Abschied vom Paradies

Nun ist es also mal wieder soweit…es heißt Abschied nehmen von Menschen, die wir schon im Juli auf Porto Santo kennengelernt haben und auch von Seglern, denen wir erst in diesen Tagen begegnet sind. Der FlugTP 1740 soll uns heute noch nach Lissabon bringen und anschließend nach Stuttgart.

Die letzten 16 Tage haben wir auf „Sabir“ verbracht. Wir haben uns sehr gefreut Andrea und ihren Bolonka Maja wieder zusehen. Dann war da noch Steven aus Amerika, den wir vor Anker in Funchal getroffen haben oder Martin, der schon viele Jahre einhand unterwegs ist. Ricarda und Stefan aus Deutschland oder die schweizerische Tramperin Corinne, die mit Adi aus Holland unterwegs war.

Der Abschied von all diesen Menschen, von Porto Santo und last, but not least von „Sabir“, war mal wieder sehr traurig. Vor allem mit dem Wissen zu gehen, dass ich erst in sechs Monaten wieder hier sein werde. Peter hat ja das Glück im Oktober nochmal hier zu sein. Diese Zeit wird zwar mit viel Arbeit verbunden sein, aber er kann sich nochmal in dieser Seglergemeinschaft aufhalten und die ist, wie wir beide finden, etwas ganz besonderes. Oft überlegen wir, ob wir das auf unserer Reise nächstes Jahr auch so erleben werden. Beide glauben wir, dass Porto Santo in diesem Bezug schon etwas besonderes ist.

Wir stellen den Wecker auf sieben Uhr, wachen jedoch schon um halb sieben auf und frühstücken. Andrea kommt, nachdem wir mit Frühstück fertig waren, mit Maja vorbei. Plötzlich steht auch Steven da, der Amerikaner, den wir vor Funchal kennengelernt haben. Sie wollen sich von uns verabschieden.

Peter ist sehr relaxt und schaut mit Steven noch mal das Rigg an. Martin hatte uns da ja gestern auf etwas aufmerksam gemacht. Steven – ein Profi-Rigger – bestätigt das und rät Peter die Wanten etwas nachzuspannen. Währenddessen spüle ich, räume auf und gebe die Essensreste an die Stegnachbarn. Wir haben gut kalkuliert, es ist nicht viel übrig, zum Wegschmeißen jedoch zu schade.

Viel zu schnell ist der Zeitpunkt gekommen, die Taschen von Bord zu holen und „Sabir“ abzuschließen – wir müssen gehen.

Die Frau vom französischen Nachbarboot kommt um uns zu verabschieden, als sie bemerkt, dass wir aufbrechen. Sie sagt, sie würde sich um „Sabir“ kümmern und ein Auge auf sie haben. Es ist schön zu wissen, dass so viele Augen nach unserer alten Dame schauen werden, wenn wir nicht da sind. Wissen wir sie doch in Andrea’s Obhut schon in guten Händen.

Wir freuen uns sehr, als auch Martin noch kommt um uns zu verabschieden. Wir haben das Gefühl, uns von guten Freunden trennen zu müssen. Andrea, Martin und Maja begleiten uns zum Taxi. Es ist so schön, aber sehr, sehr traurig.

Das Taxi bringt uns zum Flughafen. Wir fahren auf der Straße Richtung Vila Baleira, auf der wir die letzten Tage regelmäßig zum Supermarkt gelaufen sind. Wir schauen sehnsüchtig aufs Meer.

Wir starten in Porto Santo nach Lissabon mit Verspätung, da in Lissabon auf dem Flughafen „Stau“ ist. Ob das wohl mit der Insolvenz von Thomas Cook zusammenhängt?

Kurz nach dem Start in Porto Santo haben wir nochmal einen Blick auf den Hafen und „Lobo Marinho“… Unsere „Sabir“ ist leider nicht zu sehen. Schon nach wenigen Minuten Flugzeit zeigt sich unter uns eine komplett geschlossene Wolkendecke… “über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ fällt mir da ein. Freiheit, die wir die letzten 16 Tage genießen durften.

In Lissabon auf dem Flugplatz angekommen flüchten wir von hier nach da vor den Menschenmassen auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen. Es gibt keines. Wir wollen auch gar nicht groß reden. Überall Dauerbeschallung, überall Menschen. Wir sitzen nur da und starren vor uns hin oder lesen. Irgendwann fühle ich mich wie ein lethargisches Zootier, dem der Auslauf und die Freiheit fehlt und das alles über sich ergehen lässt. Der Aufenthalt in Lissabon ist viel zu lange. Um 19:30 startet Flug TP 594 nach Stuttgart. Wir haben stellenweise einen etwas holprigen Ritt durch die Luft. Wir kommen kurz nach 23 Uhr Ortszeit an.

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