Endlich segeln – die zweite…

Heute machen wir uns zu unserem ersten „echten“ Törn mit unserer „Sabir“ auf den Weg. 

Wir stellen uns einen „frühen Wecker“, damit wir zeitig los kommen. 

Ich habe noch ein paar Dinge an der Windsteueranlage vorzubereiten: „Sabir“ hat ja normalerweise eine hydraulische Radsteuerung. Das heißt, dass die Drehung am Steuerrad über eine Hydraulik auf einen Kolben übertragen wird, der dann das Ruderblatt dreht. Der Windpilot jedoch arbeitet rein mechanisch und steuert mit Leinen. Diese Leinen gehen über Umlenkungen auf unsere Notpinne und so auf das Ruder. Damit wir „Sabir“ auch weiter von Hand steuern können, wird außerdem noch das Steuerrad – ebenfalls über umgelenkte Leinen – mit der Notpinne verbunden. Die Hydraulik muss abschließend dann noch deaktiviert werden, damit diese nicht gegen den Windpilot arbeitet.

Da das Verlegen der Leinen noch nicht so flüssig von der Hand geht, vergeht doch einiges an Zeit, bevor wir den Anker heben und losfahren können.

Für das Ankerauf-Manöver steht Claudia am Steuer. Sie startet den Motor und steuert „Sabir“ zwischen den anderen ankernden Yachten aus dem Hafen, nachdem ich den Anker gelichtet habe.

Draußen vor dem Hafen setzen wir recht zügig das Groß- und das Vorsegel und Claudia steuert unseren Kurs in Richtung Madeira.

Während wir gemütlich Richtung Madeira segeln versuche ich unsere Windsteueranlage in Betrieb zu nehmen. Irgendwie klappt es nicht. Die Anlage steuert irgendwie immer falsch. Hä? Es dauert viel zu lange, bis ich merke, dass ich die Windfahne, die zur Windrichtung ausgerichtet sein muss, um 180 Grad verdreht eingestellt habe. Der Windpilot luvt also an, wenn er abfallen sollte und umgekehrt – so kann dass ja nicht gehen. 

Kaum macht man’s richtig tut’s: Ist die Windfahne korrekt ausgerichtet, hält der Windpilot zuverlässig unseren Kurs zum Wind. Es ist ein Traum!

Der Windpilot ist – im Gegensatz zum elektronischen Autopilot, der meist nur nach GPS oder Kompass steuert – in der Lage den korrekten Kurs zum Wind zu steuern. Das heißt, wenn der Wind leicht seine Richtung ändert (zum Beispiel wenn eine Böe einfällt), dann steuert der Windpilot diesen Winddreher aus, so dass die Segel immer optimal zum Wind eingestellt sind. Falls der Wind mal länger aus einer anderen Richtung bläst, dann wird einfach die Windfahne neu eingestellt und „Sabir“ fährt wieder in die richtige Richtung.

Heute ist auch endlich mal Gelegenheit unser Besan-Segel am hinteren Mast zu setzen. Wir hatten bis heute noch keine Gelegenheit dazu. Ich mache das Segel klar und setze es. Oh ist das schön! Der Vorbesitzer von „Sabir“ hatte mir zwar schon gesagt, dass das zusätzliche Segel oft keinen zusätzlichen Vortrieb gibt – aber das ist mir egal: „Sabir“ sieht einfach toll aus, wenn alle Segel oben sind. Leider kann man nur schlecht Bilder vom Schiff machen, wenn man selbst auf dem Schiff ist. Drum gibt es hier nur ein Bild wie ich das Besan-Segel setze und ein Bild mit dem äußerst zufriedenen Skipper.

Leider lässt der Wind im Laufe des Mittags / Nachmittags ein wenig nach, so dass wir das Besen-Segel wieder einpacken und statt dessen den Motor zur Hilfe nehmen, damit wir nicht allzu spät an unserem Tagesziel ankommen.

Aus Erzählungen anderer Segler wussten wir schon, dass man auf der Strecke von Porto Santo nach Madeira sehr sicher Delfine zu Gesicht bekommen soll. Drum freuen wir uns sehr, als tatsächlich ca. fünf Delfine von der Seite auf „Sabir“ zugeschwommen kommen und uns schätzungsweise eine halbe Stunde begleiten. Sie schwimmen immer von hinten nach vorne an „Sabir“ entlang, spielen ein bisschen in der Bugwelle und lassen sich dann wieder zurückfallen. Auch das ist ein Traum.

Wir umrunden den nordöstlichen Zipfel Madeiras und steuern unsere Ankerbucht für diese Nacht, die „Enseada da Abra“ an. Kurz nachdem wir unseren Anker in der Bucht fallen lassen haben, erreicht mich eine Nachricht mit zwei Bildern auf dem Telefon:

Die Bilder wurden von M+G gemacht. Die beiden waren heute auf Madeira wandern und haben „Sabir“ an ihrer auffälligen Form und Farbe erkannt, als wir auf dem Weg zu unserem Ankerplatz waren. Die beiden waren vor ein paar Tagen schon von Porto Santo aus nach Madeira aufgebrochen. 

Nach dem Abendessen wollen wir noch versuchen mit dem Dinghy an Land zu fahren. Wir wollen uns noch ein bisschen die Füße vertreten und Maja springen lassen. Leider steht dermaßen viel Schwell in die Bucht, dass wir das Dinghy nicht an das steinige/felsige Ufer bringen. Wir schaffen es Andrea und Maja an Land abzusetzen und warten dann auf dem Wasser, bis sie wieder zurück kommen.

Zurück an Bord werden wir von einem wunderschönen Ausblick auf die Bucht und die umliegende Steilküste entschädigt, die von der untergehenden Sonne in ein tolles Licht getaucht wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.