwischen schaffe ich es auch, nicht nur mich von hier nach da zu bringen, sondern kann auf dem Weg noch Dinge mitnehmen. Für Peter ist die Leiter überhaupt kein Problem.

Unsere schwere Taschen von der Anreise hatten wir über die Winsch am Großmast mit dem Spifall nach oben gezogen.

Nach unserem Großeinkauf haben wir die Sachen von den Kisten in Taschen umgeladen um sie dann so nach oben zu bringen.

Die Hauptlast von Sabir steht auf ihrem Kiel. Sie wird zudem von drei Gestellen aufrecht gehalten, die mit Leinen ineinander verspannt sind. Am Bug und Heck sind noch zwei Abstützungen.

Zusätzlich geht am Heck und Bug jeweils von Steuer- und Backbord eine Leine zum Boden, diese sind dort fest verankert.

Dadurch sind wir momentan etwa 3 Meter hoch. Da hat das oberste Gebot, „niemand geht über Bord“ nochmal eine ganz andere Bedeutung.

Das ist unsere Aussicht vom Cockpit:

Wenn wir vor Anker im Wasser sind, richtet sich das Schiff immer nach dem Wind aus. Wir hören dann wie das Wasser, das durch den Wind bewegt wird, an Sabirs Rumpf spielt. Das ist ein ziemlich beruhigendes Geräusch und kann sehr entspannend sein.

Die Böen, denen wir hier auf dem Trockenen durch die nahen Berge ausgesetzt sind, die mit teils um die 25 Knoten über uns herfallen, lassen Sabirs ganzen Rumpf vibrieren. So wie die Vibrationen vom Mast über die Wanten auf Sabirs Rumpf übertragen werden, werden die Vibrationen dann auf uns übertragen. Manchmal fühlt es sich an, als würden wir auf einem riesigen Massagesessel sitzen. Dieses Gefühl war am Anfang nicht sehr entspannend.

Manchmal wackelt und vibriert es so heftig, dass man meinen könnte, jetzt fällt Sabir dann gleich um. Aber mit ihren 11-12 Tonnen ist sie auf ihren relativ dünnen „Beinchen“ sehr standhaft und schützt uns auch hier auf dem Trockenen vor Wind und Wetter.

Heute geht es um die Winsch

Beim Segeln braucht man Winschen für die Bedienung verschiedener Leinen.

Sabir hat insgesamt sieben dieser Winschen. Vier davon im Cockpit – hiervon sind zwei elektrisch – zwei am Großmast und eine am Besanmast.

Die Leine wird auf die entsprechende Winsch mit einigen Windungen um die Trommel gelegt.

Zusätzlich kann man noch die Handkurbel (Winschkurbel) für höhere Lasten aufsetzen. Nun ist es möglich die Leine mit geringerem körperlichen Aufwand dicht zu holen.

Beim Fieren der Leinen, bleiben ebenso einige Windungen auf der Trommel, somit ist es möglich, die Leine kontrollierter loszulassen.

Sabir war diese Woche eine Nähstube.

Die Nähte der Abdeckungen für die Winschen waren von der Sonne spröde. Deshalb habe ich die alten Nähte aufgetrennt und sie durch neue ersetzt.

Innen wurde noch ein neue elastische Leine angenäht, da die alte schon ausgeleiert war. Die Gummileine wird über die Winsch gelegt und verhindert somit, dass das Hütchen wegfliegen kann. Das blaue Hütchen kommt über die Winsch und schon ist diese geschützt, wenn man im Hafen liegt oder auf dem Trockenen steht… und es sieht außerdem noch hübsch aus.

Sommer, Sonne, Strand

Bereits letztes Jahr haben wir in verschiedenen Blogbeiträgen und bei „Sehenswürdigkeiten Porto Santo“ immer wieder von Calheta, dem südwestlichen Ende von Porto Santo und seinem beeindruckenden Sandstrand gelesen.

Meinem Bewegungsdrang folgend, bin ich vor zwei Tagen schon mal in diese Richtung gelaufen und habe Peter anschließend begeistert von dem Strand erzählt.

Wenn wir im Cockpit sitzen, habe ich den Blick auf das Ende von Porto Santo. Selbst der Strand ist auf diese Entfernung noch gut zu erkennen. Das lässt die Ausmaße dieses Abschnittes erahnen.

Beim Frühstück gestern haben wir uns entschieden, heute die Arbeit Arbeit sein zu lassen, unsere Rucksäcke mit Badesachen und ausreichend Wasser zu befüllen und uns Richtung Calheta auf den Weg zu machen. Dieser Spaziergang steht schon länger auf unserer ToDo-Liste. Nachdem ab 01.08. die Maskenpflicht wohl auch am Strand gelten soll, haben wir uns entschieden, diesen Haken auf der ToDo-Liste noch heute zu setzen.

Den Weg dahin wählen wir entlang der Strandpromenade und über Straßen abseits der viel befahrenen Hauptstraße. Streckenweise geht parallel ein ca.1,50 m breiter Fahrradweg. Dies nehmen wir positiv zur Kenntnis, da wir demnächst auch mal noch auf den Pico de Ana Ferreira hoch wollen und uns überlegt haben, Teile der Strecke mit dem Rad bewältigen zu können.

Wir haben westlich immer den Pico de Ana Ferreira (283m) im Blick. Peter fragt mich, ob ich die Echse, die sich über dessen Rücken gelegt hat, erkennen kann. Hä? Eigentlich habe doch ich auf die Entfernung die besseren Augen von uns beiden. Aber eine Echse auf die Entfernung? Ist es möglicherweise doch zu warm? Hat er zu wenig getrunken?

Aber nach der Erklärung von Peter: „Entlang des Bergrückens sieht man nackten Fels. Links, hin zum Gipfel, ist diese Felsschicht dicker – das ist der Körper. Rechts wird der Streifen dünner, das ist der lange Schwanz…“ kann auch ich die Echse erkennen. Das ist ein bisschen so wie mit Wolkenbildern.

Kurz darauf fragt er mich augenzwinkernd, ob ich das Pferd am Berg auch sehe. Wie jetzt, Pferd? Aber tatsächlich, es hat sich in der Landschaft gut getarnt. Seht selbst:

Wir kommen unterwegs an dem Hotel vorbei, in dem Peter letztes Jahr, als er mit dem Gutachter hier war, übernachtet hat. Am „Pestana Ilha Dourada“ sind alle Jalousien geschlossen. Die Hotelanlage schaut, in der um diese Jahreszeit sehr trockenen Gegend, trostlos und geisterhaft aus. Beim Weiterlaufen entdecken wir, dass der Pool zwar mit Wasser gefüllt ist, alle Sonnenliegen aber gestapelt in Reih und Glied auf die Touristen warten. Es ist ein seltsamer Anblick. Eigentlich müsste jetzt Hochbetrieb herrschen, aber Corona lässt diese Hotelanlage komplett leer stehen.

Nach etwa 2 Stunden und knapp 9 km sind wir am Ponta da Calheta. Der Parkplatz ist voll, aber in dem Restaurant sind noch einige Plätze auf der Terasse frei. Wir entscheiden uns dort einen Galão zu trinken. Es ist unser erster seit wir hier sind. Letztes Jahr war es ein uns liebgewordenes Ritual, am Nachmittag in die Marinabar zu gehen und einen Galão zu trinken. Dieses Jahr konnten wir uns noch nicht so richtig durchringen, dies zu tun. Die Terasse war meist dicht besetzt und wir wollten uns ob der sozialen Distanz nicht dazu setzen. Es ist auch niemand uns bekanntes da. Letztes Jahr war immer jemand dort, mit dem man einen kleinen Plausch halten konnte. Wenn man aber mit seinem Schiff auf dem Trockenen sitzt, ist man weitab vom sozialen Leben am Steg und lernt niemand kennen… doch ich schweife ab… wir genossen also unseren Galão… und der war wirklich richtig lecker!

Anschließend machen wir uns auf den Weg zum Strand, breiten unsere Handtücher mit Blick auf die Ilhéu da Cal aus und kühlen uns im Atlantik ab. Wir können Madeira sehen, es liegt zwar etwa 22 sm entfernt, aber die Umrisse sind doch sehr klar zu erkennen.

Nach einer kurzen Siesta im warmen Sand – die Sonne brennt jetzt doch ziemlich – machen wir uns am Strand zurück auf den Weg zu „Sabir“. Nach ein paar Metern scheint der Strand uns alleine zu gehören. Es ist atemberaubend schön. Ich sage im Spaß zu Peter: „Fehlt nur noch die gebogene Palme…“ Aber auch ohne Palme haben wir das Gefühl uns in einem Postkartenmotiv zu bewegen.

Der Rückweg war vom Gefühl her schneller bewältigt als gedacht. Man läuft, beobachtet die Wellen die mit tosender Lautstärke ankommen und brechen, spürt den sanften Wind um die Nase und durch die Haare streichen und irgendwann ist man ohne Gedanken am Ziel angekommen.

Nachdem wir im „Pé na Água“ eingekehrt sind und wir uns ein leckeres Essen zum Abschluß des Tages gegönnt haben, machen wir uns auf den Weg um die letzten knapp zwei Kilometer zurück zu laufen.

Die letzten paar hundert Meter bekomme ich von Peter Physik anschaulich erklärt. Es geht um die Beugung kohärenter Wellen am Einzelspalt. Gespannt höre ich zu, Peter benutzt den Strand als Tafel und ich denke mir, wenn ich Physik zu Schulzeiten so erklärt bekommen hätte… Fragt uns nicht, wie wir da drauf gekommen sind.

Als ich heute im Cockpit sitze und den Beitrag schreibe, schweift mein Blick, wie schon so oft, rüber zur Ponta da Calheta. Irgendwie schaut das heute mal ganz anders aus. Beim genaueren Hinschauen fällt auf, dass Madeira heute zum Greifen nahe ist. Wahnsinn, so eine gute Fernsicht hatten wir hier noch nie.