Tag 2: Die Nacht beginnt turbulent…

Nach dem Erlebnis mit der Bob Barker lege ich mich schlafen, damit ich um 1:00 Uhr meine Nachtwache antreten kann. Im Halbschlaf bekomme ich mit, dass unser Vorsegel immer wieder mal schlägt. Mein müder Blick nach oben ins Cockpit wird von Christoph mit einem „der Windpilot übersteuert immer mal wieder“ quittiert. Der Zusatz „aber er fängt sich selbst“ lässt mich weiterschlafen.

Irgendwann werde ich aber doch unruhig, das Schlagen des Segels kommt immer häufiger und dauert länger an. Inzwischen ist Claudias Wache von 22:00 Uhr bis 1:00 Uhr. Claudia weckt mich, da wir in der Zwischenzeit immer häufiger und länger in den Wind drehen. Ich stehe auf, ziehe Ölzeug und Schwimmweste an und gehe hoch zu ihr.

Der Wind hat kräftig aufgefrischt. Wir hatten das Vorsegel bereits ein wenig eingedreht, aber irgendwie kann der Windpilot Sabir nicht mehr auf Kurs halten. Ich probiere zuerst mit der Steuerleine den Kurs ein bisschen anzupassen, merke aber schnell, dass das nichts bringt.

Wir haben zwei Probleme: Zum Einen können wir mit dem ausgebaumten Vorsegel den gewünschten Kurs nicht mehr steuern. Zum Anderen ist der Windpilot nicht mehr in der Lage Sabir bei dem Wind und den Wellen (mit dem ausgebaumten Vorsegel) auf Kurs zu halten. Wir müssen etwas tun. Ich muss leider Christoph wecken, damit wir die Probleme gemeinsam in den Griff bekommen können.

Ich setze mich hinten auf das Achterdeck und sichere mich mit meinen Sicherungsgurten. Zunächst versuche ich die Windfahne anders einzustellen, in der Hoffnung, dass das die Steuermöglichkeit des Windpilot verbessert – leider ohne Erfolg.

Danach versuche ich die Steuerkette anders einzuhängen. Das soll dem Windpilot das Halten des Kurses vereinfachen. Christoph ruft mir immer wieder die Richtung zu, in die Sabir gerade fährt. Ich versuche sie in die richtige Richtung zu drehen und dann den Windpilot einzuhängen, der soll den aktuell gesteuerten Kurs halten. Aber auch das bringt keinen Erfolg.

Wir denken gemeinsam darüber nach, was wir nun tun. Wir entscheiden uns nach etwas hin und her überlegen dazu den Spibaum weg zu machen und mit der Hydraulik zu steuern.

Wir starten den Motor, rollen die Genua ein und bauen den Spibaum ab (bei Nacht und Welle auch nicht gerade einfach). Danach gehe ich wieder auf das Achterdeck und versuche Sabir mit der Notpinne auf einem sinnvollen Kurs zu halten (ich habe da hinten nur den Mond als Anhaltspunkt, der allerdings auch immer wieder hinter den Wolken verschwindet). Christoph ist unter Deck und soll unsere hydraulische Steuerung wieder einhängen. Claudia steht am Niedergang und vermittelt zwischen Christoph und mir, indem sie laut das wiederholt, was Christoph, bzw. ich sagen (natürlich brüllen wir alle – der Wind und die Wellen sind ziemlich laut). Falls Ihr Euch fragt, warum wir die praktischen Geräte von CeeCoach nicht nutzen, von denen wir doch so begeistert berichtet haben, die doch genau zu solchen Zwecken gedacht sind: Die waren unbrauchbar – an einem der Geräte war der Akku leer…

Als wir wieder unsere hydraulische Steuerung nutzen können, bringe ich Sabir wieder auf Kurs zu unserem Ziel. Wir rollen die Genau wieder aus, stoppen den Motor und überlassen das Steuern dem elektrischen Autopilot – der das obwohl er nicht nach dem Wind steuern kann ziemlich gut macht. Siehe da: Plötzlich ist wieder Ruhe im Schiff. Sabir läuft wieder wie auf Schienen, das Segel steht wieder wie eine Eins. Christoph und Claudia können sich hinlegen und sich ihren wohlverdienten Schlaf holen.

Der Rest der Nachtwache verläuft ereignislos – auch wenn wir inzwischen mittlere Winde um 27kn (Böen über 30kn) haben und die Wellenhöhe weiter zunimmt. Um 4:00 Uhr morgens übergebe ich meine Wache an Christoph.

Fazit:

  • Wenn etwas blöd laufen kann, dann tut es das wahrscheinlich auch…
  • … und wenn es in der Nacht blöd laufen kann, dann tut es das noch wahrscheinlicher.
  • Akkus sind im Zweifel leer…
  • In der Nacht sind Wind und Wellen bedrohlicher, als bei gleichen Bedingungen am Tag.
  • Bei auffrischendem Wind den Spibaum weg nehmen – vor allem wenn es Nacht wird.
  • Dass wir die hydraulische Steuerung aushängen müssen um mit dem Windpilot steuern zu können, ist Mist! Da brauchen wir, wenn Claudia und ich alleine unterwegs sind, eine andere Lösung.

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