Boat Work und Grill-Party

Ich habe heute das Funkgerät an das GPS angeschlossen und unsere MMSI (quasi die Telefonnummer unserer Funke) einprogrammiert.

Bei der Gelegenheit hat sich wieder gezeigt: Macht man was am Boot, macht man es meist zwei mal. Das erste mal ist der Versuch alles richtig zu machen. Klappen tut es erst beim zweiten Mal…

Ich habe im Vorfeld gelernt, dass man mehrere Geräte gleichzeitig an den selben NMEA-Ausgang anschließen kann. Was ich erst nach dem ersten Versuch gelernt habe: Der eine Ausgang des Kartenplotters (GPS) ist für das AIS auf 38400 Baud gestellt, der andere auf die vom Funkgerät benötigten 4800 Baud. Die Wahrscheinlichkeit den richtigen zu erwischen war 50:50. Ich habe zuerst den Falschen erwischt. Letztendlich funktioniert alles. Die Funke kennt nun unsere Position und kann diese nun mit unserer MMSI zusammen aussenden.

Am Abend haben wir uns mit unseren Stegnachbarn (viele Franzosen, ein paar Spanier, eine Brasilianerin, ein Engländer und ziemlich exakt eine Handvoll Deutsche) zum Grillen getroffen. Jeder hat etwas Fleisch, Beilagen (Salate, Dipps,..) und Getränke mitgebracht und alle haben sich daran bedient.

Es war ein sehr geselliger Abend mit vielen netten Gesprächen.

Ein müder Tag und „provisioning“…

Heute ist ein überaus müder Tag. Mich fällt kurz nach dem Aufwachen eine Migräne an und schickt mich zurück auf die Matte.

Zum Glück haben wir vom Juli noch ein paar Vorräte und Claudia kann uns einen Kaffee und aus den Haferflocken mit heißem Wasser und Marmelade einen Porridge kochen.

Nach dem einfachen Frühstück nehme ich eine Tablette gegen die Kopfschmerzen und schlafe den Schmerz weg. Nach einer halben Stunde geht es schon wieder gut.

Wir vergammeln den Tag im Cockpit. Irgendwie ist noch die Luft raus. Die Arbeit der letzten Tage und die Anreise haben uns platt gemacht.

Ach ja: Gegenüber ist eine Yacht abgereist, also ist ein auch eine Steckdose frei geworden. Yeah: Kühlschrank läuft.

Gestern haben wir noch erfahren, dass in Vila Baleira zu ehren Columbus ein Mittelalterliches Fest ist. Es wird die Ankunft von Christoph Columbus auf Porto Santo gefeiert. Da werden wir heute noch hingehen – aber zuerst müssen wir einkaufen.

Wir laufen mit unserem faltbaren Sackkarren und zwei Faltboxen ins Dorf und versorgen uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage.

Nachdem die Einkäufe verstaut sind, schraube ich mit großem Zeremoniell den Grill von „La Seconda“ an. C. hat uns diesen geschenkt, als wir ihn und E. Ende August besucht haben. Der Grill hatte ihm an seinem Boot lange Jahre gute Dienste geleistet. Wir werden ihn in Ehren halten und ihn demnächst hier mal einweihen. Danke noch mal.

Am Abend gehen wir tatsächlich noch ins Dorf um uns das mittelalterliche Treiben anzuschauen. Die Dorfbewohner sind alle entweder als Piraten, als Bürger oder Soldaten verkleidet. Je Kinder, desto Pirat, je Erwachsener, desto Soldat.

Gegen 20:00 Uhr machen wir uns langsam auf den Weg zurück in die Marina. Andrea hat geschrieben, dass sie knapp 2 Stunden vor der Marina ist. Sie ist heute einhand von Funchal aus nach Porto Santo unterwegs und wir wollen beim Anlegen ihre Leinen entgegen nehmen. Sie hat in den vergangenen Wochen, als wir weg waren, immer mal nach „Sabir“ geschaut. Wir freuen uns sehr sie wieder zu sehen.

Wir laufen an der Promenade entlang und sehen ihre Positionslichter in der Dunkelheit auf dem Meer. Hm, irgendwie ist sie doch schneller, als gedacht. Irgendwann rennen wir den Weg zur Marina um rechtzeitig da zu sein.

Fast gleichzeitig mit Andrea kommen wir in der Marina an und leuchten Ihr mit dem roten Licht der Stirnlampe den Weg in den freien Platz am Steg.

Nachdem die Leinen fest sind, laden wir Andrea zu uns auf das Schiff ein und lassen uns von ihr in unserem Cockpit erzählen, was die letzten Wochen hier auf Porto Santo passiert ist.

Zurück im Paradies

Wir sind wieder zurück auf Porto Santo. Gegen 22:00 Uhr sind wir auf dem Flughafen von Porto Santo gelandet. Mit dem Taxi ging es zur Marina. Der Taxifahrer meinte, „willkommen im Paradies“. Es fühlt sich tatsächlich so an.

Wir packen unsere Taschen auf „Sabir“ und reißen alle Luken auf. Es ist gute Luft im Schiff – kein Wunder bei dem trockenen Klima hier auf der Insel.

Die Marina ist voll bis zum letzten Platz. So voll, dass wir für unseren Landstrom keine freie Steckdose mehr finden. Egal, wir haben ja eh noch keine Lebensmittel, die gekühlt werden müssten. Morgen müssen wir dann aber schauen, wie wir zu Strom kommen.

„Sabir“ fühlt sich gut an. Es ist tatsächlich ein bisschen, wie nach Hause kommen. Sie ist für uns bereits eine sehr vertraute Umgebung geworden.

Wir haben noch das Bedürfnis, auf unsere Rückkehr anzustoßen. In 15 Minuten wird die Marina-Bar schließen, also nichts wie los.

Wir sitzen zufrieden und glücklich bei angenehmen 22 Grad auf der Terrasse und fühlen uns einfach nur wohl.

Nach einem kurzen Abstecher an den Strand machen wir uns auf den Heimweg und fallen müde in unsere Kojen.

Die letzten Tage

Jetzt sind als schon fast drei Wochen vorbei, 20 Tage auf Sabir…süßes nichts tun, in den Tag leben. Wir haben es uns gut gehen lassen und wir durften in eine Welt schnuppern von der wir sonst nur gelesen und gehört haben…und was wir da erlebt haben, das fühlt sich echt saumäßig gut an!

Wir haben viele nette Menschen kennengelernt die ihren Traum leben, Menschen die viel Geld haben und sich diesen Traum erfüllen können, aber auch Menschen die, wie wir vermuten, jeden Cent dreimal umdrehen müssen um diesen Traum leben zu können.

Was wir auch erlebt haben ist eine enorme Hilfsbereitschaft unter den Yachties. Sei es ob jemand Hilfe beim Anlegen oder Ablegen braucht, es steht immer sofort eine helfende Hand bereit.

Das gleiche erleben wir bei Reparaturen die an Bord nötig sind, es gibt immer jemand der mit Rat und Tat zur Seite steht.

An unserem letzten Tag sind wir früh aufgestanden, haben unsere Koffer gepackt, Sabir von Salzwasser und Sand befreit. Nach getaner Arbeit und Wehmut im Herzen haben wir unsere Stegachbarn auf einen Kaffee in der Marinabar eingeladen. Da saßen wir dann, eine fröhliche kleine Runde von elf Personen mit den unterschiedlichsten Sprachen: portugiesisch, französisch, englisch, deutsch. Mit Händen und Füßen haben wir uns verständigt und wussten wir verstehen uns.

Von allen kennen wir die Geschichten woher sie kommen wohin sie wollen…und alle wollen sie das gleiche…dem Leistungsdruck und der Profitgesellschaft entfliehen und leben.

Leider mussten wir die fröhliche Runde dann verlassen um unsere gepackten Koffer von Sabir zu holen und um uns letztendlich von Sabir zu verabschieden.

Die anderen haben in der Marinabar auf uns gewartet um uns zu verabschieden, was für ein trauriger Abschied. Da ist man drei Wochen an einem Ort, lernt Menschen kennen und ist traurig wenn man gehen muss…der Abschied war für mich sehr tränenreich, ich hab mich wohl gefühlt in diesen drei Wochen. Ich durfte sein wie ich bin, musste mich nicht verstellen es war nicht wichtig was du bist sondern wer du bist.

Wir machten uns dann auf den Weg zur Fähre mit wehmütigen Blicken in Richtung Sabir. Für Peter ist schon klar, dass er im September wieder für zwei Wochen kommt, bei mir ist das alles noch nicht sicher, ich habe nicht mehr so viele Urlaubstage.

Als wir in Funchal im Hotel angekommen sind überlegen wir ob wir uns ins Nachtleben von Funchal stürzen, bemerken aber schnell, dass wir unsere Ruhe möchten und einfach nur müde sind.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen in unserem Hotel laufen wir dann plan- und ziellos durch Funchal, sind irgendwann im Hafen von Funchal, sitzen in einem tollen Kaffee mit Blick aufs Meer, haben sehnsüchtige Blicke in die Ferne und sehnen uns an die sorgenfreie Zeit zurück.

Zu Hause fühle ich mich in geschlossenen Räumen wie ein Tiger im Käfig. So oft ich kann bin ich draußen und wenn möglich schweift mein Blick in den Himmel, dabei habe ich das Gefühl, dass ich nicht eingeschränkt bin und meine Gedanken frei sind.

Oft ertappe ich mich daheim wie ich darüber nachdenke wie minimalistisch wir die letzten drei Wochen gelebt haben und nichts vermisst haben. Auf 11,37 m Länge und 4,02 m Breite auf zwei Stockwerken hatten wir alles was wir brauchen.

All die Menschen die wir kennengelernt haben, „verzichten“ auf so vieles und haben dadurch nur Gewinn.

Jetzt heißt es wieder warten und geduldig sein…Sabir steht unter anderem ja auch für Geduld…

Endlich: Wir segeln…

Die letzten Tage gab es immer etwas, das wir wichtiger/dringender/lieber gemacht haben, als „Sabir“ in „Segel-Konfiguration“ zu bringen und raus zu fahren. Heute wird das anders.

Irgendwie komisch – oder? Als Charter-Kunde hat man doch immer versucht jeden Segeltag so intensiv wie möglich auszunutzen. Da ist ein Hafentag fast schon verlorene Zeit. Man hat die Tage auf der Yacht bezahlt, also muss man sie auch ausnutzen.

Das ist hier auf Porto Santo und auf „Sabir“ irgendwie anders. Wir nutzen sie gerade schon alleine dadurch sehr intensiv, dass wir sie bewohnen.

Wir sind immer noch am Räumen, Schränke durchschauen und uns zu überlegen, was „Sabirs“ Vorbesitzer mit all den Dingen gemacht haben und aus welchem Grund die Ausrüstung genau dort verstaut ist, wo wir sie finden.

Aber ich schweife ab. Es geht um‘s segeln.

Damit wir raus können, müssen wir aus unserer Wohnung wieder eine Segelyacht machen – sprich auf- und umräumen. Segel auspacken und das Fall anschlagen. Außerdem müssen wir die Dinge, die wir derzeit an Deck ausgelagert haben wieder unter Deck räumen.

Auch gilt es, Claudia mit den Fallen, den Reffleinen und den Schoten zum Segeln vertraut zu machen.

Nicht zuletzt möchte ich draußen im Hafenbecken, wo wir vor Anker lagen, Claudia und mich noch ein paar Übungsrunden unter Motor drehen lassen.

Na dann mal los!

Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir bereit zum Ablegen. Wir werfen die Leinen los und fahren aus unserem Liegeplatz.

Die Proberunden unter Motor zeigen noch einmal deutlich: „Links rum mag sie nicht“. Im Nachhinein erinnere ich mich an den Probeschlag bei der Übergabe, als Stefan mir das schon zeigte. Also muss heute Nachmittag eine andere Strategie zum Anlegen her.

Wir fahren raus und setzen das Groß- und danach das Vorsegel. Nach kurzer Zeit fahren wir mit raumem Wind (also von fast hinten) am Strand von Porto Santo entlang Richtung Südwesten und haben beide ein fettes Grinsen im Gesicht.

Wir halsen auf den Backbordbug und fahren am Wind zurück nach Nordost.

Auch am Wind segelt Sabir entspannt. Auf diesem Kurs spüren wir die lang gezogene Atlantikwelle. Ein schönes Gefühl, das wieder zu erleben.

Jetzt fehlen nur noch Delfine… … Delfine haben wir leider keine gesehen – dafür ist ein fliegender Fisch vor unserem Bug aus dem Wasser gesprungen und überraschend weit über das Meer geflattert.

Wir segeln noch hoch in Richtung der Ilhéu de Cima, drehen dann wieder um und segeln zurück in Richtung zur Marina. Wir bergen die Segel und lassen vor dem Strand den Anker fallen. So können wir in Ruhe alles vorbereiten, bevor wir wieder in den Hafen und auf unseren Platz fahren.

Der Wind bläst kräftig und böig – so will ich nicht unbedingt anlegen… Aber wir haben in den vergangenen Tagen schon beobachtet, dass der Wind und die Böen zum Abend hin weniger werden.

So warten wir noch ein bisschen und freuen uns über den gelungenen Segeltag.

Als der Wind weniger wird, gehen wir Anker auf und fahren in den Hafen. Ich merke, wie ich ein bisschen nervös werde. Aber ich habe einen Plan und lasse mir die Nervosität nicht anmerken: Rückwärts fahre ich in unsere Gasse (der Wind kommt von vorne auf die Nase) und lasse mich an unserem Fingersteg vorbei sacken. Nun kann ich den Gang wieder vorwärts einlegen. Gegen den Wind kann ich den Bug nach Steuerbord drehen und völlig entspannt an den Steg fahren. Helfende Hände stehen schon bereit und nehmen Claudia und mir die Leinen ab.

Wir sind glücklich wieder fest und lassen den Abend gemütlich ausklingen: Wir lesen uns aus dem Buch „Mit 50 Euro um die Welt“ von Christopher Schacht vor.

Aus der Zukunft kann ich Euch übrigens berichten, dass wir noch zwei weitere Male draußen gewesen sein werden und das Segeln mit Sabir sehr genossen haben.

500m Luftlinie, 10km Fußmarsch

Heute ist Wandertag. Seit wir im Hafen von Porto Santo sind schauen wir auf einen Berg mit einem Aussichtspunkt – den Miradouro da Portela. Heute ist der Tag, um vom Aussichtspunkt auf den Hafen und unser Schiff zu schauen.

Auf der Karte ist der Aussichtspunkt gerade mal ca. 500m Luftlinie entfernt. Der kurze Weg nach oben ist aber nur den Bergziegen vorbehalten. Vermutlich durch Erosion ist er ausgewaschen und von tiefen Furchen durchzogen, so dass wir mit unserem ungeeigneten Schuhwerk da nicht hoch wollen.

Wir gehen entlang der Straße in Richtung Dorf und biegen dort Richtung Aussichtspunkt ab. Die Straße geht stetig bergauf. Da es immer windig ist, ist das Laufen in der Sonne recht angenehm.

Ab einer gewissen Höhe haben wir schon einen schönen Ausblick auf die Insel und können an der Küste entlang schauen.

Oben angekommen haben wir dann wirklich die gesamte Südküste im Blick. Wir sehen den südöstlichsten Zipfel, den Hafen mit Sabir und den langen Sandstrand bis zum südwestlichen Ende der Insel. Es ist wunderschön.

Wir verbringen einige Zeit hier oben: Wir suchen einen Cache und schauen uns die Windmühlen an, mit denen früher das Mehl als Proviant für die Schiffsreisen nach Amerika gemahlen wurde.

Auf dem Rückweg machen wir am „Panorama Restaurante“ halt und trinken einen Galão. Das Restaurant bietet einen Transfer an und würde uns in der Marina abholen. Mal schauen, ob wir da am Wochenende essen gehen.

Weiter unten auf dem Weg zurück kommen wir noch an der „Cappella de Nossa Senhora de Graça“ vorbei. Leider können wir das Kirchlein nur von außen anschauen, die Türen sind verschlossen. Dennoch hat sich der Abstecher gelohnt, wie man auf den Bildern sehen kann.

Zum Hafen zurück nehmen wir den Weg am Strand entlang und legen uns dort noch ein wenig in den warmen und weichen Sand, der übrigens wegen seiner Zusammensetzung heilende Wirkung haben soll: Dreißig Minuten in den 40 Grad heißen Sand eingegraben soll er rheumatische Beschwerden heilen.

Auf Sabir angekommen sind wir heute ca. 10km gelaufen. Es hat gut getan mal wieder eine längere Strecke zu laufen.

Vila Baleira

Die letzten Tage nimmt der Wind immer mehr zu und bläst im Hafen teils recht böig mit 15-20kn. Nach meinen letzten Erfahrungen mit dem Anlegen muss ich ehrlicherweise zugeben, dass ich gerade auf leichtere Bedingungen warte. Das muss nicht noch mal sein.

Aber ich muss Euch auch sagen, es plagt mich schon, dass schon so viel Zeit verstrichen ist und wir noch nicht zum Segeln gekommen sind.

Wie auch immer, heute schauen wir uns mal ausgiebig die Hauptstadt – bzw. das Hauptdorf von Porto Santo an. Bislang sind wir immer nur nach Vila Baleira zum Einkaufen in den Supermarkt gelaufen, heute soll das anders werden.

Entlang der Inselhauptstraße geht es 2km vom Hafen in Richtung Dorf immer am 9km langen Sandstrand entlang.

Im Dorf angekommen haben wir uns den Parque Florestal dos Salões angeschaut. Früher war Porto Santo eine bewaldete Insel. Durch Rodungen hat die Insel nahezu alle Bäume verloren. Inzwischen wird hier versucht wieder aufzuforsten.

Vom Park aus gehen wir wieder hinunter Richtung Strand und entdecken entlang der Straße viele kleine Läden, Restaurants und Bars. Es gibt eine schöne Fußgängerzone und das Christoph Columbus Museum.

Am Strand angekommen, setzen wir uns an einen Stand, an dem „Bolo Do Caco“ gebacken wird. Das ist ein Hefebrot, das zum Beispiel mit Schinken und Käse gefüllt gebacken wird. Es wird vor dem Verzehr aufgeschnitten, noch einmal auf dem Herd angeröstet und danach mit Knoblauchbutter bestrichen. Eine äußerst leckere, wenn auch ziemlich fettige Mahlzeit…

Wir gehen noch etwas am Strand spazieren und machen uns dann – ebenfalls am Strand entlang – auf den Weg zurück in die Marina und zu Sabir.

Heute wollen wir mit einem Sundowner aktiv dazu beitragen, dass die Sonne auch sicher untergeht. Allerdings ist das Tonic im Kühlschrank eingefroren (es hat den Anschein, dass das Thermostat des Kühlschranks zwar korrekt ein- nicht aber wieder ausschaltet…). Wir hängen die Flasche für ein paar Minuten in das kühle Atlantikwasser und tauen sie so auf (dies für alle, die sich immer schon gefragt haben, warum der Atlantik so kaltes Wasser hat).

Bei Chips, Bier und einem leckeren Hendricks mit Tonic und Gurkenscheiben lassen wir den schönen Tag ausklingen und genießen den Sonnenuntergang über Porto Santo.

Mein schlimmster Anleger

Wir hatten ja geschrieben, dass wir uns wegen einer Regatta in den Hafen vor Anker legen mussten.

Die Regatta war am 12.7. beendet und wir wollten wieder frühzeitig zurück an einen Schwimmsteg, damit wir einen Platz im Hafen haben, an dem Sabir bis Ende Oktober liegen bleiben kann.

Im Laufe des Vormittags, nach dem Frühstück, haben wir uns für das „Anker-auf“ bereit gemacht an allen Ecken Leinen vorbereitet und mittschiffs je eine Leine für eine Spring bereit gelegt.

Im Hafenbecken war kräftiger böiger Wind, der quer zu den Fingerstegen geblasen hat.

Wir haben den Anker aufgenommen und ich habe Sabir in Richtung der Stege gesteuert. Ein Marinero hat uns einen Platz angewiesen. An der entsprechenden Stelle angekommen habe ich Ruder Backbord gelegt und darauf gewartet, dass Sabir eindreht… … … ui, die Dame will nicht. Langsam dreht der Bug in Richtung Box – viel zu langsam. Ok, dann wieder zurück und noch mal ansetzen. Holla, der Radeffekt. Stoisch zieht sich Sabirs Heck nach Steuerbord und wir stehen quer zum Wind und treiben die Gasse zwischen den Stegen runter auf die Steine und die Mole zu. Ruhe bewahren und auf dem Teller wenden. Das mit der Ruhe ist leichter gesagt, als getan. Immer wieder komme ich den anderen Yachten gefährlich nahe. Irgendwie gelingt es mir Sabir mit dem Heck gegen den Wind zu drehen und wieder Richtung Box zu fahren. Im Wahn versuche ich gegen den Radeffekt rückwärts in die Box zu fahren – wieder daneben, erneut stehen wir quer. Wieder treiben wir gefährlich nahe auf die Steine zu. Knapp aber rechtzeitig drehe ich den Bug in den Wind, fahre komplett aus der Gasse raus, drehe um und versuche es erneut, Sabir über Backbord in die Box zu bekommen. Ich lege früher Ruder, der Wind lässt nach, wir gleiten in die Box und machen fest.

Claudia schaut mich erschrocken an, so schlecht hat sie mich noch nie anlegen sehen.

Fazit: Alles heil geblieben. Schreck in den Knochen.

Hausaufgaben: Anlegen üben.

(Anmerkung aus der Zukunft: Das nächste Anlegen wird deutlich geschmeidiger und beim ersten Anlauf geklappt haben)

Hafenbildchen

An der Hafenmauer von Porto Santo sind viele Bilder, die von Blauwasser-Crews aller Welt (meistens aus Europa) gemalt wurden, als diese hier waren, bevor sie weiter gefahren sind.

Als wir am Abend vor Anker Richtung Hafenmauer geschwojt sind, ist Claudia das Bild der Crew der Roald Amundsen aufgefallen, die hier auch schon lag.

Rüdiger unser erster Steuermann auf der Roald bei unserem Törn an Pfingsten hatte uns bereits erzählt, dass die Roald auf ihrem Weg über den Atlantik hier häufig Station macht.

Claudia hat aus diesem Anlass ihr Crew-Shirt angezogen.

Prompt wird sie an der Hafenbar angesprochen, ob sie zu dem hübschen Schiff gehört:

– „Ja, zu Sabir“

– „Nein, zu dem hübschen Schoner, der am Strand vor Anker liegt.“

– „Hm, nö…“

(es liegt tatsächlich ein sehr hübscher Zweimast-Schoner vor dem Strand)

Unsere ersten Tage auf Sabir

Jetzt ist es also soweit, wir sind auf Sabir. Wow, sie ist echt ne Hübsche, sie hat zwar ihre Ecken und Kanten, die man in ihrem Alter sehr wohl auch haben darf. Sie hat Charme, viel mehr als die Boote die wir seither in Kroatien gechartert haben. Sie hat innen viel Holz, nur an wenigen Stellen sieht man Plastik.

Wir werden jetzt also drei Wochen hier auf unserer schwimmenden „Ferienwohnung“ verbringen.

Gleich am Sonntag haben wir Sabir aus der Marina in den Hafen vor Anker gelegt, da eine Regatta aus Portugal erwartet wurde. Die brauchen den ganzen Platz in der Marina.

Wir sind am um-, aus- und wegräumen, genießen aber jeden Tag ohne Wecker aufwachen zu dürfen; radeln mit den Klapprädern ins 2 km entfernte Vila Baleira zum Einkaufen oder paddeln mit dem Dinghy, nachdem der Außenborder (der Vergaser) zum wiederholten Mal abgesoffen ist, vom Hafenbecken in die Marina um von dort zu Fuß zum Einkaufen zu starten. Wir kaufen viel frisches Obst wie Ananas, Bananen, Mango usw., das hier so schmeckt wie es schmecken soll. Wird uns zu Hause jemals wieder eine Banane schmecken? Das Nachhause schleppen der Einkäufe erscheint in dieser traumhaften Kulisse wie von alleine zu gehen. Wir haben soviel Zeit und nehmen uns diese auch um die Dinge des Alltags zu erledigen, die Uhren scheinen hier anders zu ticken.

Wir nehmen uns jeden Tag vor zu segeln, aber immer ist irgendwas…verstopfter Abfluß im Spülbecken, Dieselgeruch in unserer Kajüte, liefert der Windgenerator wirklich Strom?, Geber für Windmesser im Masttopp erneuern…und so vergeht jeder Tag, die Zeit plätschert und wir lassen uns einfach treiben ohne Plan, ohne Ziel ohne ständigen Blick auf die Uhr.

Für morgen nehmen wir uns auf jeden Fall vor segeln zu gehen. Für heute Nacht scheint es gut zu sein im geschützten Hafenbecken zu sein, da wir relativ viel Wind erwarten.