Marmelade – Reisen bildet!

Wir haben bei einer Aktion des Supermarkts unseres Vertrauens einen Becher roter Marmelade geschenkt bekommen. Auf dem Deckel steht „Marmelada“ und wir haben uns gefragt, was da wohl für eine Marmelade drinnen ist.

Bei den Inhaltsstoffen steht als Hauptzutat „Marmelo“. Also ist es wohl eine „Marmelo“-Marmelade. Äh wie? Klar doch ist in Marmelade auch „Marmelade“ drin – aber welche Frucht ist das?

Es stellt sich heraus, dass Marmelo Quitten sind.

Das heißt eine „Marmelada“ ist ein zuckerhaltiger Brotaufstrich, der durch Einkochen von Quitten entsteht. Unser (süd-)deutsches Wort Marmelade kommt also aus dem Portugiesischen.

Wieder was gelernt. Es grüßen Euch Eure Bildungsreisenden.

Dreifache gelbe Warnung

Das berichtet die lokale Presse am Dienstag, den 3. November 2020 und das bedeutet: Warnung für Regen, Wind und Meer. Die Warnung gilt für Dienstag und Mittwoch.

Auf Madeira werden Winde bis 70km/h erwartet, was wieder zu Problemen am Flughafen führen könnte. Beim letzten Sturm „Barbara“ wurde sogar die Fährverbindung Madeira-Porto Santo sicherheitshalber eingestellt. Das ist dieses Mal nicht der Fall, vermutlich auch deshalb, da „Lobo“ am Dienstag sowieso seinen Ruhetag hat.

Wellen werden bis zu einer Höhe von 4,5 Metern vorausgesagt ebenso kräftige Regenschauer.

Auf Windy hatten wir schon am Samstag gesehen, dass der Sommer nur ein kleines Intermezzo geben wird.

Montag Abend präparieren wir Sabir mal wieder für den Wind. Peter bringt wieder einen zusätzlichen Anker aus. Da unser Dinghy vom Segeln noch auf dem Vorschiff ist, bietet Janne (unser schwedischer Nachbar von der „Emma“) Peter an, ihn mit seinem Dinghy rauszufahren, so dass er den Anker ausbringen kann. Wir nehmen das Angebot gerne an. Herzlichen Dank dafür!

Der Wind ist dieses Mal von Nordosten vorhergesagt. Deshalb wird Sabir diesmal die erste sein, die der Wind trifft. Sie wird mit ihrem ganzen Gewicht auf den Steg gedrückt werden. Schwer vorstellbar, dass sich 15 Tonnen einfach so bewegen lassen, aber die Kräfte der Natur sind immens.

Wir lassen unser Dinghy ganz auf das Deck am Vorschiff ab und zurren es gut fest. Das heißt gleichzeitig, dass wir nun die Luke am Vorschiff nicht mehr öffnen können. Somit haben wir beim Schlafen keine Frischluftzufuhr mehr.

Die Sonne verabschiedet sich an diesem Tag spektakulär.

In der Nacht zum Montag frischt der Wind merklich auf. Wir werden immer wieder durch den knarzenden Steg, die quietschenden Fender, die am Steg zusammengedrückt werden und das Plätschern des Wassers geweckt.

Das Frühstück findet heute leider wieder unter Deck statt, da es – wie vorhergesagt – kräftig regnet und der Wind uns frösteln lässt, obwohl es immer noch 20 Grad hat. Auch den Rest des Tages verbringen wir unter Deck.

Müssten wir nicht in regelmäßigen Abständen nach den Leinen, den Fendern und dem Steg schauen, würde uns bei diesem Wetter nichts nach draußen locken.

Bei einem dieser Kontrollgänge sehe ich eine kleine Boje an unserer Sabir entlang schwimmen und bemerke: „das muss unsere Markierungsboje vom ausgebrachten Anker sein“. Ich rufe Peter und bewaffne mich mit dem Bootshaken. Leider wird sie durch Wind und Welle schnell weiter getrieben. Der Wind steht jedoch in guter Richtung und treibt die Boje in den Hafen. Peter springt mit dem Bootshaken am Steg entlang auf das nächste gegenüberliegende Schiff und kann ihr mit dem Bootshaken immer wieder Schubse in Richtung Hauptsteg geben, so dass ich den kleinen Ausreiser aus dem Wasser fischen kann.

Der Tag erinnert ein wenig an einen stürmischen Herbsttag in Deutschland: Kuscheldecke, Tee, Buch.

Hier auf Sabir haben wir jedoch das Gefühl der Kraft der Natur näher zu sein:

  • Die Geräuschkulisse, die entsteht wenn der Wind mit 32 Knoten durch die Masten der Yachten im Hafen pfeift.
  • Das ständige Plätschern des aufgewühlten Wassers rundum (klingt ein bisschen wie der Schonwaschgang der Waschmaschine).
  • Die Wellen, die an den Rumpf und an das Heck schlagen.
  • Die geballte Kraft des Windes, wenn er Sabir mit voller Wucht auf die Seite legt und auf den Steg drückt.
  • Das Gefühl beim Laufen über die eigenen Füße zu stolpern, wenn Sabir von einer Seite auf die andere rollt.

Wir fühlen uns dennoch sicher und wohl. Irgendwie fühlt es sich auch schon fast ganz normal an und wir „schrecken“ eher auf, wenn plötzlich der Wind nachlässt und es ruhiger wird.

Bei einem Kontrollgang vor der Nachtruhe ist der Himmel sternenklar und wir sehen einen Teil des Sternbild des Orions. Wenige Minuten später ist der Himmel schon wieder bewölkt.

An Nachtruhe ist vor 1 Uhr nicht zu denken: Der Wind bläst mit über 30kn immer noch zu heftig um Sabir herum. Im Bett zu liegen fällt schwer, da man von den teils ruckartigen Bewegungen immer wieder geweckt wird.

Morgen soll es laut Wettervorhersage wieder ruhiger werden. Lediglich die Temperaturen sollen fallen. Das heißt für uns, dass wir nun unsere langärmligen Sachen rausholen müssen.

Der Sommer kehrt zurück

Madeira Island News berichtete am 26.10.:

SUMMER RETURNS END OF WEEK.

Das ist doch mal eine Wettervorhersage die uns freut.

Die letzten Tage war es kühl und es hat immer mal wieder geregnet, aber ab heute ist wieder Sommer.

Von der Nacht ist draußen noch alles feucht. Das haben wir hier so noch nicht erlebt. Macht aber nichts: Bis wir das Frühstück vorbereiten ist von der Sonne alles sehr schnell getrocknet und wir können mal wieder gemütlich an Deck frühstücken.

Nach dem Frühstück und Aufräumen haben wir noch etwa vier Stunden Zeit, bis wir heute zum Nachmittagskaffee bei unseren schwedischen Nachbarn auf der „Emma“ eingeladen sind. Zum Segeln reicht die Zeit nicht, daher entscheiden wir uns, eine kleine Wanderung zu machen.

Wir machen uns auf den den Weg Richtung der Kapelle „Capela de Nossa Senhora da Graça“, den wir ja schon kennen.

Wir kommen wieder bei einem Esel vorbei (ich habe ihn Fred getauft), der ohne Wasser auf steinigem, struppigem Boden steht. Wenn er uns sieht, versucht er zu uns zu laufen. Die Leine, die an seinem Hinterbein festgemacht ist, hält ihn jedoch davon ab. Sein durchhängender Rücken, sein struppiges Fell und die traurigen großen Glubschaugen sagen alles über sein wohl arbeitsreiches Leben. Wenn er sprechen könnte, ich wollte vermutlich gar nicht hören, was er von seinem Leben zu erzählen hätte…

Plötzlich flattert etwas über uns hinweg. Wir erkennen einen Wiedehopf. Leider waren wir mit der Kamera nicht schnell genug. Zuvor hatten wir heute auch schon einen Falken gesehen.

Auf dem letzten Stück des Weges zur Kirche kommen uns drei Jäger mit Jagdhunden entgegen. Sie waren auf Kaninchenjagd. Am Gürtel der Männer baumeln die leblosen Trophäen ihrer Jagd. Kein schöner Anblick.

Unterhalb der Kirche folgen wir dem Weg Richtung Pico do Castello.

Von hier haben wir einen schönen Blick über die Insel, der uns inzwischen schon sehr vertraut erscheint. Trotzdem hat er sich verändert. Wir erkennen immer wieder einen zarten grünen Flaum zwischen all der Dürre. Der Regen der letzten Tage hat der Insel sehr gut getan, er hat die sonst braune Insel in ein zartes Grün verwandelt.

Unser Weg wird gesäumt von Kaktusfeigen…

…die mit ihren Stacheln manchmal bedrohlich in den Weg ragen.

Plötzlich hören wir in der Ferne Schüsse und überlegen, ob es für uns sicher ist, wenn wir hier weiter laufen. Da es ein offizieller Wanderweg ist, wagen wir es weiter zu gehen.

Als wir um eine Wegkehre kommen sehen und hören wir Jäger, die ihre Hunde durch Pfiffe und Rufe in Schach halten. Die Hunde winseln, jammern, bellen und springen von hier nach da, die Abhänge hinunter und wieder hinauf. Sie wollen jagen. Es ist ein unübersichtliches Spektakel. Was jedoch zu erkennen ist: Die Jäger sind nicht sehr erfreut über unseren Anblick. Ich nicht über den Anblick der toten Kaninchen, die sie, würdelos an den Beinen zusammengebunden, kopfüber baumelnd, an ihrem Gürtel hängen haben.

Wir schlängeln uns auf einem schmalen Pfad an den etwa 10 Jägern vorbei, die schon aus der Ferne wild gestikulierend darum bitten, dass wir weiterlaufen sollen. Die sicherlich 50 Jagdhunde, die vom Adrenalin der Jagd aufgepeitscht sind und wild umher laufen, erschweren für mich das Durchkommen durch diese blutrünstige Meute.

Nur eine Wegbiegung weiter kommen wir an der Stelle an, an der wir heute einen der Caches auf dem Weg suchen wollen. Wir sind froh, dass die Jäger nicht gerade hier gestanden sind.

Danach geht es entlang einer Art Levada die von Kiefern gesäumt ist. Durch die warme Luft wird der angenehme Duft der Kiefern verströmt.

Nachdem wir einen weiteren Cache gefunden haben, müssen wir uns auch schon auf den Weg zurück machen.

Am Ende sind wir 9 Kilometer gelaufen und genießen anschließend den Nachmittag auf der „Emma“ mit Helena & Janne. Sie zeigen uns ihre Halberg-Rassy 42 und verwöhnen uns dann mit leckerem Apfelkuchen und Kaffee. Sie bieten uns auch noch schwedische Pfefferkuchen an, die mit einem Bild von „Emma“ (aus Zuckerguß?) verziert waren – eigentlich viel zu schade zum Essen. Vielen Dank für den schönen Nachmittag.

Bei Vollmond will mein Süßer mit mir segeln gehn…

…so war der Plan…

Eigentlich wollten wir am Samstag früh gegen 3 Uhr aufstehen um bei Vollmond raus zu fahren und in den Sonnenaufgang zu segeln.

Peter war am Freitag noch bis spät in die Nacht mit der Installation des Pico beschäftigt. Und wie das so ist: Bei Arbeiten an Bord schaut es gleich so aus, als würde das Innere der Einrichtung nach außen gestülpt. Will heißen, alles was in den Schränken war, liegt, gleich einem Hindernisparcours, im Weg und will nach getaner Arbeit auch wieder verräumt werden.

Dadurch sind wir gestern erst spät ins Bett gekommen und konnten uns nicht vorstellen schon um 3 Uhr wieder aufzustehen. Außerdem waren für die Nacht und den frühen Morgen noch hohe Wellen gemeldet. Das zusammen war der Grund unsere erste „Nachtfahrt“ nochmal zu verschieben.

So machen wir uns erst gegen 11 Uhr auf den für Sabir schon bekannten Weg Richtung „Martins Insel“.

Heute geht es jedoch noch ein Stückchen weiter in Richtung Norden um die Insel herum.

Nachdem wir gewendet haben um zurück zu fahren, haben wir etwas zu wenig Wind. Durch den fehlenden Druck im Segel und das Schaukeln in den Wellen schlägt der Baum des Großsegels zwei Mal heftig in die Großschot.

Wir sehen beide etwas weg fliegen. Als mein Blick auf den oberen Block der Großschot fällt, sehe ich, dass ein Schäkel gebrochen ist. Wir holen das Großsegel ein und unterstützen den Schäkel notdürftig mit zwei Leinen. Da es auch für die Genua zu wenig Wind gibt, rollen wir sie ebenfalls ein und machen uns unter Motor zurück auf den Weg zur Marina.

Am Steg angekommen bringt Peter einen neuen Schäkel an. Dort findet er auch einen Kabelbinder, der bei dem Schlag von einem Scheuerschutz einer Reffleine abgegangen ist – das war es, was wir haben fliegen sehen…

Wir sind froh, dass uns das tagsüber passiert ist. Wäre es heute Nacht gewesen, hätten wir den gebrochenen Schäkel vielleicht nicht rechtzeitig bemerkt und möglicherweise wäre noch ein größerer Schaden entstanden.

Pico – endlich Überblick über den Stromhaushalt

Als wir Anfang September im Hafen vor Anker lagen, hatten wir doch das Problem mit unseren Batterien (vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die Geschichte?). Eine Ursache des Problems – die parallel geschalteten Motor- und Service-Batterien – hatten wir damals schon gelöst. Die zweite Ursache des Problems war, dass eines der Solar-Panels wegen eines schlechten Kontakts keinen Strom geliefert hat.

Dass uns der Strom ausgeht, hätten wir damals bestimmt früher erkennen können, wenn wir einen richtigen Überblick gehabt hätten, wieviel Strom in die Batterien reingeht, wieviel wir wieder raus nehmen und wieviel Kapazität uns noch zur Verfügung steht.

Wir haben zwar eine Anzeige für die Spannung der Service-Batterien und eine für den Strom, der aus den Batterien entnommen wird – es fehlt uns jedoch das Wissen über den Ertrag aus Wind und Sonne, sowie eine Schätzung der Restkapazität.

Deswegen habe ich mich Ende September dazu entschlossen, mir einen „Pico-Batterie-Monitor“ von Simarine, sowie Anschlussmaterial zu kaufen. Das System besteht aus mehreren Modulen:

  • Der Pico-Batterie-Monitor: Ein Display, das den Zustand von Batterien, deren Ströme und Spannungen, aber auch Temperaturen, Füllstände von Tanks, sowie den Luftdruck anzeigen kann.
  • Ein so genannter „Shunt“ (SC501), der in die Messeleitung der Batterie gehängt wird und den gesamten Strom misst, der aus der Batterie hinaus oder in die Batterie hinein fließt (Dieser Shunt verträgt Ströme bis zu 500A). Hier kann auch die Spannung der Motorbatterie, der Servicebatterie, sowie deren Temperatur eingespeist werden.
  • Ein weiterer kleinerer Shunt (SCQ25) ist in der Lage über 4 Eingänge Ströme bis zu 25A zu messen.

Das aufwändigste und schweißtreibendste an der Installation des Pico war das Verlegen des Datenkabels vom Batteriekasten in der Backbord-Achterkajüte nach vorne zur Navigation (unter dem Bett durch eine Wand ins Bad, unterm Waschtisch hinter dem Klo durch eine weitere Wand zur Naviecke). Mit Hilfe eines Zugkabels gelingt es uns irgendwann das Kabel durch zu ziehen.

Das Display wird an einer freien Stelle der Navigation angebracht und an 12V, sowie an das Datenkabel angeschlossen: Das Display funktioniert und ist ohne weitere Konfiguration und ohne zusätzliche Geräte in der Lage das aktuelle Datum und die Uhrzeit, sowie den Luftdruck und die Spannung der Batterie anzuzeigen – cool! Der Batterie-Monitor wird ins Bord-WLAN eingebunden und ich bin auf dem iPhone in der Lage die Daten abzurufen und anzuzeigen – ich bin begeistert.

Jetzt kann der große Shunt an die Service-Batterie angeschlossen werden.

Mit einem hydraulischen Werkzeug zum Verpressen von Rohrkabelschuhen bereite ich ein Kabel für den Anschluss an die Batterie vor. Die Pressung erscheint mir sehr gut zu sein. Um zu prüfen, ob der Kabelschuh richtig mit dem Kabel verbunden ist, mache ich eine Zugprobe und hänge mich an das Kabel, wobei ich den Kabelschuh mit einer Leine an einem Haken festgemacht habe. Der Kabelschuh hält prima. Mit einem Schrumpfschlauch dichte ich den Kabelschuh gegen Feuchtigkeit ab.

Das Massekabel der Batterie wird entfernt und an den Shunt angeschlossen, danach wird der Shunt mit dem neuen Kabel an die Batterie gehängt. Nach dem Anschluss des Datenkabels ist der Pico in der Lage, den Strom anzuzeigen, der aus der Batterie gezogen wird.

Ich hänge nun noch die Massekabel von Batterieladegerät und Solarregler hinter den Shunt. Hurra, so kann nun auch der Strom gemessen werden, der in die Batterie rein fließt (den Windgenerator muss ich später mal umhängen, da habe ich nicht die richtigen Kabelschuhe zum anschließen…).

Als nächstes wird der kleinere Shunt an den Datenbus gehängt und die Plus-Leitungen von Batterieladegerät und dem Solarregler darauf geschaltet. Nun kann ich genau ablesen, wie viel Strom die beiden Geräte zum Laden der Batterie erzeugen (auch hier bleibt der Windgenerator zunächst außen vor…).

Nun können wir zu jedem Zeitpunkt sehen, wie es um unsere Batterien steht.

(Update 4.11.: Fotos vom Pico hinzugefügt)

Das letzte Mal

In Vila Baleira gibt es einen kleinen unscheinbaren Stand. Würde im Sommer nicht täglich eine lange Schlange an Menschen davor stehen, würde man vermutlich achtlos an ihm vorübergehen. An diesem Stand wird von einem 94-Jährigen (so hat man uns gesagt) eine Köstlichkeit verkauft: „Lambecca“. Das ist ein Softeis, das hier täglich frisch hergestellt wird. Die Eismaschine ist übrigens auch nicht mehr die Jüngste, diese sei anscheinend 50 Jahre alt…

Ein Lambecca, so sagen die Madeirer, sei das beste Eis, das es gibt: „Nach Porto Santo gehen und kein Lambeca zu essen, ist wie Rom zu besuchen und den Papst nicht zu sehen“ (wir waren beide schon in Rom und haben den Papst nicht gesehen…).

Das weiß auch Marcelo Rebelo de Sousa, der portugiesische Präsident, der am 7. August seine Ferien hier auf Porto Santo verbracht hat. Er hat es sich nicht nehmen lassen, hier unter den Augen der Presse ein Lambeca zu essen. Es hat Tradition hier auf Porto Santo, nach einem Tag am Strand zu Lambecas zu gehen und ein Eis zu essen.

Das außergewöhnliche am Lambecas ist: Man weiß nie im Voraus, welche Sorte es zu kaufen gibt. So ist jeder Besuch eine Überraschung. Es gibt immer Mischungen zweier Geschmacksrichtungen und man kann sich entscheiden, ob man nur eine der beiden Sorten oder beide gemischt haben möchte (wir haben immer gemischt gekauft). Wenn man früh genug kommt, dann gibt es sogar zwei unterschiedliche Kombinationen von Geschmacksrichtungen. Man kann zwischen „Grande“, „Double“ oder „im Becher“ wählen. Wir haben uns immer für Double entschieden. Zuhause haben wir immer einen Bogen um Softeis gemacht, hier waren wir die letzten Wochen häufig und haben es uns schmecken lassen.

Am 1. November geht der Lambeca-Verkäufer in seine wohlverdiente Winterpause. Heute wird vermutlich das letzte Mal gewesen sein, dass wir dieses Jahr ein Lambeca gegessen haben werden.

Barbecue am Strand

Mit Anne & Michael, Katharina & Markus und Jan von der „Billy“haben wir ausgemacht, wenn der Sturm vorüber ist, dass wir uns mit einem Barbecue am Strand „belohnen“.

Wir haben uns für Sonntag Abend am „kleinen Strand“ verabredet. Als wir dort ankamen, mussten wir leider feststellen, dass der Wind uns den Sand direkt in unser Essen wehen würde. Wehmütig entscheiden wir uns den Grill an der leerstehenden Freizeitanlage in weniger schönem Ambiente aufzubauen.

Wir bauen an der Treppe zur Anlage unser Buffet auf

und genießen den Abend mit leckerem Essen, Trinken und netten Gesprächen.

Nach Einbruch der Dunkelheit (heute eine Stunde früher wegen der Zeitumstellung) machen wir uns auf den Weg zurück und lassen den Abend im Cockpit der „Antari“ von Katharina und Markus ausklingen.

Alter Schwede!

Gestern ist hier eine Berühmtheit angekommen: Sven Yrvind. Sven ist ein schwedischer Segler, Bootsbauer und Autor. Er ist für seine Bootsentwürfe berühmt. Er baut winzig kleine Boote und macht mit diesen große Reisen und auch Ozeanüberquerungen. 2018 hat er sein letztes Boot „Exlex“ (Gesetzloser) konstruiert. Es ist gerade mal 5,76m lang und 1,04m breit („simple habits, simple boat“).

Anfang Juli ist Sven in Norwegen mit dem Plan non-stop nach Neuseeland zu segeln aufgebrochen. Er musste sein Vorhaben jedoch abbrechen, da seine Exlex dem Vorhaben nicht gewachsen war. Sie war voll beladen zu schwer, zu langsam und konnte nicht hoch genug am Wind segeln. Nach 78 Tagen auf See hat er seine Reise auf den Azoren abgebrochen.

Nach seinem Aufenthalt auf den Azoren ist er nach weiteren 22 Tagen gestern hier auf Porto Santo angekommen. Der 81 jährige ist noch etwas schwach auf den Beinen, da er die letzten 22 Tage in seinem Boot ausschließlich im Sitzen und Liegen verbracht hat. Außerdem hat er heftigsten „Landgang“ (so nennen wir das Gefühl, wenn man nach Tagen auf einem schaukelnden Boot an Land geht und es den Anschein hat, der Boden würde schwanken). Anfangs ist er nur mit einem Bootshaken als Stütze in der Lage an Land zu laufen, das gibt sich aber mit der Zeit.

Wir sind sehr beeindruckt von Sven und fühlen uns geehrt, ihn kennenlernen zu dürfen. Wir freuen uns jedes mal, wenn wir ihn in seinen „Schwedenfarben“ (gelber Südwester, blaues Hemd und blaue Hose)1 auf der Insel treffen.

1 witzigerweise hat er auf dem Foto, das wir gemacht haben, als er sein Boot an einen anderen Platz verlegt hat, ausnahmsweise ein weißes Hemd an…

Alles gut überstanden

Der stürmische Wind ist vorbei und auch der Schwell im Hafen hat nachgelassen. Im Maximum wurden 48kn Wind gemessen, dass ist im unteren Bereich der Windstärke 10 oder ca. 90km/h. Alles ist heil geblieben – nicht nur bei uns, sondern auch bei allen anderen Seglern hier im Hafen.

Aber der Sandstrand „fehlt“. Der Sturm und die Wellen, die an den Strand gebrandet sind, haben viel Sand mitgenommen und Steine freigelegt, die normalerweise unter dem Sand verborgen waren. Wir müssen mal bei Juan nachfragen, ob der Sand von alleine wiederkommt oder ob er eventuell im kommenden Frühjahr wieder aufgeschüttet werden muss.

Den ganzen Sommer war hier Sand…

Nachreichen möchte ich Euch noch ein kurzes Filmchen, das wir am 18.10.2020 während der Regenpause gemacht haben.

Dieses Video entstand am 18.10.2020 während einer Regenpause

Kommt der Regen vor dem Wind…

Es gibt eine Wetterregel, die lautet:

Kommt der Regen vor dem Wind, hol das Tuch herein geschwind.

Kommt der Wind vor dem Regen, Skipper kann sich schlafen legen.

Um 1:00 Uhr heute Nacht beginnt es zu regnen – interessanterweise genau zu dem Zeitpunkt, den PredictWind vorhergesagt hat. Es geht zu diesem Zeitpunkt nur sehr wenig Wind, geschätzt ca. 2 Beaufort (Bft.). Wenn die übrigen Vorhersagen auch stimmen, werden Regen und Wind in den nächsten drei Stunden zunehmen. Der Wind im Mittel auf ca. 22kn (5-6 Bft.) und in Böen 33kn (7 Bft.). Im weiteren Verlauf des Tages kurz nach Mittag erwarten wir dann im Mittel zwischen 26kn und 29kn und in Böen (je nach Quelle der Vorhersage) 35kn bis 40kn (8 Bft.).

Wir legen uns wieder hin und sind gespannt, wie es weiter geht.

Nach 3:00 Uhr setzt der erwartete Wind ein, dafür hat es aufgehört zu regnen. Der Windmesser zeigt die vorhergesagten Geschwindigkeiten um die 24kn an. In der Hafeneinfahrt stehen wieder schäumende Wellen, es kommt Bewegung in die Schiffe.

4:30 Uhr: Zwischenzeitlich sind die Böen auf bis zu 35kn hoch gegangen. Die brechenden Wellen von der Seeseite kommen immer wieder über die Hafenmauer. Der Wind hat von Süden auf Südwesten gedreht und auf 15-20kn abgenommen. Es regnet wieder. Die armen Ankerlieger werden ziemlich durchgeschaukelt und auch wir haben viel Bewegung im Schiff. Es fühlt sich alles wieder angenehmer an und wir legen uns wieder zum Schlafen hin.

Wir konnten tatsächlich bis 8:30 Uhr schlafen. Es hat weiter geregnet, aber den Wind hat man kaum noch gespürt. Wir stehen auf und laufen vor an die Hafeneinfahrt. Der Wind hat weiter über West auf Nordwest gedreht und der Schwell hat damit nachgelassen und steht nicht mehr in die Hafeneinfahrt. Die Welle im Hafen ist somit fast weg. Trotzdem bleibt es auf Sabir unruhig. Sie ruckt in den Leinen und schaukelt im Wind.

Im Verlaufe des Vormittags frischt der Wind wieder auf und bewegt sich im Bereich um 6 Bft. Anfangs war es noch bewölkt und regnerisch, vor etwas mehr als einer Stunde ist die Sonne rausgekommen – ab und zu regnet es bei strahlendem Sonnenschein…

Wir sind froh, so gut durch die Nacht gekommen zu sein und denken, dass auch der Tag gut verlaufen wird.

Gestern hat uns ein Mitarbeiter der Marina Porto Santo sinngemäß gesagt: „Porto Santo ist so klein, da kann so ein Wetter durchaus auch mal ungestreift vorbeiziehen.“ Er stand mir mit langer Hose und langärmligem Hemd schwitzend in der prallen Mittagssonne gegenüber. Er hatte mit viel Regen und kaltem Wind gerechnet.

Gerade, als ich aufhöre mit Schreiben, nimmt der Wind wieder zu und es blasen Böen mit bis zu 36kn über uns hinweg. Es bleibt interessant.