Der achte Buchstabe im griechischen Alphabet

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) weist den tropischen Störungen (Tropensturm, Hurrican) jährlich 21 Namen zu. Dieses Jahr waren die Namen bereits im September „aufgebraucht“. Dann wird auf die Buchstaben des griechischen Alphabets zurückgegriffen.

Zweimal musste die WMO in ihrer Geschichte bei der Benennung von Tropenstürmen auf das griechische Alphabet zurückgreifen:

2005 wurden die Namen der Hurricans bis zum 6. Buchstaben des griechischen Alphabets benannt.

2020 sind wir schon beim 8. Buchstaben angelangt.

Anfang letzter Woche wurden wir über die lokalen Medien und Windy auf den Tropensturm „Theta“ aufmerksam. Er hat Kurs auf Madeira genommen und die Vorhersage waren Winde bis 100 km/h.

„Theta“ ist der 8. Buchstabe des griechischen Alphabets. Während ich diese Zeilen schreibe, wütet bereits „Iota“ (der 9. Buchstabe) in Nicaragua. Da ist nur zu hoffen, dass uns dieses Jahr die Buchstaben nicht ausgehen…

Als die ersten zwei Herbststürme auf Porto Santo vorhergesagt waren, waren wir ziemlich nervös. Inzwischen wissen wir, wenn Lobo seine Fährverbindung absagt, Flüge gestrichen und die Fischer hier im Hafen nervös werden, dass auch wir uns dann wieder ernsthaft Gedanken über unsere Leinen und den maroden Steg machen müssen.

Mit der Zeit sind wir ja schon fast Profis geworden um Sabir – und uns – für schlechtes Wetter zu präparieren. Aber ein Tropensturm? Das fühlte sich doch nochmal anders an. Da die zwei Anker noch liegen, bekommt Sabir und „unser“ Fingersteg noch eine zusätzliche Leine. Mehr können wir nicht tun.

Wir haben die letzten Tage sehr genau das Geschehen über Windy und über die amerikanische Seite NHC (National Hurrican Center) verfolgt.

Wir sind froh, als wir ein paar Tage später über das NHC und unsere Wetter-Apps erfahren haben, dass sich „Theta“ in einen posttropischen Sturm verwandelt und seine Zugrichtung verändert hat.

Wir wurden „nur“ noch vom Schwell der Wellen im Hafen durchgeschaukelt und haben ein bisschen Wind zu spüren bekommen.

Wattestäbchen und Strohhalme – das Meer kotzt sich aus…

Habt Ihr Euch auch immer gefragt, was das EU-Verbot für Wattestäbchen und Strohhalme soll? Ist es nicht viel sinnvoller, Einwegtüten und die ganzen anderen Sachen aus Plastik zu verbieten?

Jedes Mal, wenn der Wind aus südlichen Richtungen weht, kommen auch große Wellen an den schönen Strand von Porto Santo. Diese Wellen spülen nicht nur den Sandstrand weg, sie bringen auch Plastikmüll.

Schon nach dem letzten Sturm am 19. Oktober haben wir uns mit Caroline, einer belgischen Einhandseglerin an unserem Strand getroffen um angespülten Müll zu sammeln.

Das haben wir auch heute Morgen wieder gemacht. Wir waren insgesamt zu fünft und haben ungefähr 90 Minuten gesammelt. Es ist unglaublich, wie viel Müll das Meer an den Strand gespült hat.

Claudia kümmert sich um den feinen Plastikmüll, der auf dem Wasser schwimmt und mit jeder Welle an den Strand gespült wird.

Claudia ist schnell sehr deprimiert, da – kaum hat sie die winzigen Plastikteile eingesammelt – jede Welle wieder einen neuen Saum aus Plastik auf den Strand spült. Man kann fast das Gefühl haben, dass der Atlantik den ganzen Müll loswerden möchte und sich auf den Strand „auskotzt“. Eine wahre Sisyphos-Arbeit

Pascal findet einen halb im Strand vergrabenen Rumpf eines Glasfaser-Bootes und versucht ihn auszugraben. Leider gelingt es ihm nicht, es steckt viel zu tief im Sand… Wir nehmen an, dass es da schon länger liegt und durch die Wellen der letzten zwei Tage freigespült wurde.

Ich bin derweil damit beschäftigt, den Strand systematisch von größeren Plastikteilen zu befreien, die sich zwischen den Steinen angesammelt haben.

Zum Abschluss schütten wir unsere Ausbeute noch einmal auf einen Haufen, bevor wir alles in die Mülltonne werfen.

Ich mache mir dabei die Mühe, die angespülten Strohhalme und die Wattestäbchen auszusortieren. Jetzt ist es klar, wieso die mit zuerst verboten wurden – es sind anteilig an dem ganzen Müll einfach zu viele.

Zum Abschluss gehen wir in der Marina-Bar einen Kaffee trinken. Es ist ein gutes Gefühl etwas getan zu haben – gleichzeitig wissen wir aber auch, dass unsere Aktion nicht mal ein Tropfen auf einen heißen Stein ist. Claudias Mühen mit den winzigen Plastikteilen haben uns das aufs deutlichste gezeigt. Als wollte uns das Meer sagen: „Ihr glaubt, dass Ihr was bewirkt? Hier schaut, ich habe noch so viel mehr davon…“

Niemand würde auf die Idee kommen, bei einer überlaufenden Badewanne nur das Wasser auf dem Boden aufzuwischen. Der Wasserhahn muss zugedreht werden! Vermeidet Plastik!

Vorbereitungen zum Auskranen

Wenn wir am Dienstag aus dem Wasser gehen, ist es praktisch, wenn wir vorher schon unsere Segel runter genommen haben. Die Genua und das Besansegel kommen über den Winter weg (beide sind noch relativ neu und gut, das Großsegel bleibt aber oben).

Am Samstag war es schwachwindig und wir habe die Genua runter genommen. Für den Besan war keine Zeit mehr, da es im Verlaufe des Nachmittags beginnt schnell feucht zu werden. Die Segel müssen jedoch trocken sein, damit sie in ihrer Tasche nicht zu schimmeln anfangen… Das Besansegel schlagen wir dann eben auf dem Trockenplatz ab – kein Problem.

Die Genua liegt provisorisch gefaltet an Deck…
…auf dem Steg legen wir das große Segel dann noch einmal so zusammen, dass wir es…
…in den Segelsack und in die Achterkajüte bekommen

Heute haben wir dann noch die beiden an Steuerbord ausgebrachten Anker, sowie eine zusätzliche Leine, die an einem Betonblock auf dem Grund des Hafenbeckens angebracht war eingeholt. Mit diesen Leinen haben wir die Auswirkungen des Schwells auf Sabir und damit auf den schwächlichen Fingersteg an dem wir liegen erfolgreich gemindert.

Da die Anker und die Leinen nun doch einige Tage im Wasser lagen, haben sich da bereits Algen festgesetzt, die wir abspülen mussten.

Zum Glück war es heute in der Sonne wieder so heiß, dass es trotz der Sauerei ganz angenehm war, die Leinen und die Ankerkette mit dem Wasserschlauch abzuspritzen.

Morgen müssen wir noch das Dinghy an Decke holen, die Fender für das Kranen ausbringen und die Leinen vorbereiten. Gegen 13:30 kommen dann Alex (unser russischer Stegnachbar von der „White Arrow“), sowie Katharina und Markus von der „Antari“ um uns beim Auskranen zu helfen.

Roggenbrot aus Sauerteig und Linsen mit Spätzle

Ich habe vor ein paar Wochen schon einmal versucht ein Brot aus einem selbst angesetzten Sauerteig zu backen – das ist damals leider schief gegangen. Das Brot hat einfach nur sauer und bitter geschmeckt und wir mussten es leider den Hasen geben wegwerfen.

Der zweite angesetzte Sauerteig hat (mit wertvollen Tipps von Katharina von der „Antari“) viel besser geklappt. Nach ca. 6 Tagen habe ich heute aus den ca. 200g Sauerteigansatz ein Roggenmischbrot (mit etwas Hefe) gebacken, das (bis auf die Kruste) gut gelungen ist und sehr gut schmeckt.

Am späten Nachmittag haben wir Linsen mit handgeschabten Spätzle und Saitenwürstle gemacht, zu denen wir Katharina und Markus („Antari“) zum Abendessen eingeladen haben. Da wir auf dem Schiff keine Küchenwaage haben, müssen wir alle Mengen mit einem Messbecher in „Cups“ abschätzen. Irgendwie habe ich mich in der Menge verschätzt und mache viiiiiiel zu viele Spätzle…

Mengen werden im Messbecher und in „Cups“ abgeschätzt
Ganz schön anstrengend, so eine große Menge Teig zu schlagen (das Foto ist irgendwie mit Weitwinkel gemacht und ein bisschen verzerrt, so große Füße habe ich nicht…)
Nach einer Stunde war der Teig aus 6 Cups Mehl und 8 Eiern geschabt

Claudias Linsen und meine Spätzle schmecken unseren Gästen und uns beiden hervorragend und wir haben einen sehr geselligen Abend, mit tollen Gesprächen, der erst kurz nach Mitternacht endet.

Krantermin am Dienstag

So schnell kann‘s gehen. Seit Wochen versuchen wir aus den Mitarbeitern unseres Marina-Büros herauszubekommen, ob wir diesen Winter wieder einen Platz auf dem Trockenen für Sabir bekommen können.

Bislang bekamen wir immer nur ausweichende Antworten. Es gibt einfach keinen freien Platz, bzw. keine verfügbaren Stützen. Zu viele Pläne können dieses Jahr durch Corona einfach nicht die Tat umgesetzt werden. Das ist gleichbedeutend damit, dass Schiffe auf dem Trockenen stehen bleiben, deren Besitzer eigentlich gerne diesen Herbst/Winter auf die Kanaren und/oder in die Karibik wollten. Wir können also nur dann aus dem Wasser, wenn jemand anderes ins Wasser geht.

Wir sind auch nicht die Einzigen, die aus dem Wasser und aufs Trockene wollen. Ein Paar mit einer kleinen Tochter aus der Schweiz musste bereits abreisen und hat ihr Schiff notgedrungen im Wasser liegen lassen müssen. Ein weiteres Paar (Schweiz/Portugal) wartet ebenfalls auf einen Trockenplatz. Aber auch vor Anker gibt es Leute, die ihr Schiff zumindest für ein paar Reparaturen aus dem Wasser holen möchten.

Seit vorgestern sprechen uns verschiedene Leute darauf an, dass ein Platz im Boat-Yard freigeworden sei und dass der freie Platz für Sabir reserviert sei. Wir wissen von nichts. Am Montag haben wir das letzte mal im Büro nachgefragt und auch wieder nur eine Wischi-Waschi-Aussage bekommen.

Heute stand dann aber der Verantwortliche der Marina vor Sabir und hat mir quasi die Pistole auf die Brust gesetzt: Am Dienstag um 14:00 Uhr kommt Sabir aus dem Wasser – ob ich den Platz auf dem Trockenen haben möchte. Offenbar geht am Montag ein anderes Schiff ins Wasser, so dass wir raus können.

Mir blieb nichts anderes übrig, als das Angebot anzunehmen.

Wir sind traurig, dass wir es nicht noch einmal geschafft haben raus zu fahren und zu segeln. Traurig, dass die schöne Zeit merklich zu Ende geht. Eigentlich hatten wir den 13.12. zu unserem Rückreise-Termin gemacht. Jetzt werden wir vermutlich noch ein paar Arbeiten am Unterwasserschiff ausführen, wenn Sabir auf dem Trockenen steht und dann schon etwas früher nach Deutschland zurückkehren…

Endlich ist der Windmesser im Masttop

Ende letzten Jahres hatte ich mir doch neue Spielsachen für Sabir gekauft (Claudia hatte im Februar darüber berichtet):

  • B&G Windmesser (Bluetooth)
  • B&G Triton Anzeigeinstrument
  • NMEA2000 Multiplexer
  • Geber für Geschwindigkeit, Tiefe und Wassertemperatur

Das Ganze hatte ich im Dezember Zuhause zum Ausprobieren mal spaßeshalber aufgebaut. Hier ein Bild, das ich vor einem Jahr gemacht hatte:

Dezember 2020: Testaufbau
Dezember 2019: Testaufbau

Ende Februar diesen Jahres hatte ich alles in ein Paket gepackt und nach Porto Santo geschickt, so dass dieses rechtzeitig, wenn wir wie geplant Ende März ankommen wären, vor Ort ist.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war Corona. Als wir letztendlich im Juli auf Porto Santo angekommen waren und ich den Windmesser gerne auf dem Mast montiert hätte, war ich nicht mehr in der Lage, den Windmesser mit seinem Bluetooth-Empfänger zu verbinden. Diese Verbindung ist jedoch notwendig, dass die Windgeschwindigkeit und die Windrichtung drahtlos vom Masttop nach unten gefunkt werden können.

Ich habe mich mit Navico (dem Hersteller des Windmessers) und SVB (meinem Händler) in Verbindung gesetzt und am Ende hat sich herausgestellt, dass der Akku des Windmessers das Problem war. Dieser wird von einer kleinen, in den Windmesser eingebauten Solarzelle geladen. Allerdings nur, wenn die Solarzelle auch ab und zu von der Sonne beschienen wird – und das war eben nicht der Fall, so lange sich alles in dem Paket befunden hat. Vermutlich war der Akku so „tiefenentladen“, dass er von der Solarzelle nicht mehr aufgeladen werden konnte.

Kulanterweise hat mir Navico unentgeltlich einen neuen Akku nach Porto Santo geschickt. Dieser hat mich Ende Oktober irgendwann erreicht. Mit dem neuen Akku war das Herstellen der Verbindung zwischen dem Windmesser und dem Bluetooth-Empfänger kein Problem und das B&G-Instrument, das ich ja bereits Ende August eingebaut hatte, konnte mir nun auch die Daten des Windmessers anzeigen.

Mit Claudias Hilfe bei der Sicherung bin ich in den Mast gestiegen und habe mir angeschaut, wie der alte Windmesser festgemacht war und wie ich den neuen befestigen kann.

Der alte Windmesser war in dem kleinen graue Kasten mit der schwarzen Buchse in der Mitte des Masttops eingesteckt.

Natürlich ließen sich die Schrauben, mit denen der Windmesser auf den Mast geschraubt war, nicht mehr lösen, da sie sich durch Korrosion im Verlauf der Jahre fest mit dem Aluminium des Masts verbunden hatten. Mit Gewalt ist es mir gelungen, das Alu-Blech durch wiederholtes Biegen von den Schrauben abzubekommen. Übrig sind nun nur noch die alten Schrauben und die verbleiben oben im Mast…

Für den neuen Windmesser habe ich mir im Baumarkt einen Streifen Alu-Blech gekauft. Auf dieses Blech wurde die Basis des Windmessers geschraubt.

Gestern bin ich mit Claudias Hilfe erneut in den Mast gestiegen und habe das Blech mit der Basis mit neuen Schrauben am Mast-Top angebracht und den Windmesser aufgeklippst.

Nachdem Claudia mir von unten bestätigt hat, dass Windrichtung und -geschwindigkeit unten auf dem Gerät angezeigt werden, konnte ich zufrieden wieder nach unten steigen und mich darüber freuen, dass wir endlich eine zuverlässige Windanzeige haben.

Verluste: 1 Kreuzschlitzschrauben-Bit für den Akku-Schrauber – dieses hat sich beim Werkzeugwechsel nach unten auf den Weg ins Hafenbecken gemacht…

Marmelade – Reisen bildet!

Wir haben bei einer Aktion des Supermarkts unseres Vertrauens einen Becher roter Marmelade geschenkt bekommen. Auf dem Deckel steht „Marmelada“ und wir haben uns gefragt, was da wohl für eine Marmelade drinnen ist.

Bei den Inhaltsstoffen steht als Hauptzutat „Marmelo“. Also ist es wohl eine „Marmelo“-Marmelade. Äh wie? Klar doch ist in Marmelade auch „Marmelade“ drin – aber welche Frucht ist das?

Es stellt sich heraus, dass Marmelo Quitten sind.

Das heißt eine „Marmelada“ ist ein zuckerhaltiger Brotaufstrich, der durch Einkochen von Quitten entsteht. Unser (süd-)deutsches Wort Marmelade kommt also aus dem Portugiesischen.

Wieder was gelernt. Es grüßen Euch Eure Bildungsreisenden.

Dreifache gelbe Warnung

Das berichtet die lokale Presse am Dienstag, den 3. November 2020 und das bedeutet: Warnung für Regen, Wind und Meer. Die Warnung gilt für Dienstag und Mittwoch.

Auf Madeira werden Winde bis 70km/h erwartet, was wieder zu Problemen am Flughafen führen könnte. Beim letzten Sturm „Barbara“ wurde sogar die Fährverbindung Madeira-Porto Santo sicherheitshalber eingestellt. Das ist dieses Mal nicht der Fall, vermutlich auch deshalb, da „Lobo“ am Dienstag sowieso seinen Ruhetag hat.

Wellen werden bis zu einer Höhe von 4,5 Metern vorausgesagt ebenso kräftige Regenschauer.

Auf Windy hatten wir schon am Samstag gesehen, dass der Sommer nur ein kleines Intermezzo geben wird.

Montag Abend präparieren wir Sabir mal wieder für den Wind. Peter bringt wieder einen zusätzlichen Anker aus. Da unser Dinghy vom Segeln noch auf dem Vorschiff ist, bietet Janne (unser schwedischer Nachbar von der „Emma“) Peter an, ihn mit seinem Dinghy rauszufahren, so dass er den Anker ausbringen kann. Wir nehmen das Angebot gerne an. Herzlichen Dank dafür!

Der Wind ist dieses Mal von Nordosten vorhergesagt. Deshalb wird Sabir diesmal die erste sein, die der Wind trifft. Sie wird mit ihrem ganzen Gewicht auf den Steg gedrückt werden. Schwer vorstellbar, dass sich 15 Tonnen einfach so bewegen lassen, aber die Kräfte der Natur sind immens.

Wir lassen unser Dinghy ganz auf das Deck am Vorschiff ab und zurren es gut fest. Das heißt gleichzeitig, dass wir nun die Luke am Vorschiff nicht mehr öffnen können. Somit haben wir beim Schlafen keine Frischluftzufuhr mehr.

Die Sonne verabschiedet sich an diesem Tag spektakulär.

In der Nacht zum Montag frischt der Wind merklich auf. Wir werden immer wieder durch den knarzenden Steg, die quietschenden Fender, die am Steg zusammengedrückt werden und das Plätschern des Wassers geweckt.

Das Frühstück findet heute leider wieder unter Deck statt, da es – wie vorhergesagt – kräftig regnet und der Wind uns frösteln lässt, obwohl es immer noch 20 Grad hat. Auch den Rest des Tages verbringen wir unter Deck.

Müssten wir nicht in regelmäßigen Abständen nach den Leinen, den Fendern und dem Steg schauen, würde uns bei diesem Wetter nichts nach draußen locken.

Bei einem dieser Kontrollgänge sehe ich eine kleine Boje an unserer Sabir entlang schwimmen und bemerke: „das muss unsere Markierungsboje vom ausgebrachten Anker sein“. Ich rufe Peter und bewaffne mich mit dem Bootshaken. Leider wird sie durch Wind und Welle schnell weiter getrieben. Der Wind steht jedoch in guter Richtung und treibt die Boje in den Hafen. Peter springt mit dem Bootshaken am Steg entlang auf das nächste gegenüberliegende Schiff und kann ihr mit dem Bootshaken immer wieder Schubse in Richtung Hauptsteg geben, so dass ich den kleinen Ausreiser aus dem Wasser fischen kann.

Der Tag erinnert ein wenig an einen stürmischen Herbsttag in Deutschland: Kuscheldecke, Tee, Buch.

Hier auf Sabir haben wir jedoch das Gefühl der Kraft der Natur näher zu sein:

  • Die Geräuschkulisse, die entsteht wenn der Wind mit 32 Knoten durch die Masten der Yachten im Hafen pfeift.
  • Das ständige Plätschern des aufgewühlten Wassers rundum (klingt ein bisschen wie der Schonwaschgang der Waschmaschine).
  • Die Wellen, die an den Rumpf und an das Heck schlagen.
  • Die geballte Kraft des Windes, wenn er Sabir mit voller Wucht auf die Seite legt und auf den Steg drückt.
  • Das Gefühl beim Laufen über die eigenen Füße zu stolpern, wenn Sabir von einer Seite auf die andere rollt.

Wir fühlen uns dennoch sicher und wohl. Irgendwie fühlt es sich auch schon fast ganz normal an und wir „schrecken“ eher auf, wenn plötzlich der Wind nachlässt und es ruhiger wird.

Bei einem Kontrollgang vor der Nachtruhe ist der Himmel sternenklar und wir sehen einen Teil des Sternbild des Orions. Wenige Minuten später ist der Himmel schon wieder bewölkt.

An Nachtruhe ist vor 1 Uhr nicht zu denken: Der Wind bläst mit über 30kn immer noch zu heftig um Sabir herum. Im Bett zu liegen fällt schwer, da man von den teils ruckartigen Bewegungen immer wieder geweckt wird.

Morgen soll es laut Wettervorhersage wieder ruhiger werden. Lediglich die Temperaturen sollen fallen. Das heißt für uns, dass wir nun unsere langärmligen Sachen rausholen müssen.

Der Sommer kehrt zurück

Madeira Island News berichtete am 26.10.:

SUMMER RETURNS END OF WEEK.

Das ist doch mal eine Wettervorhersage die uns freut.

Die letzten Tage war es kühl und es hat immer mal wieder geregnet, aber ab heute ist wieder Sommer.

Von der Nacht ist draußen noch alles feucht. Das haben wir hier so noch nicht erlebt. Macht aber nichts: Bis wir das Frühstück vorbereiten ist von der Sonne alles sehr schnell getrocknet und wir können mal wieder gemütlich an Deck frühstücken.

Nach dem Frühstück und Aufräumen haben wir noch etwa vier Stunden Zeit, bis wir heute zum Nachmittagskaffee bei unseren schwedischen Nachbarn auf der „Emma“ eingeladen sind. Zum Segeln reicht die Zeit nicht, daher entscheiden wir uns, eine kleine Wanderung zu machen.

Wir machen uns auf den den Weg Richtung der Kapelle „Capela de Nossa Senhora da Graça“, den wir ja schon kennen.

Wir kommen wieder bei einem Esel vorbei (ich habe ihn Fred getauft), der ohne Wasser auf steinigem, struppigem Boden steht. Wenn er uns sieht, versucht er zu uns zu laufen. Die Leine, die an seinem Hinterbein festgemacht ist, hält ihn jedoch davon ab. Sein durchhängender Rücken, sein struppiges Fell und die traurigen großen Glubschaugen sagen alles über sein wohl arbeitsreiches Leben. Wenn er sprechen könnte, ich wollte vermutlich gar nicht hören, was er von seinem Leben zu erzählen hätte…

Plötzlich flattert etwas über uns hinweg. Wir erkennen einen Wiedehopf. Leider waren wir mit der Kamera nicht schnell genug. Zuvor hatten wir heute auch schon einen Falken gesehen.

Auf dem letzten Stück des Weges zur Kirche kommen uns drei Jäger mit Jagdhunden entgegen. Sie waren auf Kaninchenjagd. Am Gürtel der Männer baumeln die leblosen Trophäen ihrer Jagd. Kein schöner Anblick.

Unterhalb der Kirche folgen wir dem Weg Richtung Pico do Castello.

Von hier haben wir einen schönen Blick über die Insel, der uns inzwischen schon sehr vertraut erscheint. Trotzdem hat er sich verändert. Wir erkennen immer wieder einen zarten grünen Flaum zwischen all der Dürre. Der Regen der letzten Tage hat der Insel sehr gut getan, er hat die sonst braune Insel in ein zartes Grün verwandelt.

Unser Weg wird gesäumt von Kaktusfeigen…

…die mit ihren Stacheln manchmal bedrohlich in den Weg ragen.

Plötzlich hören wir in der Ferne Schüsse und überlegen, ob es für uns sicher ist, wenn wir hier weiter laufen. Da es ein offizieller Wanderweg ist, wagen wir es weiter zu gehen.

Als wir um eine Wegkehre kommen sehen und hören wir Jäger, die ihre Hunde durch Pfiffe und Rufe in Schach halten. Die Hunde winseln, jammern, bellen und springen von hier nach da, die Abhänge hinunter und wieder hinauf. Sie wollen jagen. Es ist ein unübersichtliches Spektakel. Was jedoch zu erkennen ist: Die Jäger sind nicht sehr erfreut über unseren Anblick. Ich nicht über den Anblick der toten Kaninchen, die sie, würdelos an den Beinen zusammengebunden, kopfüber baumelnd, an ihrem Gürtel hängen haben.

Wir schlängeln uns auf einem schmalen Pfad an den etwa 10 Jägern vorbei, die schon aus der Ferne wild gestikulierend darum bitten, dass wir weiterlaufen sollen. Die sicherlich 50 Jagdhunde, die vom Adrenalin der Jagd aufgepeitscht sind und wild umher laufen, erschweren für mich das Durchkommen durch diese blutrünstige Meute.

Nur eine Wegbiegung weiter kommen wir an der Stelle an, an der wir heute einen der Caches auf dem Weg suchen wollen. Wir sind froh, dass die Jäger nicht gerade hier gestanden sind.

Danach geht es entlang einer Art Levada die von Kiefern gesäumt ist. Durch die warme Luft wird der angenehme Duft der Kiefern verströmt.

Nachdem wir einen weiteren Cache gefunden haben, müssen wir uns auch schon auf den Weg zurück machen.

Am Ende sind wir 9 Kilometer gelaufen und genießen anschließend den Nachmittag auf der „Emma“ mit Helena & Janne. Sie zeigen uns ihre Halberg-Rassy 42 und verwöhnen uns dann mit leckerem Apfelkuchen und Kaffee. Sie bieten uns auch noch schwedische Pfefferkuchen an, die mit einem Bild von „Emma“ (aus Zuckerguß?) verziert waren – eigentlich viel zu schade zum Essen. Vielen Dank für den schönen Nachmittag.

Bei Vollmond will mein Süßer mit mir segeln gehn…

…so war der Plan…

Eigentlich wollten wir am Samstag früh gegen 3 Uhr aufstehen um bei Vollmond raus zu fahren und in den Sonnenaufgang zu segeln.

Peter war am Freitag noch bis spät in die Nacht mit der Installation des Pico beschäftigt. Und wie das so ist: Bei Arbeiten an Bord schaut es gleich so aus, als würde das Innere der Einrichtung nach außen gestülpt. Will heißen, alles was in den Schränken war, liegt, gleich einem Hindernisparcours, im Weg und will nach getaner Arbeit auch wieder verräumt werden.

Dadurch sind wir gestern erst spät ins Bett gekommen und konnten uns nicht vorstellen schon um 3 Uhr wieder aufzustehen. Außerdem waren für die Nacht und den frühen Morgen noch hohe Wellen gemeldet. Das zusammen war der Grund unsere erste „Nachtfahrt“ nochmal zu verschieben.

So machen wir uns erst gegen 11 Uhr auf den für Sabir schon bekannten Weg Richtung „Martins Insel“.

Heute geht es jedoch noch ein Stückchen weiter in Richtung Norden um die Insel herum.

Nachdem wir gewendet haben um zurück zu fahren, haben wir etwas zu wenig Wind. Durch den fehlenden Druck im Segel und das Schaukeln in den Wellen schlägt der Baum des Großsegels zwei Mal heftig in die Großschot.

Wir sehen beide etwas weg fliegen. Als mein Blick auf den oberen Block der Großschot fällt, sehe ich, dass ein Schäkel gebrochen ist. Wir holen das Großsegel ein und unterstützen den Schäkel notdürftig mit zwei Leinen. Da es auch für die Genua zu wenig Wind gibt, rollen wir sie ebenfalls ein und machen uns unter Motor zurück auf den Weg zur Marina.

Am Steg angekommen bringt Peter einen neuen Schäkel an. Dort findet er auch einen Kabelbinder, der bei dem Schlag von einem Scheuerschutz einer Reffleine abgegangen ist – das war es, was wir haben fliegen sehen…

Wir sind froh, dass uns das tagsüber passiert ist. Wäre es heute Nacht gewesen, hätten wir den gebrochenen Schäkel vielleicht nicht rechtzeitig bemerkt und möglicherweise wäre noch ein größerer Schaden entstanden.