PS PR 2

Klingt ein bisschen wie ein Blutwert, ist aber die Bezeichung für den Wanderweg, VEREDA DO PICO CASTELO, der mit einer Steigung von 210 m auf der Südseite des Pico do Facho entlanggeht und auf dem Pico de Castelo endet. Zudem gibt es auch noch die Möglichkeit auf der Nordseite entlangzulaufen.

Da wir das für heute geliehene Auto gut nutzen wollen, haben wir uns viel vorgenommen. Zum einen wollen wir den PS PR2 laufen um dann, vor dem Abstieg, am Pico Castelo zu picknicken. Anschließend soll es dann mit dem Auto zum PS PR1 gehen, damit wir dort noch zum Pico Branco undTerra Chã laufen können. Das sind die zwei Wanderwege auf Porto Santo, die angepriesen werden. Zum Abschluss des Tages steht Wellness in Porto das Salemas an. Dann soll es noch kreuz und quer über die Insel zurück zur Marina gehen um an schönen Stellen einen Fotostopp einzulegen. Sollte laut Reiseführer und den dort gemachten Angaben gut machbar sein.

Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir auf der kurvenreichen Straße nach Moledo und parken dort. Hier ist der Anfang unserer ersten Wanderung. Mit dem Auto konnten wir den Einstieg für den Wanderweg von der Marina aus innerhalb kurzer Zeit erreichen.

Nachdem es ein Stück lang den Forstweg zuerst über eine staubige Sandpiste in Serpentinen steil den Berg hinauf geht, gelangen wir an den Beginn der Aufforstung.

Am Ende des Forstweges kann man sich entscheiden, ob man den Weg entlang der Nord- oder der Südseite geht. Laut Reiseführer ist der Weg entlang der Südseite mit 4,6 km die längste Wanderroute die es auf Porto Santo gibt. Wir entscheiden uns den Weg hoch auf der Nordseite, die 3,2 km beträgt, und zurück auf der Südseite zu nehmen.

Auf dem Weg dahin, der zur Flanke des Pico do Facho liegt, sehen wir Überreste von alten Ackerflächen. Die Ackerflächen sind mit doppelten Mauern umgeben die vor langer Zeit durch körperlich schwere Arbeit errichtet wurden.

Auf der gesamten Wanderung sieht man die Wiederaufforstung auf Porto Santo. Die sichtbaren Erosionsvorgänge wurden hier erfolgreich eingedämmt. Die Wiederaufforstung aus dem Jahr 1921 ist dem Madeirischen Forstbeamten António Schiappa zu verdanken. Exotische Pflanzenarten wurden angebaut, die durch ihre robuste Art widerstandsfähiger gegen die widrigen Bedingungen sein sollten.

Der weitere Weg wird gesäumt von Aleppo-Kiefern und Monterey-Zypressen. An Stellen, die windgeschützt liegen, ist der Duft der Kiefern so intensiv als säßen wir in einem Schaumbad. Wenig später ändert sich der Duft des Schaumbades: Peter entdeckt Eukalyptusbäume. Auch diese strömen einen sehr intensiven Duft aus.

Wir brauchen sehr lange für den Weg; immer wieder bleiben wir stehen und bestaunen die Ausblicke auf die Insel: Auf die steile Küste, auf die Berge. Immer wieder sehen wir uns bekannte Stellen der Insel aus neuen und ungewohnten Blickwinkeln.

Ebenso haben wir die Steineiche und den prächtigen Natterkopf (der leider schon verblüht war) auf unserer Wanderung gesehen. Die im Reiseführer angekündigten Gabelbäume und die Besenheide konnten wir nicht sehen. Einheimische Arten, nämlich Drachen- und Olivenbaum sollen laut Reiseführer auch zu finden sein, diese haben wir aber auch nicht entdeckt.

Den Parkplatz, der sich hier befindet, kann man von Vila Baleira aus erreichen um hier den Einstieg zum Pico do Facho oder Pico Castelo zu beginnen.

Bevor es weitergeht, finden wir noch einen Cache und genießen den schönen Ausblick auf den Westen der Insel.

Wir lassen den Aufstieg zum Pico do Fache links liegen und gehen weiter zum Pico Castelo. Der Berg ragt steil vor uns empor. Wir folgen zunächst einer Sandpiste in Serpentinen. Danach geht es auf schmalen Wegen und dann wie auf einer Treppe hoch zum Gipfel.

Am Gipfel angelangt thront das Castelo mit dem Aussichtspunkt Canhão. Dort trifft man auf die Statue von António Schiappa, den großen Förderer der Wiederaufforstung von Porto Santo. Sie steht an einem Platz, von der man den Westen der Insel überblicken kann.

Hier findet sich auch ein schöner Platz mit Steinbänken und einem Steintisch. Über die Steinmauer hinweg hat man einen Blick auf Vila Baleira. Im Hintergrund kann man die Ilhas Desertas und Madeira im Dunst erkennen. Perfekt für unser Picknick.

Auf dem ganzen Weg hierher haben wir niemanden gesehen, auch hier oben scheinen wir alleine zu sein. Plötzlich nehmen wir wahr wie es hinter uns laut raschelt. Wir erwarten ein etwas größeres Tier, entdecken dann aber einen Mülleimer in dem sich Eidechsen sehr wohl fühlen. Auch auf und in der Steinmauer die den Aussichtspunkt umgibt, wuselt es vor Eidechsen. Sie finden auch sehr schnell den Weg zum Steintisch, auf welchem wir unser Picknick ausgebreitet haben. Wir „opfern“ eine Scheibe von unserem Apfel in der Hoffnung ungestört essen zu können. Dieser ist sofort in Sicherheit gebracht und alle anderen warten auf weitere Leckerbissen. Doch es sind zu viele, als dass wir sie von unserem Essen fern halten könnten. Wir geben ihnen noch eine kleine Cocktailtomate. Mit dieser ist ein geringer Teil der Truppe längere Zeit beschäftigt. Mit ihren kleinen Mäulern bekommen sie die Tomate nicht zu fassen, sie rollt immer wieder weg, es schaut eher nach Fußball aus was sie da treiben. Aber sie geben nicht auf.

Dennoch finden sich immer noch welche, die den Weg auf den Tisch finden um an unser Essen zu gelangen. Deshalb läuft einer von uns immer wieder einmal um den Tisch herum, das irritiert sie so sehr, dass der andere fast ungestört essen kann.

Vom Reiseführer erfahren wir, dass der Pico Castelo seinen Namen im 15. Jahrhundert erhalten hat. Hier gab es damals eine militärische Befestigung. Die Bevölkerung der Insel hat hier Zuflucht und Schutz vor den Überfällen französischen Piraten und den Algeriern gesucht. Durch den zentralen Standort konnte man perfekt die Verteidigung der Menschen organisieren. Dies machte den Berg zu einer Festung.

Wir stellen fest, dass hier die Uhren mal wieder anders ticken… heute verging die Zeit sehr schnell. Vermutlich schaffen wir, was wir uns vorgenommen haben, nicht alles an diesem Tag. Macht aber nichts. Wir wollen uns nicht hetzen lassen und den Tag genießen. Deshalb machen wir uns nach dem Picknick gemütlich auf den Rückweg. Wir nehmen den gleichen Weg wie hoch.

Am Auto angekommen stellen wir fest, dass es für die zweite Wanderung tatsächlich schon zu spät sein könnte.

Wir überlegen, was wir machen. Es erscheint uns zeitlich noch möglich die zweite Wanderung zu machen. Die im Reiseführer angegebene Zeit würde noch reichen. Aber wir wollen ja nicht nur auf den Berg hoch und runter laufen sondern auch die Aussichten genießen. Deshalb entscheiden wir direkt zu Porto Da Salemas zu fahren und den Tag mit einem warmen Bad abzuschließen und an einem der nächsten Tage nochmal ein Auto zu mieten.

Porto De Salemas ist dafür bekannt, wenn Ebbe ist, dass hier natürliche „Pools“ entstehen. Das Wasser was zurückbleibt, wird durch die Sonneneinstrahlung schnell warm und man hat quasi einen beheizten Pool. Darauf freuen wir uns. Klingt ein bisschen nach Wellness und unseren Knochen wird es nach der Wanderung sicher auch gut tun.

An Porto De Salemas angekommen, führt ein sehr steiler Weg nach unten. Mit geländegängigen Fahrzeugen darf man hier auch nach unten fahren. Wir gehen zu Fuß.

Unten angekommen stellen wir fest, dass viele andere die gleiche Idee hatten. Die Pools sind schon alle sehr belegt. Deshalb breiten wir unsere Strandtücher aus, genießen den mitgebrachten Kaffee und Bolo Arroz, den für hier typischen Reismuffin. Wir können gut beobachten wie die Ebbe immer näher kommt – eigentlich geht sie ja – und die Pools sich immer mehr mit Menschen füllen. Wir strecken uns auf unseren Tüchern aus und genießen den wärmenden Sand auf unserer Haut und lauschen dem Rauschen der Wellen, die hier mit hoher Kraft und lautem Getöse ankommen.

Aufgewärmt von der Sonne und dem Sand erklimmen wir den Rückweg zum Auto. Wir nehmen die Straße über den Nordosten der Insel zurück zur Marina.

Die Insel erscheint auch hier karg. Die Straßen gehen in Serpentinen rauf und runter. Immer wieder sind alte verfallene Steinhäuser zu sehen, die seit Jahren verlassen scheinen.

Auf Sabir angekommen, machen wir uns noch was zu essen und lassen den Abend- müde von der Sonne und der Bewegung – im Cockpit ausklingen. Nach 3 Wochen auf dem Schiff ohne große Bewegung sind wir wie erschlagen.

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