Wir sind endlich auf Porto Santo

„Steig ein, wir fahren ans Meer“ Diese Postkarte hängt in Claudias Auto, als ich sie kennen lerne. Ich dachte mir: „das kannste haben 😊“. Ab heute haben wir wieder Meer zum Leben.

Diese Anreise nach Porto Santo war jedoch irgendwie wie Bergsteigen: Man nimmt einen strapaziösen Aufstieg auf sich um an den Gipfel zu gelangen. Man darf beim Aufstieg nur auf den Weg und nicht nach oben schauen, sonst hat man das Gefühl, nie anzukommen. Ist man dann endlich oben angekommen, erscheinen einem all die Strapazen nicht mehr so schlimm und man genießt es, am Gipfel angekommen zu sein.

Wir werden also alle diese Strapazen auf uns nehmen, um am Ende wieder auf „Sabir“ zu sein:

  • Madeira verlangt von allen Reisenden, die auf Madeira ankommen einen negativen Covid-19-Test, der entweder maximal 72h vor der Ankunft durchgeführt werden darf oder nach der Landung im Flughafen durchgeführt wird.
  • Wie kommen wir zum Flughafen nach Frankfurt? Als wir unseren Flug gebucht hatten, gab es von Stuttgart aus noch keine Flüge mit maximal einer Zwischenlandung…
  • Wie wird es im Flughafen zugehen? Werden sich die Menschenmassen diszipliniert verhalten, den notwendigen Abstand einhalten und sich und andere mit einer Maske schützen?
  • Was bedeutet es für uns und unseren Zwischenstop in Lissabon, dass die Region um die portugiesische Hauptstadt gerade als Corona-Hotspot gehandelt wird?
  • Wie voll wird das Flugzeug sein? Ist schon komisch, dass der geringe Abstand im Flugzeug kein Problem ist, aber jeder Gastronom, Friseur, etc. einen Riesenaufwand treiben muss um sein Geld verdienen zu dürfen. Haben die Fluggesellschaften hier einfach die bessere Lobby?

Oft haben wir uns im Vorfeld der Abreise über diese Themen unterhalten und uns auch gefragt wie es sein wird, unter Corona-Bedingungen in den Urlaub zu fliegen. Wir haben unsere Freunde und auch unsere Hausärzte gefragt und haben alle möglichen Meinungen gehört. Die Bandbreite reichte von „Ihr seid mutig“ bis „macht Euch keinen Kopf, geht!“. Wir lagen irgendwo zwischendrin. Am Ende hatten wir das Ziel „Sabir“ vor Augen und haben die Strapazen und Unsicherheiten auf uns genommen, um dort anzukommen.

Je näher der 16.7. rückte, desto intensiver werden unsere Vorbereitungen (viele davon hatten wir im März ja schon einmal „geübt“). Aber ein paar waren auch speziell für diese Situation:

  • Vernünftige FFP2-Masken besorgen
  • Mietwagen nach Frankfurt buchen
  • Anmeldung bei der Madeira Traveler Registration (obligatorisch für die Einreise auf Madeira)
  • Registrierung für den Covid-19-Test am Flughafen Frankfurt
  • Registrierung bei Elefand (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland)

Am 16.7. sind wir sehr früh morgens, um 3:45 Uhr aufgestanden. Wir wollten uns so rechtzeitig auf den Weg machen, dass wir uns möglichst um 7:00 Uhr (da macht das Abstrichzentrum auf) auf das Virus testen lassen können. Das Testergebnis sollte nach ca. 3 Stunden verfügbar sein. Erst danach wollten wir einchecken – nicht dass am Ende einer der Tests (falsch 😉) positiv ist… Der Flieger geht um 13:15 Uhr, damit sollte die Zeit eigentlich reichen.

Es klappt mit unserer Planung eigentlich alles gut. Wir sind tatsächlich rechtzeitig am Flughafen, irren dann aber mit unseren drei(!) schweren Taschen durch den Flughafen und suchen das Testzentrum. Die paar offiziell aussehenden Menschen, die wir gesehen haben, wussten nicht, wo sich das Testzentrum befindet und die Info-Schalter des Flughafens sind nicht besetzt…

Irgendwann ist Peter erfolgreich und wir stehen mit unserem Gepäck vor dem Testzentrum. Der Test wird von einer Frau ausgeführt, die den Eindruck macht, als wüsste sie, was sie tut (im Vorfeld sah es so aus, als bekämen wir ein Testkit ausgehändigt und sollten den Test unter Anleitung selbst durchführen). Der Test selbst ist unangenehm, aber auszuhalten. Es ist aber schon auch so, dass man der Person, die den Test ausführt, ein bisschen böse sein möchte, dass sie einen so ärgert… Um 7:40 Uhr sind unsere Proben abgegeben.

Wir warten vor dem Flughafen auf das Testergebnis. Letztendlich haben wir dreieinhalb Stunden gewartet, dann erst kam das positive Ergebnis per E-Mail: Wir sind negativ 😊.

Wir checken ein und geben unser Gepäck auf – auch so eine Aktion: Unsere Fluggesellschaft spart sich bei der Gepäckausgabe Menschen. Wir sollen am Automaten einchecken. Wir werden aber gleich wieder mit den Worten „die Tasche ist zu groß für den Automaten“ abgewiesen und in eine der hinteren Ecken des Flughafens dirigiert – da arbeiten tatsächlich noch Menschen. Aber auch dort haben wir keinen Erfolg. Einer der Menschen fragt nach dem Gewicht der großen Tasche (ca. 26kg). Er schickt uns mit den Worten „hier nur Taschen bis 23kg“ zum Sperrgepäckschalter. Dort sind wir dann aber endlich erfolgreich, unsere Taschen machen sich auf die Reise.

Die Sicherheitskontrolle verläuft äußerst entspannt. Der Flughafen ist auf viele Menschen und große Abstände eingerichtet. Was auffällt: Die Mitarbeiter der Flughafensicherheit sind äußerst freundlich und zuvorkommend – auch ihnen tut es offenbar gut, wenn sich nicht so viele Menschen an einer Station drängen. Claudia wird auch dieses mal wieder rausgezogen und ihr Gepäck auf Sprengstoff untersucht.

In den Wartebereichen sieht man, dass auf Abstand geachtet wird. Die Reisenden versuchen sich – so weit möglich – aus dem Weg zu gehen. Aber auch hier gibt es wieder genügend Menschen, die nicht zu verstehen scheinen, wie das mit dem Mund-Nasen-Schutz funktioniert. Oft hängt die Nase raus oder der MNS hängt am Kinn,…

Als dann das Boarding los geht, ziehen wir unsere FFP2-Masken auf. Die Mitarbeiterin der Fluggesellschaft ruft die Passagiere nach einem bestimmten Schema auf, damit das Einsteigen schneller und mit mehr Abstand von statten gehen kann. Es macht jedoch den Eindruck als würden mindestens 90% der anwesenden Passagiere diese Anweisung nicht verstehen. Es entsteht das übliche Gedrängel vor dem Gate. Auch als die Mitarbeiterin nochmal freundlich aber sehr bestimmt darauf aufmerksam macht, dass doch bitte auf den nötigen Abstand geachtet werden soll und bitte (bitte, bitte) nur diejenigen, die zum Einsteigen aufgerufen sind nach vorne kommen sollen, scheint das die wenigsten zu interessieren. Claudia muss vor Peter einsteigen. Es ist jedoch für sie nicht erkennbar, wer gerade in einer Schlange ansteht oder einfach nur dumm rumsteht. Sie wühlt sich durch die Menschenansammlung und fragt immer wieder „stehen Sie hier an?“ – „nein, wieso?“ (ratloser Blick von Claudia, aber ohne Kommentar).

Wir sind froh um unsere FFP2-Masken. Vielleicht hätte aber auch ein Aluhut gereicht, denn der schützt ja vor so vielem, vielleicht auch vor der Ignoranz und dem Egoismus mancher Mitmenschen? Es soll ja sogar Leute geben, die denken, dass die Corona-App sie nur vor Corona schützt, wenn man das Handy vor Mund und Nase hält…

Der Flug verläuft einigermaßen unspektakulär. Es ging auch überraschend gut, die Maske über den Zeitraum von drei Stunden ununterbrochen zu tragen. Wobei wir uns aber auch auf den Moment freuen, sie abnehmen zu dürfen. Das Flugzeug war übrigens auf den letzten Platz ausgebucht – also leider keine Möglichkeit der EU-Empfehlung zu folgen, den Mittelplatz frei zu lassen.

Kurz nach der Landung bittet die zuständige Stewardess um Mithilfe, so dass das Aussteigen kontrolliert und zum Schutz aller Beteiligten ablaufen kann. Sie wird die Sitzreihen nacheinander aufrufen… Kurz nach Ende der Durchsage kehrt jedoch schon Unruhe ein. Es werden Gepäckstücke aus den Aufbewahrungsboxen geholt, der Mindestanstand wird dabei von den wenigsten eingehalten. Das Aussteigen läuft dennoch insofern koordinierter, dass wirklich nur die aufgerufenen Reihen sich in Richtung Ausgang bewegen…

Der Zwischenstopp in Lissabon ist (gewohnt) elend – und das nicht wegen Corona. Im Flughafengebäude ist es (wie immer) unerträglich heiß (Außentemperatur 38 Grad) und der Abflugbereich ist nicht wirklich schön. Interessant ist aber zu sehen, dass die Portugiesen sehr viel disziplinierter mit dem Tragen des MNS sind. Jeder hat die Maske korrekt auf, sogar Kinder.

Auf dem Rollfeld des Flughafens von Lissabon sieht man deutlich, dass der Flugverkehr noch nicht wieder das Volumen vor Beginn der Corona-Pandemie hat. Es stehen unzählige Maschinen der portugiesischen Fluggesellschaft geparkt an Stellen, wo normalerweise Flugzeuge auf dem Weg zur Startbahn warten.

Auch der Flieger nach Porto Santo war bis auf den letzten Platz besetzt. Hier hatten wir uns absichtlich Plätze in der letzten Reihe gebucht. Wir durften auch mit als erste einsteigen und nachher auf Porto Santo werden wir das Flugzeug auch als erste über den hinteren Ausgang verlassen (das wissen wir zwar beim Einsteigen noch nicht, aber unser Ich aus der Zukunft hat es so erlebt 😉).

Kurz vor der Landung wird zuerst Madeira am Horizont sichtbar, dann kann man Porto Santo unter uns erkennen. Peter macht ein paar schöne Photos vom Anflug auf die Insel und beim Einschwenken auf die Landebahn vom langen Strand mit dem Hafen von Porto Santo im Hintergrund.

Wir schauen uns wieder mal mit Tränen in den Augen an. Mit der Landung scheint es, dass all unsere Anspannung von uns abfällt. Wir haben es geschafft, wir sind da.

Am Gepäckband entwickelt sich das übliche Chaos. Wir kommentieren das jetzt einfach nicht… Das kommt aber auch daher, dass niemand aus dem (kleinen) Bereich mit dem Gepäckband raus kommt, bevor nicht die Gesundheitskontrolle abgeschlossen ist.

Wir bilden zwei Schlangen an der Temperaturkontrolle. Es wird kontaktlos gemessen. Wir haben 36,8 und 36,4 (das war noch so ein Horror-Gedanke, dass wir aufgeregt und aufgeheizt „Fieber“ gemessen bekommen). Wir bekommen an einer unserer Taschen ein grünes Band befestigt, das uns als „negativ gestestet“ kennzeichnet (diejenigen, die sich auf dem Flughafen testen lassen sind blau). In einer langen Schlange, mit jeweils 2m Abstand müssen nun alle Passagiere durch die Ankunftshalle in Richtung Ausgang. Als Begrüßungsgeschenk bekommt jeder eine kleine Flasche Wasser und Fenchel-Bonbons (bei der Gelegenheit lernen wir das portugiesische Wort für Fenchel: „funcho“ und „funchal“ (Hauptstadt Madeiras) bedeutet „fenchelig“ – das hatten wir noch nicht gewusst). Durch die Reihen laufen Angestellte der Gesundheitsbehörden und stellen sicher, dass alle bei „Madeirasafe“ angemeldet sind – einer WebApp, über die in den ersten Tagen täglich der Gesundheitszustand abgefragt und Kontakt zu den Einreisenden gehalten wird. Irgendwann dürfen wir „Grünen“ aus der gemeinsamen Schlange raus und uns in einer gesonderten grünen Schlange anstellen. Es wird nun nur noch sichergestellt, dass wir auch wirklich wir sind, dass wir über unsere Handynummer für die Behörden erreichbar sind und wir sind endlich fertig und dürfen raus.

Mit dem Taxi geht es runter zum Hafen. Am Boat Yard angekommen versuchen wir erfolglos mit unserem Schlüssel das Tor aufzumachen (es wird sich herausstellen, dass das Schloss falsch eingebaut ist, zu ist auf und auf ist zu).

Obwohl Peter die Marina vor ein paar Tagen darüber informiert hat, dass wir ankommen und um eine Leiter gebeten hat (Antwort: „Ladder is ok…“), war keine Leiter am Schiff. Nach kurzer Suche auf dem Boat Yard fand sich eine offensichtlich ungenutzte Leiter, die wir kurzerhand verwendet haben um an Bord zu kommen.

Peter inspiziert alles (Schiff ist ziemlich dreckig, aber keine größeren Schäden) und macht den „Kran“ – eines der Fallen – bereit, damit wir unsere schweren Taschen an Bord bekommen.

Wir verstauen alles notdürftig und machen unser Bett bereit. Wir treffen die ersten Bekannten von letztem Jahr (auf Abstand) und machen uns noch kurz auf den Weg zum Strand. Die Marina-Bar sitzt voll mit Menschen. Hier scheint Corona in den Köpfen kein Problem zu sein – uns kommt es komisch vor. Porto Santo hat ein bisschen von der Leichtigkeit verloren, die wir hier im letzten Jahr kennengelernt haben.

Müde fallen wir ins Bett. Eine Schnake nervt uns. Wir schlafen traumlos.

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