33° 4′ N, 16° 21′ W

ist die geographische Lage von Porto Santo – Der Heilige Hafen.

Nachdem wir so lange Zeit auf Porto Santo verbracht und uns dort sehr wohl gefühlt haben, für Peter so langsam auch der Abschied von dort naht und ich ein bisschen Heimweh habe, ist es mal an der Zeit der Insel einen eigenen Blogbeitrag zu widmen. 

Porto Santo liegt etwa 42 km nordöstlich von Madeira und gehört zum Archipel Madeira. Porto Santo ist, trotz der kurzen Entfernung zwischen den beiden Inseln in vielen Aspekten ganz anders als Madeira. Der Boden ist viel sandiger, der Niederschlag liegt unter dem ermittelten Durchschnitt von Madeira, das Relief ist flacher und ihre Landschaft wird durch die vielen Palmen gekennzeichnet. 

Ich habe folgende Beschreibungen im Netz gefunden: 

– Langer Strand mit einer Insel. 

– Kleine sandige Schwester von Madeira. Als ich Peter diesen Satz vorlese hat er Tränen vor Lachen in den Augen und meint: Sabir sah nach dem langen Aufenthalt auf dem Trockenen aus wie die kleine sandige Schwester von Porto Santo. 

– Wenn das Leben auf Madeira schon langsam läuft, auf Porto Santo ist es ein ausgedehntes Frühstück. Das können wir so bestätigen!!!

– Einer Sage nach sollen Madeira und Porto Santo die letzten aufragenden Spitzen des versunkenen Inselreichs Atlantis sein, aber das klingt eher wie am Barte Neptuns herbeigezogen.

– „Zufluchtsort“ für die Einwohner von Madeira in den Sommermonaten, da sie verschiedene Annehmlichkeiten, von ausgezeichneten Hotels bis Restaurants und Freizeitdiensten bietet und deshalb von den Portugiesen lange als Geheimtipp gehandelt wurde.

– Der Kontrast zwischen Madeira und Porto Santo könnte kaum größer sein. Während das vulkanische Madeira für die Ewigkeit gemacht zu sein scheint, umweht das deutlich ältere und kleinere Porto Santo mit seinen tiefen Erosionsfurchen ein Hauch Vergänglichkeit.

Die größte Attraktion dieser kleinen Insel ist definitiv der 9 km lange Strand, der sich fast über die gesamte Länge von Porto Santo erstreckt und 2012 als eines der „Sieben Naturwunder Portugals“ in der Kategorie Dünenstrände ausgezeichnet wurde. Gerade auch deshalb erschien uns Porto Santo letztes Jahr nicht als „der schlechteste“ (= schwäbische Art um was super zu finden) Ort um dort festzuhängen. 

In dieser Umgebung läuft es sich selbst mit voll bepackten Taschen die knapp 2 km vom Einkaufsmarkt pingo doce zurück zu Sabir wie von selbst.

Für medizinische Notfälle steht ein kleines Krankenhaus zur Verfügung.

Porto Santo ist etwa elf Kilometer lang und nicht mehr als sechs Kilometer breit. Die Fläche  wird mit 42,48 km², für die 5482 Einwohner, welche überwiegend von der Fischerei und vom Tourismus leben, angegeben. In der Hochsaison kommen etwa 50.000 Touristen dazu, für diese ist wohl vor allem der neun Kilometer lange Sandstrand attraktiv. Der Pico do Facho ist mit 517 m der höchste Berg. 

Der vulkanische Sand ist für seine heilende Wirkung bei verschiedenen gesundheitlichen Problemen bekannt. Daher wirbt Porto Santo auch für seine Spa-Einrichtungen, die wunderschön und sehr gut gepflegt sein sollen. Dort wird die Psamo- und Thalassotherapie angeboten. Als therapeutisches Mittel werden in der Psamotherapie heißer Sand und in der Thalassotherapie Meerwasser verwendet. In den 1970er Jahren entdeckten mehrere deutsche und amerikanische Ärzte die therapeutischen Eigenschaften des Sandes und des Meerwassers der Insel. Sie beobachteten, dass sich die körperliche Verfassung der Patienten verbesserte, die täglich warme Sand- oder Meerwasserbehandlungen bekamen.

In den Spa-Einrichtungen gibt es wohl Bottiche oder Badewannen mit beheiztem Sand, die so ausgestattet sind, dass die für die Behandlungen geeignete Temperatur, Feuchtigkeit und Hygiene gewährleistet sind. Ebenso verfügen sie über einen Vitapool mit Meerwasser aus Porto Santo, der für maximale Entspannung sorgen soll.

Für uns erscheint ein ausgedehnter Spaziergang am Strand und das anschließende Ausruhen im warmen Sand die weitaus natürlichere und auch kostengünstigere Variante zu sein.


Währenddessen kann man sogar noch die Natur als Künstler bewundern. 


Das Klima auf Porto Santo ist mild, in den Wintermonaten betragen die Temperaturen zwischen 13°C bis 19°C. Im Sommer klettert das Thermometer auf 20°C bis 25°C. Die regenreichsten Monate sind der Dezember und der November. Die Sonne scheint im Sommer und auch im Winter meistens länger als 10 Stunden pro Tag. Nach dem Sonnenuntergang wird es meist relativ schnell kühl.

In der Mitte der Insel liegt der Flugplatz der in den 60er Jahren von der NATO gebaut wurde. Somit kann Porto Santo von Madeira aus in 20 Minuten mit dem Flugzeug erreicht werden.

Sehr reizvoll ist auch die Anreise mit dem Lobo Marinho.

Das ist die Fährverbindung von Madeira nach Porto Santo. Der Lobo, wie er von den Einheimischen genannt wird, benötigt für die Strecke 2 1/2 Stunden.

Porto Santo ist von einigen kleinen Inseln (Ilhéu das Cenouras Ilhéu de Cima, Ilhéu de Ferro, Ilhéu de Baixo ou da Cal), die nicht bewohnt sind, umgeben.

Die Freizeit- und Sportaktivitäten auf Porto Santo sind sehr vielfältig, somit steht einem Aktiv-Urlaub auf Porto Santo nichts im Weg.

Die Wassersportler kommen mit Rudern, Kanufahren, Windsurfen, Kit-Surfen und Jet-Sky auf ihre Kosten.

Martim bietet mit  seiner Segelyacht Tanto Faz Daysailing an. 

Für Hobbytaucher stehen wohl insgesamt knapp 20 Tauchspots rund um Porto Santo zur Verfügung.  Die Besonderheiten sind das Wrack des Frachters Madeirense, das in 34 Metern Tiefe unter der Meeresoberfläche liegt, verschiedene Riffs oder ein archäologischer Tauchgang, hier wird wohl zu antiken Kanonen getaucht. 

Der Golfplatz von Porto Santo wurde unter  7000 Golfplätzen von Europa ausgezeichnet, landete wohl auf dem 70. Platz der Top 100 und ist damit wohl die zweite große Attraktion von Porto Santo, direkt nach dem Strand. Das Grün des Golfplatzes kann man schon von weitem erkennen.

Der Vollständigkeit halber muss auch erwähnt werden, dass wir jeden Tag Golfinho I und II mit seinen Passagieren aus dem Hafen fahren sehen. Sie werben damit, ihren Passagieren Delfine und Wale bei den Ausfahrten zeigen zu können.

Außerdem besteht die Möglichkeit ein Auto zu leihen

oder die Insel mit dem Bus zu erkunden.

Ebenso gibt es wohl – haben wir jedoch noch nicht entdeckt – einen gut ausgebauten Radweg um die gesamte Insel mit dem Rad zu erfahren. Ansonsten steht das Straßennetz auch den Fahrradfahrern zur Verfügung. Lediglich der mitunter starke Wind kann hierbei zu einer Herausforderung werden. 

Die Möglichkeit die Insel zu Fuß zu erkunden bietet sich  natürlich auch. Durch den ständigen Wind sind die Temperaturen gut zu ertragen.

Ein ausgiebiger Strandspaziergang darf natürlich auch nicht fehlen. Dabei entdeckt man schöne Strandhäuschen.

Wie meist in Hafennähe finden sich auch auf Porto Santo Bauwerke die nicht für das Auge gemacht sind. Das sind die weniger schönen Seiten, fernab vom Tourismus.

Es findet sich direkt am Hafen das Cementwerk

das Kraftwerk und die Algenproduktion.

Über die „Algenproduktion“ konnte ich nichts genaueres herausfinden. Nur soviel, dass sie wohl ursprünglich als Biotreibstoff gedacht waren. Inzwischen werden sie anscheinend für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie und als Heilmittel vermarktet. (Ohne Garantie auf Richtigkeit). 

Bei der Recherche zu dem Kraftwerk bin ich auf diesen interessanten Artikel gestoßen:

electrive.net/2019/05/28/porto-santo-smart-grid-projekt-von-renault-emm-und-tmh/

Das Windrad haben wir gesehen, wo sich der Solarpark befindet konnten wir nicht rausfinden. 

Durch die Nähe zum Hafen ist man, wenn man mit dem Schiff auf dem Trockenplatz steht, dem Lärm des Kraftwerkes mit seinen Dieselmotoren ausgesetzt. Da aber auf dem Trockenen sowieso den ganzen Tag gehämmert, geklopft und gesägt wird, nimmt man diesen meistens gar nicht wahr. Nachts wird der Lärm sogar oft durch die Stridulation der Grillen übertönt. Was da eher bedenklich erscheint sind die schwarzen Rauchwolken, mit der dadurch einhergehenden Luft- und Umweltverschmutzung, die aus dem Kamin des Kraftwerkes strömen. Meistens weht sie der Wind in die andere Richtung, also von uns und der Insel weg… was es natürlich nicht besser macht. Da sind die diversen Gerüche (Farben, Lacke…) die auf dem Trockenen verarbeitet werden weitaus störender. 

Ein Schauspiel , das sich auch Familien mit Kindern nicht entgehen lassen ist, wenn alle zwei Wochen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein Frachter kommt. Das Anlegemanöver im Hafen ist immer wieder beeindruckend. Während des Tages kommt schon das Schlepperschiff von Madeira um ihm beim Rangieren im für ihn doch kleinen Hafenbecken behilflich zu sein. Der macht auch einen ganz schönen Lärm und stösst eine Unmenge an Dreck in die Luft. Aber er versorgt die Einwohner und Touristen mit allem Lebensnotwendigen und bringt auch uns die langersehnten Päckchen von zu Hause.

Ein weiterer, inzwischen unschöner Fleck an dem der Zahn der Zeit nagt, ist eine hinter dem Hafen verlassene Freizeitanlage, mit einem großen Vorplatz mit den typischen Palmen, die wohl 2003 gegründet wurde und schon seit einiger Zeit leer steht und zerfällt. Man sagte uns sie wartet darauf von einem „Investor“ gekauft und zu neuem Leben erweckt zu werden.

Blickt man durch die großen Fenster sieht man auf den Tresen oder auf dem Boden noch nicht geöffnete Flaschen und diversen Müll. Es scheint so, dass irgendwann einfach mal abgesperrt wurde und seither zerfällt es vor sich hin.

Direkt von dort gibt es einen Zugang zu einem kleinen Strandabschnitt, der das verlassene Areal in anderem Licht erscheinen lässt.

Immer wieder sieht man auf der Insel nicht fertig gestellte oder zerfallene Häuser. Bei einigen sind wir uns nicht sicher ob sie noch oder schon bewohnt werden.

Ebenso sieht man immer mal wieder Fahrzeuge, die nicht mehr fahrbar erscheinen und anderen Schrott… aber zumindest scheint er farblich sortiert…

Doch wenden wir uns wieder den schöneren Plätzen dieser Insel zu. 

Das Zentrum von Porto Santo, die Kleinstadt „Vila Baleira“, ist ein Ort mit eigenen Traditionen einer ruhigen und friedlichen Insel. Eine dieser Traditionen besteht darin, nach einem Strandtag oder abends nach dem Abendessen durch die Kleinstadt mit dem schönen Hauptplatz, der zu den verschiedenen Festlichkeiten auch immer schön geschmückt wird,

und dem Kirchlein

zu bummeln.

Bei der Gelegenheit schließt man sich gerne der Tradition an die leckeren Eissorten, „Lambecas do Porto Santo“, zu genießen.

Ganz in der Nähe des Lambecas findet sich das Casa Cristovāo Colombo, das Columbusmuseum

dessen Eingang unscheinbar in einer Seitengasse liegt.

Da erscheinen die Mosaike im Innenhof des Casa und die Statuen von Cristovāo Colombo unten am Strand doch schon viel beeindruckender.

Ein Lieblingsplatz befindet sich im Innenhof des Casa. Ein Bänkchen unter einem Dach einer Bougainvillea. Hier kann man, trotz hoher Temperaturen, sehr gut Rast machen.

In unmittelbarer Nähe dazu findet sich die alte Landungsbrücke

mit einem weiteren öffentlichen Platz.

Hier gibt es leckeren Bolo Di Caco und es herrscht ein reges Treiben. Hier tummeln sich Touristen, Einheimische, Jugendliche. Hier tobt das Leben mit lauter Musik. 

Die Brücke ist auch so ein Lieblingsplatz.


Man setzt sich auf eine der Bänke und lässt seinen Blick uneingeschränkt über die Weite des Meeres und den Strand von Porto Santo streifen.

Schlendert man durch die Gassen von Vila Baleira entdeckt man die für Portugal typischen Azulejos, meist quadratisch, buntbemalte Keramikfliesen. Sie schmücken öffentliche Gebäude, Kirchen und Hausfassaden.

Für die nötige Rast gibt es schöne Ruhebänke

die fast zu schade sind, um sich zu setzen.

Egal wo man sich auf der Insel bewegt, überall wird man von der üppigen roten Blütenpracht und dem süßlich betörenden Duft des Oleanders begleitet.


Auch der Hibiskus

und die Bougainvillea

fühlen sich hier sehr wohl.

Palmen und Drachenbäume

zieren alle öffentliche Plätze und Wege. 

In den Gemäuern huschen überall Eidechsen, an unbewohnten Stellen sieht man immer mal wieder Kaninchen. Straßenhunde und wild lebende Katzen prägen ebenso das Straßenbild. 

Es gibt schmucke Häuschen

und andere schöne Dinge zu entdecken.

Die uns oft nicht bekannte Flora in den Vorgärten lässt uns immer wieder staunen. Einiges erkennen wir, von manchem wissen wir nicht was es ist.

Fazit: Porto Santo war und ist für uns viel mehr als die kleine sandige Schwester von Madeira. Die bizarre, trockene Landschaft, der Strand, die Steilküsten mit den Panoramen haben sehr schnell ihren eigenen Reiz auf uns ausgeübt. Wenn es auf den ersten Blick hier auch öde erscheinen mag, so verliebt man sich doch sehr schnell in diese kleine Perle mitten im Atlantik.

Die sich immer wieder veränderten Landschaften, wenn sie von der Sonne in ein goldenes Licht getaucht werden oder wenn der Regen ein zartes Grün erwach(s)en lässt, hat seinen eigenen Charme. Durch die freundliche, zuvorkommende und herzliche Art der Einheimischen wird es einem sehr leicht gemacht, sich hier sehr schnell sehr wohl zu fühlen.

Porto Santo wird uns in besonderer Erinnerung bleiben.

Durch das Corona-Jahr 2020 war es für uns der perfekte Ort für eine Auszeit. Was uns während dieser langen Zeit jedoch gefehlt hat, waren die Besuche von Familie und Freunden. 

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