Ich brauch‘ Urlaub

Vier Wochen sind nun vergangen, seit wir auf Porto Santo angekommen sind. Irgendwie war ich täglich irgendwas an „Sabir“ am Arbeiten. Ein paar Sachen habt Ihr ja bereits in den letzten Artikeln mitbekommen.

Morgen früh um 8:00 Uhr ist nun endlich der Krantermin. Das setzt den meisten Arbeiten ein natürliches Ende. Auf jeden Fall sind alle Dinge, die ich vor dem Einwassern erledigen wollte schon seit ein paar Tagen abgeschlossen. Dennoch gibt es täglich etwas zu tun.

Theoretisch hätte ich schon am vergangenen Donnerstag ins Wasser gehen können/wollen – aber ab Ende der letzten Woche hatte sich ein Starkwindgebiet angekündigt, das uns dann auch mit Böen über 30 Knoten und mittleren Winden um die 20 Knoten unterhalten hat. Da war an Kranen nicht zu denken – zu unsicher… Erst heute hat der Wind derart abgenommen, dass ich einen Termin ausmachen konnte.

Ich gebe Euch mal einen kleinen Überblick, was in den letzten Tagen/Wochen erledigt wurde und von der Todo-Liste gestrichen werden konnte:

Kabel des Solarpanels reparieren

Von einem der Solarpanele waren die Stromkabel abgegangen – die Kabel waren durch das salzhaltige Klima korrodiert. Nach der Reparatur der Kabel trägt das Modul wieder zum Stromhaushalt von Sabir bei.

Motorbatterie

Als wir auf Sabir angekommen waren hat die Motorbatterie nur noch deutlich unter 6V Spannung gehabt. Das Laden der Batterie hat auch nichts gebracht, die Spannung blieb zu niedrig. Also habe ich die alte Batterie auf den Gepäckträger des Fahrrads geschnallt und wir sind eine neue Batterie kaufen gefahren. Die neue Batterie zeigt nun dauerhaft eine gute Spannung an und die Solarpanele erhalten die Ladung der Batterie. Dank des Pico lässt sich das sehr schön beobachten.

Seeventil der Salzwasserpumpe in der Küche

Das Seeventil der Salzwasserpumpe am Waschbecken der Küche war letztes Jahr nach meiner Reparatur nicht ganz dicht. Es hat ganz leicht getropft, das war aber nicht schlimm, es war über die ganze Zeit, die wir letztes Jahr im Wasser waren, geöffnet. Diese Jahr wollte ich es dicht haben. Beim Ausbauen des Ventils war relativ schnell klar wieso es geleckt hat: Ein Verbindungsstück zwischen dem Seeventil und dem Rohrbogen hin zur Schlauchtülle war komplett entzinkt und ist beim Versuch es abzuschrauben einfach abgerissen – gruselige Vorstellung, wenn das im Wasser passiert. Ich habe nun das Seeventil und das Verbindungsstück durch ein neues ersetzt. Ich hoffe mal, dass es morgen dicht sein wird, wenn „Sabir“ im Wasser ist.

Antifouling Unterwasserschiff

Auch dieses Jahr habe ich das Unterwasserschiff bearbeitet, damit es über die Zeit, die „Sabir“ im Wasser sein wird, nicht mit Algen und Muscheln zuwächst. Dazu wurde das alte Antifouling angeschliffen, ausgebessert und danach wurden wieder zwei Schichten Antifouling aufgetragen. Eine widerliche Arbeit, da der Schleifstaub und die Farbe nicht wirklich gesund sind.

Da ich letztes Jahr versehentlich den Saildrive und den Propeller mit dem falschen (einem kupferhaltigen) Antifouling behandelt habe, muss ich hier dieses Jahr etwas mehr tun. Das von mir verwendete Antifouling greift auf Dauer das Aluminium an und beschädigt Saildrive und Propeller dauerhaft. Deswegen habe ich beide Teile komplett blank geschliffen, einen Primer als Basis und danach ein geeignetes Antifouling aufgetragen. In einem Notizheft habe ich interessanterweise sogar noch eine Notiz von mir gefunden, die ich auf Anraten des Voreigners aufgeschrieben hatte: „Kein kupferhaltiges Antifouling auf Saildrive oder Propeller aus Aluminium auftragen!“ – die habe ich leider erst gesehen, als es letztes Jahr schon zu spät und „Sabir“ im Wasser war.

Frischwassersystem

Ich habe mir dieses Jahr mal unsere Frischwassertanks vorgenommen. Die letzten Male hier auf „Sabir“ haben Claudia und ich immer viele Plastikflaschen mit Wasser von „Pingo Doce“ zu „Sabir“ geschleppt, weil wir nicht wussten, wie die Tanks von innen aussehen und wir uns nicht sicher waren, ob wir das Wasser so aus dem Tank trinken wollen. Wir haben uns Sorgen gemacht, dass es unserer Verdauung nicht zuträglich sein könnte.

Alle anderen Segler, die wir auf Porto Santo getroffen haben, haben das Wasser aus Ihrem Tank ohne Bedenken zum Trinken verwendet. Das wollen wir auch, das Schleppen der Wasserflaschen können wir uns sparen. Außerdem können wir so die Flut an Plastikmüll vermeiden, die wir bislang mit den Einwegflaschen produziert haben.

Der Tank wurde einmal mit einer Lösung aus konzentriertem Aktivsauerstoff, danach mit einer Chlor-Lösung befüllt. Nach dem Einwirken mussten die Mittel aus dem Tank gespült werden – das ist bei 400l Inhalt gar nicht einfach. Die Frischwasserpumpe muss ewig laufen, das Wasser aus den Tanks zu pumpen. Dafür ist sie nicht ausgelegt. Deswegen mache ich „Intervalpumpen“: Also alle Wasserhähne auf, die Pumpe 5 Minuten laufen lassen, dann 5 Minuten Pause damit die Pumpe abkühlen kann. Damit bin ich dann bei jeder Spülung ca. 3 Stunden beschäftigt.

Windgenerator

Letztes Jahr habe ich mir versehentlich eine Leine im laufenden Windgenerator eingefangen. Beim Versuch den Außenborder des Dinghies an Bord zu hieven war das Besanfall zu locker ist in die Flügel geraten. Dabei wurde die Nase vor den Flügeln des Windgenerators beschädigt.

Claudia und ich haben den Windgenerator auf die Seite gelegt (so wie wir das auch beim Kranen machen) und wir haben die kaputte Nase durch eine neue getauscht. Nun läuft der Windgenerator wieder leise und rund.

Impeller tauschen

Obwohl der Motor in den vergangenen zwei Jahren fast nicht gelaufen ist, wollte ich mir mal ein Bild vom Zustand des Impellers machen. Der Impeller ist ein Flügelrad aus Gummi, das in der Salzwasserpumpe des äußeren Kühlkreislaufs des Motors läuft und so das Seewasser zur Kühlung des Motors in das Schiff pumpt. Das Gummi des Impellers wird schwer beansprucht und mit der Zeit spröde. Bevor der Impeller kaputt geht und eventuell Gummiteile abreißen und möglicherweise Kühlkanäle verstopfen, muss der Impeller regelmäßig begutachtet und getauscht werden.

Also habe ich den Deckel der Seewasserpumpe abgeschraubt, mit einer Rohrzange und sanfter Gewalt den Impeller abgezogen und durch einen fabrikneuen ersetzt.

Eigentlich sieht der gebrauchte Impeller noch ganz gut aus. Er hat keinerlei Risse. Ich ersetze ihn dennoch und werde den ausgebauten einfach bis zum nächsten Impellerwechsel als möglichen Ersatz aufbewahren.

Und dann gab es da noch unzählige Kleinigkeiten, die mich davon abgehalten haben, letzte Woche die Gelegenheit zu nutzen „Sabir“ ins Wasser zu legen. Ich freue mich nun, dass „Sabir“ morgen endlich wieder zum Schiff wird und hoffe, dass ich endlich auch mal ein bisschen „frei“ habe.

Ich fürchte jedoch, daraus wird nichts. Am Donnerstag und am Samstag kommen meine Mitsegler aus Österreich an, bis dahin muss ich auf Sabir Platz für die Drei schaffen. In unserer Wohnung, die bislang für zwei ausgelegt ist, müssen drei Menschen mit Gepäck einziehen können…

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